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StartseiteInterview"Weder Herr Wulff noch Herr Gauck sind für Die Linke wählbar"04.06.2010

"Weder Herr Wulff noch Herr Gauck sind für Die Linke wählbar"

Linken-Chefin Lötzsch kündigt möglichen eigenen Bundespräsidentenkandidaten an

Klare Worte der Linken-Vorsitzenden Gesine Lötzsch: Die Attacken des früheren Stasiunterlagen-Beauftragten Gauck auf Gregor Gysi seien nicht vergessen. Gauck sei "ein Mann der Vergangenheit".

Gesine Lötzsch (Die Linke) (Deutscher Bundestag)
Gesine Lötzsch (Die Linke) (Deutscher Bundestag)
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Christoph Heinemann: Gesine Lötzsch ist die Vorsitzende der Partei Die Linke, guten Morgen!

Gesine Lötzsch: Guten Morgen!

Heinemann: Wen die Linke, wen wird denn die Linke für als Kandidatin oder als Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes nominieren?

Lötzsch: Also wir werden uns jetzt nicht der Hektik der anderen Parteien anschließen, wir werden gründlich in den Gremien beraten, ob wir einen eigenen Vorschlag unterbreiten werden, und wenn es soweit ist, dann werden wir rechtzeitig die Medien informieren. Aber klar ist, weder Herr Wulff noch Herr Gauck sind für die Linke wählbar und ich hätte es gut gefunden, wenn Frau Merkel als Vorsitzende der CDU alle Parteivorsitzenden zu einem Gespräch eingeladen hätte, um sich darüber zu verständigen, ob man zu einem überparteilichen Kandidaten oder einem Kandidaten, der selbst bei Parteimitgliedschaft von allen anderen hätte akzeptiert werden können, verständigt hätte. Diese Chance hat sie leider nicht ergriffen und ich muss auch sagen, leider haben sich SPD und Grüne genau so verhalten. Die SPD hat ja mehrmals in der Öffentlichkeit genau diese Forderung, die ich auch erhoben habe, geäußert, nämlich ein Gespräch mit den Parteivorsitzenden zu machen. Und nun haben SPD und Grüne genau so autistisch wie die Große Koalition einen Vorschlag unterbreitet.

Heinemann: Frau Lötzsch, Joachim Gauck ist ein prominenter Ostdeutscher, was wollen Sie mehr?

Lötzsch: Joachim Gauck ist sicher bekannt gewesen, er ist ja in letzter Zeit natürlich nicht mehr so in der Öffentlichkeit, aber er ist für uns kein Mann der Zukunft. Ich erwarte von einem Bundespräsidenten, dass er Impulse für die Zukunft gibt, aus meiner Sicht ist er vor allem ein Mann der Vergangenheit.

Heinemann: War Peter Sodann ein Mann der Zukunft?

Lötzsch: Peter Sodann war ein Volkspräsident im wahrsten Sinne des Wortes ...

Heinemann: Wo war die Zukunft?

Lötzsch: Ich, ich war ja mit ihm sehr, sehr viel unterwegs und er ist ein kluger Analytiker gewesen der jetzigen Zustände und er hätte Impulse geben können, gerade was im Volk gedacht wird und wie man Ideen und ja Visionen umsetzen kann in unserer Gesellschaft.

Heinemann: Frau Lötzsch, Hand aufs Herz: Joachim Gauck hat etwas gegen Stasi-Leute und SED-Funktionäre. Ist es das, was Sie stört?

Lötzsch: Ich habe Ihnen ja ganz klar gesagt, für mich ist Herr Gauck kein Mann der Zukunft, er ist ein Mann der Vergangenheit und ...

Heinemann: ... und ein Stasi-Aufklärer ...

Lötzsch: ... und der zweite Punkt ist, dieser Vorschlag ist mit uns nicht besprochen. Wir sind keine Partei zweiter Klasse, man kann von uns nicht verlangen, dass wir Vorschläge, die uns über die Presse mitgeteilt werden, nur abnicken.

Heinemann: Ist ein Stasi-Aufklärer für Leute aus Ihrer Partei wählbar?

Lötzsch: Ich glaube nicht, dass Herr Gauck für sich diese Bezeichnung "Stasi-Aufklärer" akzeptiert, er würde das sicher mit ganz anderen Worten beschreiben. Aber es ist natürlich nicht vergessen, dass Herr Gauck unseren langjährigen Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi heftig attackiert hat, und ich glaube, das ist keine gute Voraussetzung für eine Wahl.

Heinemann: Wie bewerten Sie denn seine Arbeit der Aufklärung der Stasi-Verbrechen und der SED-Verbrechen?

Lötzsch: Herr Gauck hat ja versucht, eine große Behörde zu führen, und es ist glaube ich nicht gelungen, das, was ja als Anspruch immer formuliert wurde, das zu nehmen, um wirklich offen in der Gesellschaft zu diskutieren und um darüber zu diskutieren, wie man zum Beispiel Schlussfolgerungen zieht aus der Vergangenheit, wie man wirklich die Menschen versöhnt. Das Prädikat des Versöhners, was ihm jetzt angeheftet wurde, das kann ich nicht unterschreiben.

Heinemann: Betrachten Sie es als unfreundlichen Akt von SPD und Grünen, ausgerechnet einen Anti-Stasi- und Anti-SED-Mann auf den Schild gehoben zu haben?

Lötzsch: Also ich würde diesen Vorschlag jetzt nicht überbewerten, aber Tatsache ist, es ist kein Signal einer Zusammenarbeit von SPD, Grünen und Linken. Da ist eine Chance verpasst worden. Ich will das aber nicht überbewerten, denn die Wahl des Bundespräsidenten steht vor allem dann im Mittelpunkt, wenn der Tag der Wahl ist, danach, das ist ja auch in vielen Kommentaren gesagt worden, spielt der Bundespräsident nicht mehr die große Rolle.

Heinemann: Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linken, danke schön für das Gespräch und auf Wiederhören!

Lötzsch: Auf Wiederhören!

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