Mittwoch, 29. Juni 2022

Weitere Festnahmen in der Türkei
Spezialeinheiten durchsuchen Militärakademie in Istanbul

In der Türkei herrscht nach dem gescheiterten Putsch weiter Unruhe: In Istanbul wurden 1.800 zusätzliche Spezialkräfte der Polizei zusammengezogen. Spezialeinheiten durchsuchten die Militärakademie der Luftwaffe. Außerdem soll es zwischen Anhängern der Regierungspartei AKP und Minderheiten zu Auseinandersetzungen gekommen sein.

18.07.2016

Schwer bewaffneter türkischer Polizist einer Spezialeinheit
Polizist einer Spezialeinheit an der Atatürk-Militärakademie der Luftwaffe in Istanbul (dpa/picture alliance/Marius Becker)
Die Spezialkräfte der Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen würden an strategisch wichtigen Einrichtungen und Straßen der größten Stadt des Landes eingesetzt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der Polizeichef Istanbuls, Mustafa Caliskan, habe zudem den Befehl gegeben, unbekannte Hubschrauber ohne Vorwarnung abzuschießen. Wie es aus Regierungskreisen hieß, patrouillierten in der Nacht zu Montag im gesamten Luftraum der Türkei F16-Kampfflugzeuge.
9.000 Staatsdienster sollen entlassen werden
Polizisten durchsuchten heute früh außerdem die Militärakademie der Luftwaffe in Istanbul. Medienberichten zufolge gab es dort auch Festnahmen. Laut einem Regierungsvertreter wurde General Mehmet Disli festgenommen, der während des Putschversuchs Generalstabschef Hulusi Akar habe festnehmen lassen.
Zudem wurde bekannt, dass fast 9.000 Beamte entlassen wurden. Insgesamt 8.777 Staatsbedienstete seien ihrer Posten enthoben worden, darunter 30 Gouverneure und 52 Inspekteure, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das türkische Innenministerium. Nach dem Putschversuch waren bereits am Wochenende , darunter mehr als hundert Generäle und Admiräle.
EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn warf der türkischen Regierung vor, den Putschversuch zur Ausschaltung innenpolitischer Gegner zu nutzen. Offenbar seien bereits Verhaftungslisten für einen günstigen Augenblick vorbereitet gewesen. Dieser Moment scheine am Wochenende gekommen zu sein. Genau das habe man befürchtet, sagte Hahn, der mit der Türkei über einen Beitritt des Landes zur EU verhandelt.
AKP-Anhänger wollten alevitisches Viertel stürmen
Auf dem Istanbuler Taksim-Platz protestierten erneut mehrere tausend Menschen gegen eine Machtübernahme des Militärs, ebenso in Ankara. In der zentralanatolischen Stadt Konya kam es bei Demonstrationen gegen den Putschversuch Medienberichten zufolge zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Regierungspartei AKP und Minderheiten. AKP-Anhänger hätten versucht, ein überwiegend von christlichen Aramäern bewohntes Viertel zu stürmen, berichtete die Zeitung "Cumhuriyet". Polizisten hätten das verhindert, bei Zusammenstößen seien aber fünf Aramäer verletzt worden.
Die Nachrichtenagentur DHA meldete, auch in der osttürkischen Stadt Malatya sei es zu Spannungen gekommen. In einem alevitisch geprägten Viertel hätten AKP-Anhänger gerufen: "Die AKP-ler sind hier, wo sind die Aleviten?" Sicherheitskräfte hätten Warnschüsse abgeben müssen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Bei Twitter wurden Videos veröffentlicht, auf denen angeblich AKP-Anhänger durch die Straßen ziehen. Im Hintergrund sind Schüsse zu hören. Die Videos lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
(cvo/hba/fwa)