
Was bedeutet der Tod Chameneis für den Iran?
Chamenei war seit 1989 an der Spitze des Irans und hat alle wegweisenden Entscheidungen im Land getroffen. Regierung und Präsident waren ihm untergeordnet. Insofern stellt sein Tod eine Zäsur dar. Zugleich hat sich das Herrschaftssystem in den Jahrzehnten seit der Revolution massiv gefestigt und kontrolliert - auch unabhängig von der Person Chameneis - über seinen vielschichtigen Sicherheitsapparat das öffentliche Leben mit harter Hand.
Wer übernimmt die Führung im Iran?
Im Iran wird nach Angaben von Außenminister Araghtschi innerhalb der nächsten beiden Tage ein neuer Oberster Führer gewählt. Wer gute Chancen hat, der Nachfolger Chameneis zu werden, ist Beobachtern zufolge schwer zu beurteilen. Spekuliert wurde in der Vergangenheit etwa, Chameneis Sohn Modschtaba könnte seinem Vater nachfolgen. Dieser ist bislang jedoch wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten.
Der iranische Präsident Pesseschkian teilte mit, dass ein neuer temporärer Führungsrat seine Arbeit aufgenommen habe. Er selbst ist eines von drei Mitgliedern des Gremiums. Außerdem gehört der iranische Justizminister Mohseni-Edschehi sowie ein Juristen des Wächterrats dem Führungsrat an.
Wie lange dürfte der Krieg noch andauern?
Der Tod Chameneis und weiterer Funktionäre des Mullah-Regimes reicht den USA und Israel nicht. Sie bombardieren weiter Ziele im Iran. Sie wollen einen nachhaltigen Machtwechsel erreichen.
Deutschlandfunk-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler berichtet, die israelische Regierung habe ihre Landsleute darauf eingestellt, dass der Krieg mehrere Tage andauern werde. Nach Einschätzung Kitzlers gibt es jedoch viele Unbekannte, etwa wie die neue iranische Führung auf die Tötung Chameneis reagiere und ob die Proteste der Bevölkerung im Iran neu aufflammten. Beides könnte die Dauer des Kriegs beeinflussen. Die mächtigen iranischen Revolutionsgarden gelobten zudem Vergeltung. Der Iran betrachte es als seine Pflicht und sein Recht, sich an den Tätern dieses Verbrechens zu rächen, hieß es.
Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Stein, rechnet mit einem längeren Krieg im Iran. Wie lange dieser dauern werde, hänge alleine von US-Präsident Trump ab, sagte Stein im Deutschlandfunk. Als Ziele Israels nannte Stein, führende Personen im politischen, militärischen und nuklearen Bereich des Iran gezielt zu töten und das iranische Raketenarsenal zu zerstören.
Kommt es zu einem Regimewechsel?
Der Nahostexperte Thomas Juneau schrieb auf der Plattform X, die Islamische Republik könne "den Verlust mehrerer Schlüsselfiguren verkraften", genauso wie mehrtägige Luftangriffe. Auch die Politikwissenschaftlerin Gerlinde Groitl von der Universität Regensburg beschreibt das iranische Regime als äußerst resilient. "Dass Führungspersönlichkeiten ausgeschaltet werden können, ist immer mit eingepreist", erklärte Groitl gegenüber tagesschau24. Sie bezweifelt, dass ein Regimewechsel allein durch Luftangriffe erreicht werde. US-Präsident Trump habe angekündigt, dass das iranische Volk nach den Luftangriffen die "Arbeit am Boden" übernehmen solle, betonte Groitl. Ob die Proteste den Regimewechsel herbeiführen können, sei nicht absehbar.
Ein direktes Eingreifen der USA habe selten "zu langfristiger demokratischer Stabilität geführt", sagt der auf Lateinamerika-Experte Christopher Sabatini von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Sabatini verweist auf Guatemala, wo eine Intervention der USA in den 1950er Jahren einen 40 Jahre langen Bürgerkrieg auslöste, in dem mehr als 200.000 Menschen getötet wurden.
Weiterführende Informationen
Diese Nachricht wurde am 01.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
