Mittwoch, 20.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteEuropa heuteWo der Zweite Weltkrieg wirklich begann26.08.2019

Wieluń in SüdpolenWo der Zweite Weltkrieg wirklich begann

Wenn vom deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 die Rede ist, denken die meisten an die Westerplatte in Danzig. Dabei bombardierten deutsche Soldaten bereits wenige Minuten zuvor die Stadt Wieluń. Wie erinnern die Menschen dort an den Übergriff?

Von Jessica Chmura

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
02.08.2019, Polen, Wielun: Statuen stehen in der Stadt Wielun zum Gedenken an den Überfall Nazi-Deutschlands in Polen am 1. September 1939. (dpa/Kai Nietfeld)
Wieluń war der erste Ort in Polen, den Hitlers Truppen angegriffen haben. Das ist selbst in Polen noch immer nicht jedem bewusst. (dpa/Kai Nietfeld)
Mehr zum Thema

Publizist zu Weltkriegsgedenken in Polen "Danzig soll bestraft werden"

Gedenken an polnische NS-Opfer Erinnerung als Grundlage für Versöhnung und Dialog

1. September 1939 Der deutsche Überfall auf Polen

Zweiter Weltkrieg Wielun und das schwierige Gedenken

Handwerker bohren, hämmern, verlegen Steine in den Räumen des ehemaligen Bernhardinerinnen-Klosters von Wieluń. Dort ist das historische Museum der Kleinstadt mit 23-tausend Einwohnern untergebracht. Die Arbeiter werkeln an einer Ausstellung. Sie soll daran erinnern, was im Zweiten Weltkrieg in Wieluń passiert ist.

Bis zur Eröffnung am 1. September bleibt nicht mehr viel Zeit. Polens Präsident Andrzej Duda und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben sich für diesen Tag angekündigt. Sie wollen gemeinsam dort gedenken, wo vor 80 Jahren deutsche Soldaten, deutsche Sturzkampf-Bomber, 1.200 wehrlose Frauen, Männer und Kinder getötet und die beschauliche Stadt komplett vernichtet haben.

Selbst in Polen unbekannt

Für Museumsdirektor Jan Książek ist es wichtig, dass die, die diese Tragödie miterlebt haben, zu Wort kommen: "Wir bereiten eine Dauerausstellung vor unter dem Titel "Die Zeugen sprechen, 1.9.1939". Die Ausstellung wird sich auf die Aussagen von Zeitzeugen stützen. Sie sind am wichtigsten in der Ausstellung. Jetzt sind es noch etwa 20 Menschen. Leider mit jedem Jahr weniger." Wieluń war der erste Ort in Polen, den Hitlers Truppen angegriffen haben. Wieluń, nicht die Westerplatte. Das ist selbst in Polen noch immer nicht jedem bewusst. Weil eben über Jahrzehnte die Westerplatte bei Danzig das Symbol des Zweiten Weltkrieges war. Weil immer dort gedacht wurde. Deshalb war auch diese Wieluń-Touristin nach ihrem Museums-Besuch überrascht: "Bisher wusste ich nur von der Westerplatte und ich hatte überhaupt keine Ahnung, dass auch Wieluń gleich am Anfang des Krieges angegriffen wurde."

Die ersten Bomben fielen um 4:40 Uhr

Einwohner von Wieluń kennen dieses Detail der Geschichte natürlich, wie diese beiden jungen Männer erzählen: "Es wäre merkwürdig, wenn ich das als Einwohner Wieluńs nicht wüsste. Ich mache auch meine Bekannten darauf aufmerksam, dass es nicht die Westerplatte, sondern Wieluń war. Ich denke, in Wieluń wird das wahrgenommen, auch die Geschichtslehrer erzählen es uns, also von Kind an weiß man hier, wie es ausgesehen hat. Wir sind hier regionale Patrioten, also es ist für uns von Bedeutung."

"Die Geschichte kenne ich, hier auf Wieluń sind die ersten Bomben gefallen, auf das Krankenhaus, um 4.40 Uhr." Und genau Dort, um genau diese Zeit, wollen der polnische Präsident und der deutsche Bundespräsident am kommenden Sonntag an die Opfer erinnern. Anschließend kommen sie mit Zeitzeugen zusammen, werden sich anhören, wie sie den Kriegsbeginn erlebt haben.

Anschließend werden Andrzej Duda und Frank-Walter Steinmeier die neue Ausstellung im Museum Wieluń besuchen. Dass gerade die Staatsoberhäupter von Polen und Deutschland zur Ausstellungseröffnung kommen, an einem wichtigen historischen Tag, das ist für Museums-Direktor Książek eine bedeutende Geste: "Es wird, denke ich, nicht nur für Wieluń, sondern auch für die Polen und für die Deutschen ein großes Ereignis. Denn die Erinnerung an die Geschichte ist wichtig, und es ist wichtig, über schwierige Themen zu sprechen - aber auf eine Art und Weise, dass die Schlüsse, die wir aus dem 2. Weltkrieg ziehen, nicht vergeudet werden."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk