
In Europa gibt es nicht nur von Imkern gehaltene und gemanagte Honigbienen. In manchen Regionen Europas haben sich auch wilde Honigbienen etabliert. Sie sind wichtige Bestäuber der Ökosysteme.
Doch ihre Lebensräume schwinden. Zudem sind sie von Krankheiten und invasiven Arten bedroht. Forschende schlagen deswegen Alarm: Die Bestände gehen zurück.
Dramatischer Rückgang der Population
Auf Grundlage aktueller Monitoring-Studien aus sieben europäischen Ländern haben Forschende die Entwicklung wilder Honigbienenpopulationen modelliert. Demnach schrumpfen die Populationen voraussichtlich um 50 bis 60 Prozent pro Jahrzehnt, berichtet der Ökologe Patrick L. Kohl von der Universität Hohenheim.
Die dramatischen Zahlen haben dazu geführt, dass die wild lebenden Populationen nun in der Europäischen Union auf die Rote Liste der stark gefährdeten Arten aufgenommen worden sind.
Immer weniger Lebensräume
Die größte Bedrohung ist der Verlust geeigneter Lebensräume, sagt Kohl. Eine pestizidfreie Landschaft nützt den Tieren wenig, wenn es keine Lebensgrundlage gibt, also ein ausreichendes Blütenangebot und geeignete Plätze für Nester.
Hinzu kommt: Die Vermischung von Imkern gehaltener Bienen mit lokalen Wildpopulationen kann zum Verlust genetischer Vielfalt führen.
Eine weitere Gefahr ist die Varroamilbe. Der Parasit bereitet vor allem Imkern große Sorgen, denn er ernährt sich vom Fettkörper und der Hämolymphe der Biene. Auch vermehrt er sich in deren Brutzellen, auf Kosten des Bienennachwuchses.
Es wird indes davon ausgegangen, dass die wilden Völker etwas weniger anfällig als gehaltene Honigbienen sind, so Kohl.
Invasive Arten: die asiatische Hornisse
Die asiatische Hornisse ist eine invasive Art und bedroht das hiesige Ökosystem. Sie wurde 2005 erstmals in Südfrankreich beobachtet und breitet sich in Europa aus. Mittlerweile gibt es Nachweise auch aus vielen deutschen Bundesländern.
Die Art hat ein breites Nahrungsspektrum, sie frisst unter anderem auch Bienen. Doch sei die asiatische Hornisse nicht nur – wie oft angenommen wurde – für Bienen eine Bedrohung, sagt Imkerin Miriam Wahr.
In Larvenmägen der Hornisse wurden rund 1500 verschiedene Insektenarten nachgewiesen. Davon seien 95 Prozent Bestäuber gewesen. „Das heißt, es ist eine riesige Bedrohung für die komplette Biodiversität“, unterstreicht Wahr.
Schutz für wilde Honigbienen
Vor allem gelte es, den Lebensraum zu erhalten, sagt Ökologe Kohl. Das häufigste Nisthabitat der wilden Völker sind Baumhöhlen. Man müsse dafür sorgen, dass Bäume mit alten Höhlen nicht gefällt werden und auch im Wirtschaftswald Bäume wieder älter werden können. Davon würden auch andere Höhlennutzer, wie Eulen, Fledermäuse oder Baummarder, profitieren.
Onlinetext: Rade Janjusevic
















