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StartseiteForschung aktuellWarum Mücken die Fliege machen31.07.2018

WirkstoffforschungWarum Mücken die Fliege machen

Der Sommer könnte so schön sein, wenn bloß nicht die Mücken wären. Die meisten Stiche jucken nur, einige bringen aber auch Krankheiten mit sich. Bessere Mückenabwehrmittel könnten die Infektionsgefahr senken. In New York sind Wissenschaftler auf der Suche nach passenden Substanzen.

Von Anneke Meyer

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Moskitos auf einem Gitternetz (imago/ZUMA Press)
Stechmücken gehören zu den gefährlichsten Tieren der Welt (imago/ZUMA Press)
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"I actually love to be bitten for the benefit of my science."

Leslie Vosshall ist eine mutige Frau. In ihrem Labor an der Rockefeller University in New York beherbergt sie die gefährlichsten Tiere der Welt.

"Wir untersuchen Mückenarten, die Malaria, Zika, Dengue, Chikungunya und Gelbfieber übertagen. Sie alle sind darauf spezialisiert, Menschen zu jagen."

Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr rund 700.000 Menschen an Krankheiten, die durch Insektenstiche übertragen werden. Die Anopheles- und Aedes-Mücken in Leslie Vosshalls Labor tragen zwar keine gefährlichen Erreger, sind deshalb aber nicht weniger blutrünstig. Und ebenso wie bei ihren freifliegenden Artgenossen gibt es eigentlich keine gute Möglichkeit, sie sich vom Leib zu halten.

Das vielleicht am besten wirksame Mittel ist Diethyltoluamid, kurz DEET, Hauptbestandteil der allermeisten Anti-Mücken Sprays. Es muss auf die Haut aufgetragen und alle paar Stunden erneuert werden. Die ölige Flüssigkeit verläuft leicht, wenn man schwitzt. Gerade in den Tropen, wo die Gefahr durch Mücken am höchsten ist, schützt DEET deshalb nicht zuverlässig. 

Ein Duftarmband gegen Moskitos

"Um bessere Mückenschutzmittel zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie die Mittel funktionieren, die es derzeit gibt. Das große Ziel wäre es, etwas zu haben, das die Leute wirklich benutzen. Etwas, dass man nicht auf die Haut sprühen muss. Ideal wäre zum Beispiel eine Art Armband, dessen Duft sie schützt."

Eine Welt ohne Malaria-Moskitos ist möglich - aber darf Mensch Gott spielen? (imago stock&people)Mücken sind eine lästige Nebenerscheinung des Sommers (imago stock&people)

Mücken haben einen sehr feinen Geruchssinn, der ihnen bei der Jagd hilft, Mensch und Tier zu unterscheiden. Schon vor längerem hatten Leslie Vosshall und ihr Team gezeigt, dass DEET den Geruchssinn der Mücken stört. Was die Plagegeister aber tatsächlich davon abhält in mit DEET besprühte Haut zu stechen, fanden die Wissenschaftler erst kürzlich heraus. Und zwar mithilfe eines einfachen aber unangenehmen Verhaltenstest:

"Wir nehmen einfach einen Käfig mit hundert weiblichen Mücken. Und dann stecken wir unseren Arm da rein und beobachten mit einer Videokamera, wie viele von ihnen auf dem Arm landen, stechen und Blut saugen. Wenn der Arm mit DEET eingesprüht ist, fliegen sie innerhalb von 60 Millisekunden sofort weg."

Schwachstelle Mückenfuß

Das änderte sich, als die Forscher einen Gummihandschuh anzogen, der mit Löchern präpariert war. Waren die Löcher klein genug, dass die Füße der Mücken auf dem DEET-freien Handschuh standen und nur ihr Stechrüssel die Haut berührte, begannen sie trotz Abwehrmittel zu stechen. Sobald auch nur einige der Füße mit der Haut in Kontakt kamen, ergriffen die Insekten sofort die Flucht.

"Sie berühren es und fliegen sofort weg. Was auch immer es ist, die Nervenzellen müssen unglaublich empfindlich darauf reagieren und eine Flucht-Reaktion auslösen. Ich habe keine Ahnung was genau dahinter steckt. Es sieht fast wie Schmerz aus, weil es so schnell geht."

Für die Vision vom Mückenschutz per Duftarmband sind das schlechte Nachrichten, denn ohne direkten Kontakt zwischen Mückenbeinen und Mückenmittel funktioniert die Abstoßung nicht. Wer Urlaub in Malaria-Gebieten macht, kommt deshalb bis auf weiteres nicht darum herum, altgedientes Insektenspray zu benutzen. In Gegenden, wo Mückenstiche nur jucken und keine gefährlichen Krankheitserreger übertragen, könnten Hartgesottene dagegen durchaus auch eine natürliche Immunisierung in Betracht ziehen:

"Als ich mit der Forschung angefangen habe, habe ich einige hundert Stiche am Tag gehabt - man gewöhnt sich daran. Irgendwann juckt es nicht mehr so sehr."

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