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Wirtschaft vor der Wahl in SachsenHoffnung auf ein demokratisches Regierungsbündnis

Es sei wichtig für die Wirtschaft, dass der Standort Sachsen nicht beschädigt werde, sagt Judith Borowski, Markenchefin beim sächsischen Uhrenhersteller Nomos, mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen im Dlf. Sie betonte, es sei wichtig, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Judith Borowski im Gespräch mit Sina Fröhndrich | 28.08.2019

Seit anderthalb Jahren werden die 300 Beschäftigten des Uhrenherstellers Nomos in Glashütte in Sachsen geschult. Zusammen mit dem Verein "Open Saxony" geht es darum, über Sorgen und Ängste zu sprechen. "Wir versuchen ein bisschen die Luft aus Polemiken von Rechtsaußen zu lassen", sagt Markenchefin Judith Borowski. Die Kurse seien ein gutes Mittel, bewusst zu machen, dass man ins Gespräch kommen müsse. "Es ist Gift für die Gesellschaft, für das Unternehmen, wenn jeder in seinem eigenen Echoraum bleibt."
Sie glaube nicht, dass Menschen in Sachsen aus wirtschaftlichen Gründen die AfD wählten. "Sachsen ist ein wohlhabendes Bundesland." In Glashütte gebe es nahezu Vollbeschäftigung.
Landtagswahl Sachsen 2019
Sie könne den Frust einiger Ostdeutsche auch nachvollziehen, sagt Borowski. Es habe viele Kränkungen und enttäuschte Hoffnungen gegeben. Sie betonte aber: Rechtsaußenpositionen, Hass und Intoleranz seien nie die richtige Antwort darauf. Es sei allerhöchste Eisenbahn, "dass wir darüber sprechen, in welchem Land wir gemeinsam leben wollen."
"Despektierlicher Blick aus westlichem 'Rechthabistan' auf den Osten nicht hilfreich"
Dabei seien Pauschalurteile immer schädlich. "Wir müssen lernen, damit klar zu kommen, dass es keine einfachen Antworten gibt." Die Demokratie wurde 1989 als erstes in Sachsen eingefordert, jetzt gelte es für alle die Demokratie zu wahren. "Ein despektierlicher Blick aus dem westlichen ‚Rechthabistan‘ auf den Osten ist sicherlich nicht hilfreich." Auch im Westen müsse man sich an die eigene Nasen fassen und auch mal fragen – "was wurde falsch gemacht, wo braucht es auch mal ein Wort der Entschuldigung."
Borowski betonte, für das Geschäft sei es wichtig, dass der Standort Sachsen und damit auch der Standort Deutschland nicht beschädigt würden. "Denn aus einiger Distanz ist Sachsen einfach nur Deutschland – und ‚Made in Germany‘ ist in Gefahr, wenn erstmal die Nazis mit erhobener Rechten durch die Straßen laufen", und solche Bilder auf den Titelseiten der internationalen Tageszeitungen landeten. "Das kratzt am Image aller, die hier Dinge produzieren und verkaufen wollen."
An die Parteien in appellierte Borowski: "Ich habe die Erwartung und die Hoffnung, dass sich die demokratischen Parteien an ihre Zusagen halten, dass sie nicht mit der AfD koalieren wollen – dass ein demokratisches Regierungsbündnis zustande kommt."