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StartseiteCampus & KarriereWo Abstammung zählt16.06.2011

Wo Abstammung zählt

Burschenschaften und ihr Rechtsruck

Bei ihrem Treffen in Eisenach wollten die Deutschen Burschenschaften über einen Antrag zum Ausschluss eines Mitglieds mit chinesischen Eltern abstimmen. Das sorgte für Empörung, der Antrag ist inzwischen vom Tisch, doch das öffentliche Ansehen der Burschenschaft hat gelitten.

Von Blanka Weber, Landesstudio Thüringen

Rund 1000 Mitglieder haben sich in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Rund 1000 Mitglieder haben sich in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
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"Die Deutsche Burschenschaft versteht sich sicherlich als Vertreter des Deutschen Volkes. Dass die Nation für uns ein positiver Bezugspunkt darstellt, als ordnungspolitische Einheit, ist unbestritten. Nationalistisch sicherlich nicht, deutsch-national würde wohl ein Begriff sein, der bei uns unbefangen in den Mund genommen wird, wenn er denn anständig erklärt wird."

Michael Schmidt ist zuständig für den Kontakt zur Presse, seit gestern in Eisenach. Das Telefon stand nicht still. Kein Kommentar gestern, man wollte sich erst mit der Verbandsratssitzung, dem obersten Gremium der Deutschen Burschenschaft, beraten.

Heute nun, angesichts des öffentlichen Interesses, ein Bemühen um Klarheit. Der umstrittene Antrag zur Abstammung eines Mitgliedes wird nicht debattiert. Das Thema ist jedoch nicht vom Tisch. Stein des Anstoßes: Ein Mitglied deutscher Staatsbürgerschaft - allerdings mit chinesischen Eltern - sollte ausgeschlossen werden. Begründung: Die Abstammung.
Ein heikles Thema nach wie vor bei den Burschenschaften, auch wenn darüber in Eisenach nicht öffentlich abgestimmt werden soll. Michael Schmidt:

"Die Abstammung ist aber nicht das alleinige Merkmal. Unter Abstammung verstehen wir, dass sie von deutschen Volksangehörigen abstammen, und identifizierendes Merkmal ist heute überwiegend natürlich die deutsche Staatsbürgerschaft."

Dies trifft bei dem intern umstrittenen Fall zu. Das öffentliche Ansehen der Burschenschaft hat gelitten, auch wenn der Fall des chinesisch-stämmigen Mitgliedes nun vom Tisch scheint:

"Die Burschenschaft Hansea zu Mannheim hat genau solch einen Menschen aufgenommen und der Antrag auf Ausschluss wurde zurück genommen und die Burschenschaft Hansea Mannheim, das ist auch festgestellt durch den Rechtsausschuss, hat diesen chinesisch-stämmigen Mann, der sich zu Deutschland bekennt, aufgenommen, und das ist rechtens, der ist Mitglied in einer Mitgliedsvereinigung der Deutschen Burschenschaft und das ist unbestritten."

Unbestritten ist auch, dass die Burschenschaften in ihren eigenen Reihen stark rechtsorientierte Mitglieder haben. Der Name sei leider nicht geschützt, sagt Michael Schmidt, gegen die Haltung einzelner Gruppierungen könne man nichts machen. Es gebe jedoch ein ausdrückliches Bekenntnis gegen Rechts. Aber auch das politische Engagement - wo auch immer - ist Sache des Einzelnen:

"Wir werden das nicht bewerten, weil das in die Meinungsfreiheit des Einzelnen gehört. Für uns ist wichtig: Extremistische Positionen haben im Verband nichts verloren und keine Mehrheit und Sie werden dahin gehend auch nichts finden."

Der Verfassungsschutz blickt auf einzelne Gruppierungen, wie im Thüringischen Jena. Die Burschenschaft Normannia ist kein Mitglied der bundesweiten Vereinigung "Deutsche Burschenschaft" - und wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Gründe gebe es genug, sagt Thomas Sippel, Präsident des thüringer Verfassungsschutzes:

"Die Gesamtheit der vorliegenden Erkenntnisse rechtfertigt diese Einschätzung. Erstens: Die Mitgliedschaft aktiver Rechtsextremisten in der Burschenschaft Normannia. Zweitens das Auftreten von rechtsextremistischen Referenten bei Veranstaltungen dieser Burschenschaft und drittens auch die Nutzung einer rechtsextremistischen Anlaufstelle in Jena."

Spannend werde jetzt sein, wie sich die Deutsche Burschenschaft öffentlich zum Thema Menschenrechte und Rechtsstaatsprinzip äußert. Erst dann werde man aktiv, sagt der Thüringer Verfassungsschützer:

"Ich denke, dass zunächst die Burschenschaft selbst erstmal klären müssen, wie sie mit dem Umstand umgehen wollen, dass sie die Aufnahme in die Burschenschaften von der Herkunft abhängig machen wollen. Das ist eine Frage der internen Verfasstheit. Das ist eine Frage, die sie selbst klären müssen. Es ist natürlich auch eine Frage, die unsere Gesellschaft insbesondere berührt, nämlich, ob es gerechtfertigt ist, bestimmte Personen, von der Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten auszuschließen und die dritte Frage, die zu entscheiden wäre, ob denn tatsächlich dann auch die Beobachtungsvoraussetzung für den Verfassungsschutz vorliegen."

Bis Sonntag wollen die Burschenschaften in Eisenach debattieren, mit Boykott ist am Rande zu rechnen.

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