Parlamentswahl in Ungarn
Wofür steht der künftige Regierungschef Péter Magyar?

Die Partei Tisza hat unter ihrem Vorsitzenden Péter Magyar die Parlamentswahl in Ungarn deutlich gewonnen. Sie kommt wohl auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit und kann damit viele Entscheidungen der Orbán-Regierung zurückdrehen. Aber wofür steht Magyar?

    Péter Magyar, Vorsitzender der Oppositionspartei Tisza, spricht nach Schließung der Wahllokale in Ungarn zu den Medien.
    Péter Magyar nach Schließung der Wahllokale. Der Rechtswanwalt sagte sich vor zwei Jahren von der Fidesz-Partei los und erreichte nun mit seiner Tisza-Partei eine Zwei-Drittel-Mehrheit. (AP / dpa / Denes Erdos)
    Magyar ist Rechtsanwalt und seit zwei Jahren Vorsitzender der Tisza. Der 45-Jährige ist bislang Mitglied des Europäischen Parlaments und hat sich dort der Fraktion der Europäischen Volkspartei angeschlossen. Zuvor war er Mitglied in Orbáns Fidesz-Partei und hatte er mehrere Positionen in staatlichen Institutionen inne. So arbeitete er ab 2010 im ungarischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel, wo er für die Beziehungen zwischen der Regierung und dem Europäischen Parlament zuständig war. Er war außerdem als Diplomat im Büro des Ministerpräsidenten tätig. 2018 wurde er Leiter der Direktion für EU-Recht bei der Ungarischen Entwicklungsbank. Seine frühere Ehefrau Judit Varga war Justizministerin in der Regierung Orbán.

    Schwenk im Jahr 2024

    Vor zwei Jahren sagte sich Magyar von der Fidesz-Partei los und betrat die große politische Bühne. Große Bekanntheit erreichte er mit Aufrufen zu Demonstrationen gegen Regierungskorruption, zu denen mehr als 100.000 Teilnehmer kamen. Sein Aufstieg hat nach Einschätzung des Politikexperten Andrzej Sadecki vom Centre for Eastern Studies in Warschau mit seinem Status als ehemaliger Regierungs-Insider zu tun: Er sei einfach glaubwürdig gewesen, als er versicherte, "dass das System von innen verdorben sei".
    Auslöser für diesen Schwenk war vermutlich eine Strafaussetzung für den ehemaligen stellvertretenden Direktor eines Kinderheims, der an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt war. Ungarns Präsidentin Novák und auch Justizministerin Varga traten infolgedessen zurück. Magyar gab ein viel beachtetes Interview, indem er offen die "Doppelmoral und strukturelle Korruption" des politischen Systems anprangerte. Im Wahlkampf hatte Magyar zudem Alltagssorgen der Bürger rund um die marode Gesundheitsversorgung und den sanierungsbedürftigen Nahverkehr aufgegriffen und versprochen, das unter Orbán stark in Mitleidenschaft gezogene Verhältnis zur EU und zur NATO zu reparieren.

    Wie wird es mit der ungarischen Politik weitergehen?

    Zwar hat sich auch Magyar bislang nicht als besonders entschiedener Unterstützer der Ukraine positioniert – er gilt aber als klar pro-westlich und deutlich weniger russlandnah als Orbán. Nach seinem Sieg versprach er einen Neuanfang: Ungarn werde wieder ein starker Partner in der EU und in der NATO sein. 
    Mit der parlamentarischen Zwei-Drittel-Mehrheit kann Magyar Reformen durchführen, die Verfassungsänderungen erfordern sowie Amtsträger austauschen, die Orban eingesetzt hat. Magyar ging in seiner Wahlnacht-Rede ausdrücklich darauf ein. "Ich fordere alle Marionetten, die uns die Regierung in den Nacken gesetzt hat, zum Rücktritt auf", sagte er. Konkret erwähnte er unter anderem den Staatspräsidenten Sulyok, den Obersten Staatsanwalt Balint Nagy und die Spitzen des Verfassungsgerichts und der Medienaufsichtsanstalt.
    Diese Nachricht wurde am 13.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.