Samstag, 13. April 2024

DOSB würdigt Schäuble nach Tod
Förderer mit pragmatischer Haltung: Schäubles Spuren im Sport

In Wolfgang Schäuble hat auch der Sport einen großen Verbündeten verloren. Nach seinem Tod würdigte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den ehemaligen CDU-Innenminister. Für Aufruhr sorgte einst jedoch eine Doping-Studie, in deren Zuge sich Schäuble mit Vorwürfen konfrontiert sah.

Von Julian Tilders | 27.12.2023
    CDU-Politiker Wolfgang Schäuble blickt nachdenklich drein.
    Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Auch in der Sportwelt hat er seine Spuren hinterlassen. (picture alliance / SvenSimon / Frank Hoermann / SVEN SIMON)
    Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist im Alter von 81 Jahren am Dienstagabend (26.12.2023) im Kreise seiner Familie gestorben. Als Bundesminister des Innern war der CDU-Politiker zwischen 1989 und 1991 sowie 2005 und 2009 auch für den Sport in Deutschland zuständig. Schon seit 1972 war er außerdem Mitglied des Sportausschusses.

    DOSB würdigt Schäuble als großen Unterstützer des Sports

    Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) würdigt Schäuble am Mittwoch per Kurznachrichtendienst X als einen der "größten Unterstützer" des Sports. Der CDU-Politiker rief 1989 das Förderprogramm "Integration durch Sport" ins Leben, das darauf abzielt, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund für ein Engagement in Sportvereinen zu gewinnen. Der DOSB ist für die bundesweite Umsetzung und Gesamtkoordination zuständig.
    Schäuble feilte zudem bei der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 gemeinsam mit Lothar de Maizière, dem ersten und letzten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR, am Einigungsvertrag. Das betraf auch den organisierten Sport, denn der Einigungsvertrag brachte zwei wichtige Einrichtungen hervor: das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) und das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT).

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    Schon 2009 hatte der DOSB Schäuble in Düsseldorf mit der "Ehrenmedaille des deutschen Sports" ausgezeichnet. Nach dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler (2008) war Schäuble der zweite Politiker, dem die Medaille verliehen wurde.

    Engagement Schäubles auch im Para-Sport

    Thomas Bach war damals DOSB-Präsident, mittlerweile leitet er das Internationale Olympische Komitee (IOC). Er bezeichnet Schäuble anlässlich dessen Todes als "Freund des Sports" und unterstreicht unter anderem: "Er hat stets die einende Kraft des Sports betont, der alle Menschen ohne jegliche Diskriminierung zusammenbringt."
    Schäuble, der nach einem Schusswaffen-Attentat eines psychisch kranken Mannes seit Oktober 1990 im Rollstuhl saß, engagierte sich auch im Para-Sport. So übernahm er mehrfach Schirmherrschaften, etwa für die 23. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen 2009.
    Damals betonte er: "Mit ihrem beeindruckenden Leistungswillen sind behinderte Spitzensportlerinnen und Sportler Vorbilder für viele in unserer Gesellschaft. Sport kann die Lebensqualität eines jeden Menschen verbessern."

    Doping-Studie 2013: Kontroverse um Schäubles Haltung

    Im X-Beitrag zu Schäubles Tod schreibt der DOSB außerdem: "Er war ein großer Kämpfer gegen Doping." Das betont auch der DOSB-Vorstandsvorsitzende Torsten Burmester persönlich: "Sein energischer Kampf gegen Doping im Sport und meine Reise mit ihm zu den Olympischen Spielen nach Peking bleiben mir in besonderer Erinnerung."

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    Für Aufruhr sorgte allerdings im Jahr 2013 eine Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), die Doping in Westdeutschland untersuchte. Nach vier Jahren der Nachforschung gab das BISp den Ergebnisbericht zweier Forschungsgruppen aus Berlin und Münster heraus. Dieser zeichnete das Bild einer staatlich geduldeten und von Steuergeldern finanzierten Doping-Forschung, die vor allem von der Freiburger Sportmedizin betrieben wurde.
    Im Zuge dessen wurden dem ehemaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (1969-1974) und auch Schäuble Vorwürfe gemacht, Druck auf westdeutsche Sportmediziner ausgeübt zu haben. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete damals, dass in der Langfassung der Studie folgendes Zitat Schäuble zugesprochen wurde: "Wenn es nicht schadet, soll man da das Bestmögliche unseren Sportlern angedeihen lassen." Schäuble soll diese Aussage als sportpolitischer Sprecher der CDU in den 70er-Jahren im Sportausschuss getätigt haben.
    Sowohl Genscher als auch Schäuble bestritten die Vorwürfe vehement. Als Reaktion erklärte damals ein Sprecher Schäubles, dass der Politiker sich nicht mehr daran erinnern könne, früher mal einen bestimmten Satz gesagt zu haben. Schäuble sei aber immer gegen Doping gewesen. Mehrfach bekannte sich Schäuble auch danach immer wieder öffentlich zu dieser Haltung.