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StartseiteCorsoEin Gang in die Archive17.08.2019

Woodstock-Hymne "Going Up the Country"Ein Gang in die Archive

„Going up the country“ spielten Canned Heat beim Woodstock-Festival als Zugabe - schon damals ein Hit. Durch den prominenten Einsatz im Dokumentarfilm zu Woodstock wurde der Song zur inoffiziellen „ländlichen Hippie-Hymne“. Eine Hymne, deren Geschichte viel weiter zurückreicht als bis in die 1960er.

Von Ulrich Biermann

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Die amerikanische Rockgruppe Canned Heat, aufgenommen am 01.04.1965 (picture-alliance/ dpa)
Rockgruppe Canned Heat (picture-alliance/ dpa)
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Fito de la Parra: "We actually hijacked a helicopter to get in and stole a limousine to get out."

"Wir haben einen Helikopter gekapert, um reinzukommen und eine Limousine geklaut, um wieder raus zu kommen", erinnert sich Canned-Heat-Schlagzeuger Fito de la Parra an Woodstock. Eigentlich wollte er nach einem Streit in der Band nicht mit zum Festival, Gitarrist Vestine war ein paar Tage zuvor ausgestiegen. Alles verschwamm, auch Entscheidungen und der Eigentumsbegriff. Klauen wir halt ein Auto nach dem Auftritt am zweiten Tag des Festivals.

Musikalisches Hochamt der Pilgerer

"It was all very chaotic, we saw a limousine with the keys inside and the manager says: 'Come on, let’s go!'"

Im Festivalchaos parkte hinter der Bühne eine Limousine, die Schlüssel steckten und der Manager empfahl: "rein da, und raus!" Raus auf’s Land.

"Going Up the Country", durch die filmische Dokumentation von Woodstock zur Hymne der "three days of peace and music" geworden, zum musikalischen Hochamt der Pilgerer ins Hippie-Eldorado. Oberflächlich betrachtet: der Song für die "Zurück aufs Land"-Bewegung, die sich teilweise mit der Hippie-Bewegung überlappte.

"Bull Doze Blues" von Henry Thomas

"Going Up the Country": weltweit ein Hit für Canned Heat, die ihren Namen übrigens einem Blues aus den 20er-Jahren entlehnten. Und die immer auf der Suche waren nach historischen Aufnahmen.

Und diesen Blues kannten sie bestimmt, der Bull Doze Blues, geschrieben und im Juni 1928 aufgenommen von Henry Thomas. 1874 geboren, ein wandernder Country-Blues-Sänger, der Ende der 20er-Jahre 24 Songs aufnahm. Songs mit Hit- und Inspirationsqualität. Lovin Spoonful und Taj Mahal coverten ihn, und Bob Dylan überarbeitete 1963 Thomas' "Honey Won't You Allow Me One More Chance". Auf der LP "The Freewheelin' Bob Dylan" dankt er Thomas für die Inspiration.

Eine Eins-zu-eins-Kopie

Was aus ihm wurde? Man weiß es nicht, seine Spur verliert sich in den 30er-Jahren. Wer die Rechte hat und seine Tantiemen kassiert? Erben gibt es keine, aber die Gema sagt: Verlag, Universal Music. Die Gema informiert auch darüber, dass unter der Werk.-Nr: 879530-001 Alan Wilson sich diesen Song hat sichern lassen, als Texter und Komponist.

Jeder hört: Selbst die Flöte ist weder die Erfindung von Canned Heat, noch deren zweitem Gitarristen und Sänger Alan Wilson. Eine Eins-zu-eins-Kopie, nur das Arrangement zollt dem Rock Tribut. Selbst der Text, haben findige Blues-Enthusiasten herausgefunden, ist inspiriert, natürlich!, von Thomas und einem Zeitgenossen: Blind Willie McTell. Aber Wilson, der 1970 unter ungeklärten Umständen zu Tode kam, ging auch mit diesem Eigentumsanspruch lässig um.

Wer nachforscht, der findet sogar den Originalverlag; dessen Name sagt alles ansonsten Nötige: EMI UNART.

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