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StartseiteNachrichten vertieftNoch lange nicht eingedämmt02.09.2016

Zika-VirusNoch lange nicht eingedämmt

Vor den Olympischen Spielen hatten einige Athleten Angst, nach Rio de Janeiro zu reisen - schließlich kursiert in Brasilien das Zika-Virus. Infiziert hat sich kein Sportler, aber die Gefahr ist nicht gebannt. Das Virus breitet sich weltweit weiter aus. Das Auswärtige Amt rät Schwangeren in vielen Regionen der Welt zu Vorsicht.

In Indonesien sprüht ein Mann eine Wohngegend mit einem Mittel gegen Moskitos ein. Damit soll das Zika-Virus eingedämmt werden. (AFP / Chaideer Mahyudin)
In Indonesien sprüht ein Mann eine Wohngegend mit einem Mittel gegen Moskitos ein. Damit soll das Zika-Virus eingedämmt werden. (AFP / Chaideer Mahyudin)
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Es waren dramatische Schlagzeilen - "Die WHO prüft Empfehlungen zu Olympia-Verlegung" und "Olympia-Absagen wegen Angst vor Zika" - vor den Spielen in Rio de Janeiro herrschte mancherorts Panik wegen des Virus. Mehrere Athleten hatten mit Hinweis auf das gesundheitliche Risiko auf eine Teilnahme an der Olympia-Premiere in Südamerika verzichtet.

Kein Zika-Fall bei Olympia

Inzwischen ist Olympia vorbei, es ist kein Zika-Fall bekannt geworden. Die Weltgesundheitsorganistation WHO bestätigte am Freitag, es sei keine Infektion aufgetreten.

Auch wenn die Panik im Nachhinein unbegründet war - die WHO gibt wegen Zika noch lange nicht Entwarnung. Stattdessen hält sie den globalen Gesundheitsnotstand aufrecht.

Das Virus breite sich immer weiter aus, zudem seien noch viele Fragen ungeklärt - um Beispiel zu möglichen Folgen von Infektionen sowie zu den verschiedenen Übertragungswegen. Es gebe immer noch erhebliche Lücken im Wissen über Zika, sagte UNO-Gesundheits-Experte David Heymann.Eine Stechmücke der Art Aedes aegypti (picture alliance /dpa /Gustavo Amador)Die Stechmückenart Aedes aegypti ist ein Überträger des Zika-Virus. (picture alliance /dpa /Gustavo Amador)

Klar ist: das Virus wird insbesondere von der Gelbfiebermücke, Aedes aegypti, übertragen. Möglicherweise spielt auch die Tigermücke, Aedes albopictus, eine Rolle.

Außerdem ist inzwischen bekannt, dass Zika auch durch Sex übertragen werden kann. Einen Impfstoff gibt es gegen das Virus bislang nicht. 

Infektion oft ohne Symptome

Dabei ist das Virus für die meisten erwachsenen Menschen folgenlos, oft wird die Erkrankung gar nicht bemerkt. Anders ist es bei Schwangeren: Bei ihnen kann Zika zu Missbildungen am Schädel ihres ungeborenen Kindes führen, der sogenannten Mikrozephalie.

In Deutschland fast 150 Fälle

Der aktuelle Zika-Ausbruch hatte in Mittel- und Südamerika, besonders in Brasilien begonnen. Danach breitete das Virus sich aber schnell aus. Auch Deutschland ist betroffen. Die Zahl der bekannten Infektionen in der Bundesrepublik liegt nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 146. 99 davon wurden seit Beginn der Meldepflicht am 1. Mai diesen Jahres registriert. Die übrigen Fälle stammen aus dem Zeitraum ab Oktober 2015.

Joao Batista hält am 20.01.2016 seine einen Monat alte Tochter Alice Vitoria in Recife (Brasilien) im Arm, die an Mikrozephalie erkrankt ist. (dpa / picture-alliance / Rafael Fabres)An Mikrozephalie erkrankte Kinder haben einen zu kleinen Schädel. (dpa / picture-alliance / Rafael Fabres)

In fast allen Fällen handelt es sich bei den Erkrankten um Reiserückkehrer aus den Ausbruchsgebieten in Mittel- und Südamerika - auch wenn es in Deutschland inzwischen Tigermücken gibt. Das Robert-Koch-Institut betont, die Gefahr, sich in Deutschland mit Zika anzustecken, sei gering. 

Aktueller Ausbruch in Singapur

Das ist in wärmeren Regionen der Welt anders: Besonders aus Singapur und dem US-Bundesstaat Florida gab es zuletzt immer wieder Warnungen vor Zika. Die Regierung in Singapur rät den Bewohnern inzwischen sogar, Insektenschutzmittel zu benutzen und langärmelige Kleidung zu tragen.

Dort gibt es neben Fällen von Menschen, die aus einem südamerikanischen Land einreisten, inzwischen auch lokal übertragene Fälle. Auch aus Miami meldeten Forscher, dass das Virus in Mücken nachgewiesen wurde

Das Auswärtige Amt mahnt insbesondere Schwangere zur Vorsicht bei Reisen in Ausbruchsgebiete - so zum Beispiel in Miami, Brasilien, Paraguay und im westafrikanischen Guinea-Bissau.

(hba/tzi)

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