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StartseiteSport am WochenendeDer Überflieger26.05.2018

Zinédine ZidaneDer Überflieger

Wenige sehr erfolgreiche Fußballer schaffen den Sprung und werden sehr erfolgreiche Trainer. Einer von ihnen ist Zinédine Zidane, der gerade die Königlichen von Real Madrid auf Titel-Verteidigungs-Kurs hält.

Von Barbara Kostolnik

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Früherer französischer Fußballspieler Zinedine Zidane präsentiert den offiziellen Ball zur UEFA Euro 2016 (dpa/picture alliance/Ian Langsdon)
Zinédine Zidane ist seit 2016 Cheftrainer von Real Madrid. (dpa/picture alliance/Ian Langsdon)
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Es ist fast ein Wunder, dass Zinédine Zidane zu einem der bekanntesten Franzosen wurde. Denn der Mann aus Marseille ist eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gemacht.

"Je suis simplement timide", sagt Zidane selbst. Er sei einfach schüchtern. So schüchtern, dass er im zarten Alter von 16 Jahren seine spätere Frau Véronique beinahe nicht anspricht. Aber nur beinahe.

"Deswegen bin ich überhaupt mit ihm zusammen", lacht Véronique, die auch 24 Jahre später immer noch mit ihrem Zizou verheiratet ist, und deren vier Söhne allesamt als Fußballer in Vaters Fußstapfen treten. "Das gefällt mir am meisten an ihm."

Zidane ist aber nicht nur schüchtern, sondern er ist auch sehr hartnäckig:

"Wenn man zwei Eigenschaften von Zinédine herausheben sollte, dann sind das Ehrlichkeit und Zurückhaltung, aber auch und besonders Geduld und Ausdauer bei der Arbeit."

Der Sprung ins Profigeschäft

Wie Millionen andere kleiner Jungen träumte er davon, Fußballprofi zu werden, erzählte er 1994 dem französischen Fernsehen, aber er dachte niemals daran, dass dieser Traum Wirklichkeit werden könnte:

"Ich hab die Spieler immer im Fernsehen bewundert, ich hab mir gesagt, du wirst das niemals schaffen, niemals, für uns aus den Vorstädten gibt es das nicht."

Und wäre da nicht dieser Rolland Courbis gewesen, dem Zidane seinen Spitznamen Zizou verdankt, vielleicht hätte die Sport-Welt auf viele große Moment verzichten müssen. Courbis holte Zidane aus dem Sport-Internat zu Girondins Bordeaux, flößte ihm Selbstvertrauen ein.

"Als ich einige der Profis gesehen habe, da ist mir bewusst geworden, dass ich auch Profi werden kann".

Und nicht nur irgendein Profi, sondern FIFA-Weltfußballer – ganze drei Mal. Schon sein erster Auftritt für die Bleus, die französische Nationalmannschaft, war ein krachendes Ausrufezeichen. Er wurde in der 80. Minute eingewechselt und erzielte zwei Tore gegen Tschechien. Richtig berühmt wurde Zizou dann im Finale der WM 1998 im eigenen Land.

3:1 gewannen die Franzosen gegen Brasilien – Millionen Franzosen feierten zwei Tore von Zizou, und auf dem Pariser Triumphbogen leuchtete riesengroß: Zidane Président.

Die rote Karte von Berlin

Als acht Jahre später – während des Sommermärchens, der WM in Deutschland – zeigte der schüchterne Zinédine Zidane, dass er auch anders kann:

Der Reporter des französischen Fernsehen ahnte Schlimmes, als er sah, wie Zinédine Zidane im WM-Finale auf seinen italienischen Gegenspieler Marco Materazzi losging – Materazzi hatte zuvor die Schwester Zidanes beleidigt – und nach einem Kopfstoß die Rote Karte sah.

Bildkombination zeigt den Kopfstoß Zidanes gegen Materazzi bei der WM 2006 und die darauffolgende Rote Karte (dpa/WDR)Der Kopfstoß von Zidane gegen Materazzi führte zur roten Karte bei der WM 2006 (dpa/WDR)

Mit der roten Karte von Berlin endete Zidanes Spieler-Karriere. Und der Trainer Zidane wurde geboren. Zunächst bei der Reserve-Mannschaft von Real Madrid:

"Das ist kein Selbstläufer, vor allem mit den jungen Spielern, das ist nie einfach für sie, aber sie hauen sich rein: Ich ziehe meinen Hut vor ihnen."

Ein Traum in Blau

Seit Januar 2016 trainiert Zidane die erste Mannschaft – zunächst argwöhnisch beäugt: würde dieser Weltklasse-Spieler auch ein Weltklasse-Trainer mit all den Weltklasse-Diven und dem kapriziösen Präsidenten? Zidanes bisherige Bilanz ist atemberaubend: Er ist der erste Trainer, der die Champions-League gewinnt und den Titel im Folgejahr verteidigt. Er hält den Rekord in der Primera Division: ;it ihm als Trainer war Real 40 Spiele in Folge ungeschlagen.

Zidane ist also durchaus ein Mann für höhere Aufgaben. Und er hat einen Traum: einen Traum in Blau:

"Eines Tages möchte ich Nationaltrainer sein."

Jetzt muss er erstmal den Champions-League-Titel für Real verteidigen. Zum zweiten Mal. Es wäre ein weiterer unerhörter Rekord. Und dann kann er sich ja seinen Träumen widmen. Zizou National.

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