Dienstag, 04. Oktober 2022

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Zum Tod des Philosophen Robert Spaemann
Ein katholischer Intellektueller mit ungeheurer Wirkung

Der Philosoph Robert Spaemann sei einer der entschiedensten Verteidiger der Unteilbarkeit der Menschenwürde gewesen, so sein Schüler Walter Schweidler. Spaemann habe wie kaum ein anderer die Gabe gehabt, sich verständlich und überzeugend auszudrücken, sagte Schweidler im DLF.

Walter Schweidler im Gespräch mit Susanne Fritz | 12.12.2018

    Der Philosoph Robert Spaemann im März 2009 in Stuttgart-Botnang.
    Robert Spaemann (1927-2018) (dpa / Markus C. Hurek)
    So habe Spaemann eine "ungeheure Wirkung" entfaltet, erklärte Schweidler. Er ist Professor für Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Über seinen Lehrer Spaemann sagte er außerdem, es sei diesem gelungen, Menschen durch vernünftiges Nachdenken zu einem besseren und gelungenem Leben zu führen.
    Spaemann sei ein "katholischer Intellektueller" gewesen, habe aber kein "christlicher Philosoph" sein wollen, so Schweidler. Dennoch spielten Religion und Christentum in Spaemanns Philosophie immer eine bedeutende Rolle.
    Mit dem früheren Papst Benedikt XVI. verband ihn eine wechselseitige Wertschätzung. 2006 hatte Benedikt ihn als Berater nach Castel Gandolfo eingeladen, um über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Glauben zu referieren.
    Spaemann galt hingegen als Kritiker von Papst Franziskus. Dieser war Spaemann "nicht stringent" genug und "vielleicht nicht philosophisch genug", so Schweidler.
    Robert Spaemann ist am Montag im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart gestorben, wie am Dienstag bekannt wurde. Der in Berlin geborene Denker zählte zu den bekanntesten deutschen Philosophen der Gegenwart. Seine Werke wurden in 14 Sprachen übersetzt.