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StartseiteWirtschaftsgesprächLeidenschaft für das Automobil27.08.2019

Zum Tod von Ferdinand PiëchLeidenschaft für das Automobil

Ferdinand Piëch machte Volkwagen zu einem der wichtigsten Unternehmen in Deutschland. Anders als viele Spitzenmanager heute war er ein begnadeter Autoentwickler und Ingenieur, der sich für Technik begeisterte. Jetzt ist der "Alte", wie er im Konzern genannt wurde, mit 82 Jahren überraschend gestorben.

Von Klemens Kindermann

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Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech, kommt am 13.05.2014 zur Hauptversammlung der Volkswagen AG auf dem Messegelände in Hannover (Niedersachsen). (dpa-bildfunk / Julian Stratenschulte )
Nicht Gewinnmaximierung, sondern Technik-Leidenschaft trieb den ehemaligen VW-Chef Ferdinand Piëch an (dpa-bildfunk / Julian Stratenschulte )
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VW-Patriarch Ferdinand Piëch galt als einer der wichtigsten Automanager Deutschlands – warum?

Ferdinand Piëch ist derjenige, der Volkswagen zu dem gemacht hat, was das Unternehmen heute ist: Nämlich ein globaler Konzern, der es im Kampf um die Nummer eins auf der Welt mit Konkurrent Toyota aufnehmen kann.

Volkswagen ist heute ein Konzern mit einer weit gefächerten Produktpalette – vom Kleinwagen hin bis zum schweren Lkw. Unter Piëch wuchs VW von vier auf 13 Marken. Und es ist eines der wichtigsten Unternehmen in Deutschland. Knapp die Hälfte der mehr als 600.000 Mitarbeiter sind hierzulande bei dem Autobauer beschäftigt. VW ist also einer größten privaten Arbeitgeber in Deutschland. Das ist zweifellos auch ein Verdienst von Ferdinand Piëch, der von 1993 bis 2002 Vorstandschef und bis 2015 Aufsichtsratsvorsitzender von VW war.

Welchen Führungsstil hatte Ferdinand Piëch?

Piëch galt als nicht ganz einfach in seinem Führungsstil. Das wusste er auch selbst ganz genau. In seiner Autobiografie schrieb er 2003, sein Harmoniebedürfnis sei begrenzt. Wenn man in Wolfsburg sagte: der "Alte", wusste jeder, wer gemeint war. Piëch hat vieles an sich gezogen. Das kam vielleicht aus seinen frühen Familienerfahrungen. Er war der Enkel des legendären Konstrukteurs des Käfers, Ferdinand Porsche, und er musste sich ziemlich durchbeißen erst bei Porsche, dann bei Audi. Er war ein – manche sagen – begnadeter Autoentwickler und Ingenieur, der fasziniert war von Technik. Das lässt sich nicht von jedem Manager heute sagen, da kommen ja viele inzwischen eher aus der Buchhaltung. Ferdinand Piëch war vielleicht der letzte große Automanager, der noch selbst an den Autos mitgebaut hat.

Piëch hat VW dann im Streit verlassen – wie kam das?

Möglicherweise hat Piëch 2015 seine Machtfülle falsch eingeschätzt. Mit nur sechs Worten, was ganz so seine Art war, stellte er sich gegen seinen eigenen Ziehsohn und Nachfolger als Vorstandschef, Martin Winterkorn: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" – dieses Zitat hatte damals "Der Spiegel". Die mächtige IG Metall und das Land Niedersachsen stellten sich hinter Winterkorn. Damit hatte Piëch nicht gerechnet. Und das hat er nicht verwunden: Er verkaufte sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und zog sich zurück.

Hatte Piëch etwas mit dem Abgasskandal bei Volkswagen zu tun?

Wann Piëch von den Vorwürfen erfahren hat, ist nicht bekannt. Der Abgasskandal wurde öffentlich, als sich Piëch schon seit fünf Monaten von dem Autobauer verabschiedet hatte. Martin Winterkorn war es dagegen, der nach Bekanntwerden des Dieselskandals bei VW im September 2015 dann doch gehen musste. Im April 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Winterkorn in der Affäre um illegale Abschalteinrichtungen angeklagt. Im Nachhinein gewinnt also Piëchs Satz "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" noch mal eine eigene Bedeutung. Alles, was Piëch zu dem Abgasskandal möglicherweise wusste, nimmt er jetzt mit.

Was von Piëch bleibt, ist ein Unternehmertum, das nicht in erster Linie von Gewinnmaximierung geprägt war, sondern von Technik-Leidenschaft. Das ist etwas, was Deutschland als Exportnation besonders von technischen Produkten in Zukunft wieder dringend und mehr benötigt.

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