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Startseite4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014Das Ruderduell DDR vs. BRD01.10.2014

Zweikampf der SystemeDas Ruderduell DDR vs. BRD

Sie waren beide Deutsche und kämpften bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 um Gold. Doch der eine für die DDR, der andere für die BRD. In unserer ersten Diskussionsrunde treffen die beiden Ruderer Thomas Lange und Peter-Michael Kolbe 26 Jahre nach ihrem Duell erneut aufeinander.

Von Victoria Reith

Die früheren Ruderer Peter-Michael Kolbe (l.) und Thomas Lange (DLF / Jessica Sturmberg)
Die früheren Ruderer Peter-Michael Kolbe (l.) und Thomas Lange (DLF / Jessica Sturmberg)
Weiterführende Information

Live-Dokumentation - Die 4. Sportkonferenz im Deutschlandfunk
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Zwei Ruderer im Kampf der Systeme
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Die schwierige Zusammenführung von Ost und West
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Das künftige System? - Der Weg des deutschen Spitzensports
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Das Sportsystem heute - Nebenjob Weltmeister
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Transformationsprozess 1989/90 - Zusammenführung der Systeme
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Moderator Philipp May und die ehemaligen Ruderer Thomas Lange (Team DDR) und Peter-Michael Kolbe (Team BRD) ließen ein besonderes Duell der Systeme Revue passieren, in dem sie beide die Hauptdarsteller waren, akustisch untermalt mit Live-Reportagen aus dem BRD- und DDR-Rundfunk. Das Finale der Olympischen Spiele von Seoul 1988 im Einer entschied der elf Jahre jüngere Lange für sich. Lange sagte: " Das ist auch heute noch sehr emotional für mich, eine überwältigende Sache."

Kolbe war 1980 bei den Olympischen Spielen Favorit, die die Bundesrepublik schließlich boykottierte. 1988 war er bei seiner Niederlage gegen Lange relativ gefasst. "Es nagt nicht an mir. Ich bin mit meiner Laufbahn zufrieden und mit den Entscheidungen, die ich treffen musste."

Kolbe wurde insgesamt fünfmal Weltmeister, Lange zweimal Olympiasieger und dreimal Weltmeister. Damals trennten sie geopolitisch Welten, heute leben sie nur 25 Kilometer in Norddeutschland voneinander entfernt.

Das Ansehen der Sportler war in der DDR ein besseres als in der BRD, es war mehr in Erfolge investiert worden. Thomas Lange fasst das lakonisch mit dem Satz zusammen, der wohl für vieles in der DDR galt: „Wir hatten immer einen Plan". Sportförderschulen, Kaderschmieden in Clubs, ein System mit Steigerung des Anspruchs und des Umfangs von Jahr zu Jahr. Ein System, das ganz im Gegensatz zu dem ungeordneten BRD-System stand. Bis zur Wiedervereinigung habe Lange tagsüber trainieren können, danach sei es nur noch in der Mittagspause möglich gewesen.

Hohe Prämien in der DDR, wenig Koordination in der BRD

Für den Olympia-Sieg 1988 erhielt Lange in der DDR 35.000 DDR-Mark, sehr viel Geld, in etwa drei Jahresgehälter in der DDR. In der Bundesrepublik erhielten die Sportler bei Erfolgen deutlich weniger.

Kolbe sagte, dass keine Rolle gespielt habe, ob der Gegner aus der DDR kam oder wie sein langjähriger Gegner Pertti Karppinen aus Finnland. Er habe den schnellsten Einer der Welt fahren wollen und sei nicht für den Kapitalismus gerudert.

Lange dagegen sagt, er habe sich sehr wohl als Vertreter der DDR gefühlt. Zwang habe er nicht gefühlt, doch seine Familie konnte ihn erst nach der Wiedervereinigung zu Wettkämpfen im Ausland begleiten. Und nachdem er sein Ziel erreicht habe und Weltmeister geworden war, so Lange, sei es zeitweise anstrengend gewesen.

Doping war für beide ein Thema

Doping in Ost und West war ein Thema der Diskussion, das beiden Gesprächspartnern viel abverlangte - Lange hat nach eigenen Angaben nicht bewusst gedopt, kann aber nicht ausschließen, dass ihm Mittel verabreicht wurde. Er habe das System nie als perfide empfunden und habe keine Angst vor Spätfolgen. Seine Position ist eindeutig: "Man kann von mir nicht erwarten, dass ich zur Aufklärung große Beiträge leisten kann." Doch auch gegen seinen Trainer Lothar Trawiel wurde wegen Kinderdopings ermittelt.

Kolbe, dessen Name im Zusammenhang mit der „Kolbespritze" zweifelhafte Berühmtheit erlangte, half nach - mit einem Mittel, über dessen Nebenwirkungen man ihn im Unklaren gelassen habe. Für ihn sei jedoch klar gewesen, dass andere Sportler in der Bundesrepublik dopen. Er sei darauf angesprochen worden, was er einnehme. Er habe gewusst, dass es Doping gab und wo man es hätte bekommen können, aber selbst keine verbotenen Mittel eingenommen. Dass andere dopten, habe er nicht direkt als unfair empfunden: "Ich war vorne dabei, ohne Doping, daher war es gut. Ich habe den Gedanken der Unfairness nicht gehegt."

Das komplette Gespräch zwischen Philipp May, Thomas Lange und Peter-Michael Kolbe können Sie über den Audioplayer oben rechts nachhören.

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