Archiv


Zwischen Acker und Krume

Frankreich profitiert wie kein anders Land vom EU-Agrarbudget. Das verdankt die Berufsgruppe auch Präsident Jacques Chirac, der zuvor Landwirtschaftsminister war und der sich seiner Bauern und ihrer Wählerstimme immer sicher sein konnte. Entsprechend umkämpft ist die bäuerliche Wählerschaft auch unter den Präsidentschaftskandidaten, von denen keiner die Subventionen kürzen will. Ein Beitrag von Andrea Kother.

Von Andrea Kother |
    Noviant-aux-Prés ist ein kleines Dorf in Ostfrankreich - eine Autostunde von den Ballungszentren Metz und Nancy entfernt - ein idyllisches Örtchen, wo sich Hase und Fuchs gute Nacht sagen.
    François Mansion hat hier seinen Hof, groß genug, um zwei Familien zu ernähren.

    "Wir sind zwei Teilhaber hier im Betrieb und haben einen Angestellten. Wir bewirtschaften 320 ha Land: 60 ha Weideland und 260 ha Getreideanbau."

    Es ist bereits Abend, aber Françios Mansion stapft immer noch in Gummistiefeln durch den Stall, denn eines seiner Rinder ist krank. Die Rinderzucht ist das zweite wirtschaftliche Standbein des Hofes. Hier im Stall tummeln sich ca. 50 Rinder, alle momentan mit dem Abendessen beschäftigt.

    Trotz der warmen Frühlingstage will keine Frühlingsstimmung aufkommen. Die französischen Landwirte werden von Fragen und Zweifeln geplagt. Denn nächsten Sonntag soll gewählt werden. Für François Mansion zeichnet sich kein klarer Kandidat ab. Nostalgisch schaut er auf den scheidenden Präsidenten.

    "M. Chirac hat uns in den letzten 20 Jahren immer geholfen. Er hat sich für die Landwirtschaft eingesetzt."

    Die rosigen Zeiten sind nun auch für die französischen Landwirte vorbei. Die Subventionen aus Brüssel, die die französische Landwirtschaft künstlich lukrativ machten, sollen wieder mal gekürzt, ja vielleicht sogar ganz gestrichen werden. Hier im Betrieb von Francois Mansion wirft das eine Menge Fragen auf.

    "Soll ich den Mitarbeiter entlassen, die Produktion einschränken, mit der Rinderzucht aufhören, nur noch Getreide anbauen? Fragen über Fragen ohne Antworten. Ich habe den Hof 1997 übernommen, also vor 10 Jahren. Erst jetzt habe ich die ersten Kredite abgezahlt, andere laufen noch. Wie soll man denn die Zukunft planen, wenn man nicht weiß welche Gewinnspanne man zwischen 2009 und 2013 erzielen kann?"

    Wie ein Damoklesschwert hängt sie über François Mansion : die Drohung Brüssels, 2013 die Subventionen endgültig zu streichen,.
    Er hat sich ausrechnen lassen, was sein Hof ihm dann noch einbringt: zwei mal weniger als heute....

    "Unser Betrieb ist auf zwei Familien zugeschnitten. Wie sollen wir da finanziell über die Runden kommen, wenn wir keine Unterstützungen mehr kriegen?"

    Seitdem die europäischen Subventionen an Auflagen im Tier- und Umweltschutz gebunden sind, hat sich auch für die französischen Bauern einiges geändert. Zwar gelten sie noch immer als privilegiert, der Preis für die Privilegien aber ist hoch: kiloweise muss Papierkram bewältigt werden:

    "Für einen Betrieb wie den unseren braucht man eine halbe Stelle, nur um die Schreibarbeiten zu bewältigen. Man zweifelt ständig an sich selbst: Ist auch alles auf dem neuesten Stand ? Und einen Fehler kann man immer mal machen."

    Fehler haben fatale Auswirkungen auf die Finanzen des Hofs: ein Teil der Subventionen wird gestrichen. Hilfe ist auch von den 12 Kandidaten der Präsidentschaftswahl nicht zu erwarten. Im Gegenteil, die Agrarpolitik spielt in diesem Wahlkampf kaum eine Rolle.

    ""Ich habe so das Gefühl, dass bei der aktuellen Präsidentschaftswahl die Landbevölkerung überhaupt nicht mehr berücksichtigt wird. Wir sind denen egal. Im Vergleich zur restlichen Bevölkerung fallen wir ja auch kaum noch ins Gewicht, wir können keine Wahl mehr entscheiden."

    In Frankreich geht die Anzahl der Bauern weiter zurück. In Zukunft werden sie völlig neuen Aufgaben erhalten: die Pflege und Verwaltung des ländlichen Raums. François Mansion hat dann doch eher eine traditionelle Vorstellung von seinem Beruf:

    ""Im Augenblick geht es vor allem um unsere Subventionen, wie lange die noch weiter laufen und was die zukünftige französische Regierung tun wird, damit unsere Landwirtschaft so bleibt wie sie ist. Damit eines Tages unsere Rolle nicht nur darin besteht, brachliegendes Land zu mähen und Grünflächen zu unterhalten."