Donnerstag, 23.11.2017
StartseiteWirtschaft und GesellschaftEltern-Kind Büro als Alternative08.05.2015

"Coworkingtoddler"Eltern-Kind Büro als Alternative

In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ging es heute los mit den Kita-Streiks. Den Ärger hat man nicht, wenn man seine Kinder selbst betreut. Aber wie soll das gehen, wenn man Vollzeit arbeitet? Eine Gruppe von Eltern in Berlin sammelt gerade Geld für eine Kombination aus Büro-Gemeinschaft und Kita.

Von Anja Nehls

Eine Mutter steht mit ihrem Kind in Kassel (Hessen) vor einer geschlossenen Kita, an der Streik-Hinweise hängen (picture alliance / dpa/ Uwe Zucchi)
Die Beschäftigten wollen ihren Forderungen im Tarifstreit mit den kommunalen Arbeitgebern Nachdruck verleihen. (picture alliance / dpa/ Uwe Zucchi)
Weiterführende Information

Kita-Streik - Kita-Mitarbeiter an der Belastungsgrenze
(Deutschlandfunk, Deutschland heute, 07.05.2015)

Kitastreik - Eltern dürfen nicht einfach zuhause bleiben
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 07.05.2015)

Kita-Streik - Eltern im Stress
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 07.05.2015)

Streik der Erzieher - Was tun, wenn die Kita dicht macht?
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 06.05.2015)

Jeden Morgen bringt Rechtsanwältin Sandra Runge ihre 2 und 5 Jahre alten Söhne Maxim und Adrian in die Kita. Dann fährt sie in ihre Kanzlei um die Kinder nach einem langen Arbeitstag abends wieder abzuholen. Der Alltag für viele Berufstätige. Aber Sandra Runge träumt einen anderen Traum: Ab Sommer wird deshalb in Berlin das Konzept: Coworkingtoddler in die Tat umgesetzt. Auf 200 bis 300 Quadratmetern soll es Arbeitsplätze und eine professionelle Kinderbetreuung geben, alles unter einem Dach. Die Kinder kommen also morgens einfach mit ins Büro:

"Erst mal ist es natürlich schön für die Eltern, dass die Kinder in der Nähe aufwachsen können. Die Anfahrzeiten fallen weg zur Kita, das Hin- und Hergehetze und man kann alle Eltern auch viel intensiver und lebhafter am Kitaalltag teilnehmen in einer gewissen Weise, also man hat die Möglichkeit sich mit den Erziehern auszutauschen. Sonst ist das ja immer nur beschränkt auf das Bringen und das Abholen und dort schaffen wir zum Beispiel gemeinsame Treffpunkte und Möglichkeiten wie zum Beispiel ein gemeinsames Mittagessen."

Co-Working Arbeitsplatz

Zunächst soll es Platz für 10 bis 15 Kinder geben - und ähnlich viele Arbeitsplätze. Die Eltern zahlen die übliche Büromiete von 200 bis 300 Euro für einen Co-Working Arbeitsplatz und einen einkommensabhängigen Beitrag für die Kinderbetreuung. Das Projekt soll wie andere Kitas in Berlin öffentlich bezuschusst werden. Das pädagogische Konzept wurde bereits abgesegnet, sagt Sandra Runge:

"Aus Sicht des Kindes ist es einfach die Möglichkeit, die Nähe zu den Eltern zu genießen, in bestimmten Grenzen, wir wollen natürlich auch gucken, dass das irgendwo geregelt abläuft, weil gerade Kinder in diesem Alter - wir richten uns ja an Kinder von 6 Monaten bis 3 Jahren, die Nähe zu den Eltern brauchen."

Kinder brauchen Nähe zu den Eltern

Für Sandra Runge und ihre Mitstreiter ist Coworkingtoddler eine ganz neue Möglichkeit, Kind und Beruf zu verbinden. Vorbild ist die Rockzipfel Initiative in Leipzig. Dort wird ein Eltern-Kind Büro mit wechselseitiger und ehrenamtlicher Betreuung betrieben. In Berlin soll es angestellte Erzieherinnen geben. Starten soll das Projekt wenn alles gut geht noch im Sommer, die Nachfrage nach Plätzen ist jetzt schon groß.

"Das sind vorrangig Selbstständige aber auch Angestellte, die die Möglichkeit haben im Homeoffice zu arbeiten. Also wir haben Journalisten, Marketingexperten, Filmwissenschaftler, Tanztherapeuten, Berater, Juristen, Studenten vor allem auch, für die ist das auch eine interessante Möglichkeit."

Zusammen mit anderen Müttern und Vätern sammelt Sandra Runge jetzt Geld per Crowdfunding, um das Projekt Coworkingtoddler möglichst schnell in die Tat umzusetzen. 5.000 Euro sind schon zusammengekommen, mindestens 10.000 Euro werden noch gebraucht.

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