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StartseiteHintergrundGroßbritannien und Frankreich: Allianz der Kolonialmächte25.12.2013

Der Weg in den Ersten Weltkrieg Großbritannien und Frankreich: Allianz der Kolonialmächte

Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gingen die zuvor verfeindeten Staaten Frankreich und Großbritannien "Entente cordiale" einen Kompromiss in der Frage der Kolonien ein. Der Balkan wurde in der Folge als Ausgangsszenario für einen Krieg gesehen.

Von Christopher Clark

Soldaten der französischen Armee im Ersten Weltkrieg (1914-1918) in einem Schützengraben. (picture-alliance/ dpa)
Soldaten der französischen Armee im Ersten Weltkrieg (1914-1918) in einem Schützengraben. (picture-alliance/ dpa)

Im Sommer 1903 stattete der britische König Eduard VII. Frankreich einen offiziellen Besuch ab. Die Reaktion der öffentlichen Meinung in Paris war zunächst überwiegend negativ. In Frankreich war die Auseinandersetzung um Faschoda im Jahre 1898 noch in lebendiger Erinnerung. Damals waren die beiden Großmächte wegen eines Konflikts um die Region am Oberlauf des Nils an den Rand eines Krieges geraten. Erst nachdem die Franzosen einen Rückzieher gemacht hatten, war die Krise überwunden. Die Missgunst aber blieb. Als Großbritannien im darauffolgenden Jahr in Südafrika Krieg gegen die kleine Burenrepublik Transvaal führte, unterstützte Frankreich selbstverständlich die Buren.

Während der britische König über die Champs-Élysées fuhr, ertönten daher wütende Rufe: "Es lebe Faschoda", "Es leben die Buren" und – auch sie durfte natürlich nicht fehlen – "Es lebe Jeanne d'Arc". Die Hauptstadtpresse strotzte vor feindlichen Schlagzeilen und Karikaturen.

Binnen weniger Tage vollzog sich jedoch ein merkwürdiger Wandel. Mit bezaubernden Reden und charmanten Kommentaren nahm der König seine Gastgeber für sich ein. Rasch wurden seine zentralen Botschaften von den wichtigsten Zeitungen aufgegriffen. Als Wendepunkt in den französisch-englischen Beziehungen ging dieser königliche Besuch später in die Geschichte ein, feierten doch wenige Monate später beide Staaten eine welthistorisch bedeutende Verständigung: Mit der "Entente cordiale" – "dem herzlichen Einverständnis" – teilten England und Frankreich am 8. April 1904 ihre umkämpften Einflussgebiete in Nordafrika endgültig unter sich auf. Ägypten wurde Großbritannien, Marokko Frankreich zugeschrieben. Die jahrhundertealte koloniale Rivalität schien plötzlich überwunden zu sein.

Diplomatische Abwägungen führten zur Entente

Die Entente kam auf beiden Seiten aus unterschiedlichen Erwägungen zustande. Der französische Außenminister Theophile Delcassé wollte vor allem Deutschland unter erhöhten diplomatischen Druck setzen. Um die Jahrhundertwende, als der Burenkrieg in Südafrika noch schwelte, hatte Delcassé gar mit dem Gedanken einer "Kontinentalen Liga" gegen Großbritannien gespielt. Gemeinsam – so das Kalkül – könnten Berlin und Paris London unter Druck setzen. Das erhoffte Bündnis scheiterte indes an der deutschen Forderung, Frankreich solle als Gegenleistung die deutsche Herrschaft über Elsass-Lothringen endgültig anerkennen.

Derart ernüchtert, gab der französische Außenminister jeden Gedanken an eine französisch-deutsche Zusammenarbeit von nun an auf. Er kam allmählich zu der Auffassung, dass französische Ziele eher über eine Zusammenarbeit mit Großbritannien erreicht werden könnten - nämlich über ein koloniales Tauschgeschäft.

Auf britischer Seite hatte die Entscheidung zur Entente weniger mit Deutschland als vielmehr mit Russland zu tun. Denn um die Jahrhundertwende war es nicht Deutschland, sondern vor allem das immer mächtiger werdende Russland, das in den Augen der britischen Führung London am stärksten bedrohte.

Durch das 1902 geschlossene Bündnis mit Japan schufen sich die Briten ein bedeutendes Gegengewicht zu den Russen. Dieselbe Logik lag der Entscheidung zugrunde, eine Übereinkunft mit Frankreich anzustreben. Die Entente cordiale von 1904 sollte die kolonialen Spannungen mit Frankreich abbauen und gleichzeitig indirekt einen gewissen Druck auf Russland erzeugen.

Mit der Entente war also auch die Basis geschaffen worden für ein weiteres britisches Abkommen mit Russland im Jahre 1907. Denn was die führenden britischen Entscheidungsträger vor allem wollten, war eine umfassende Verständigung zur Mächteteilung entlang der geteilten imperialen Peripherie. Damit sollte Sankt Petersburg eingebunden werden. Diese Bestrebungen mündeten in das 1907 geschlossene anglo-russische Abkommen. Damals hatte man allerdings keine Ahnung, dass dieser Vertrag sieben Jahre später die Grundlage für ein Kriegsbündnis bilden würde.

"Das Verhalten Deutschlands gegenüber unserem Land seit 1890 vermag man nicht ganz unangemessen mit dem eines professionellen Erpressers zu vergleichen, der seinen Opfern mit einigen vagen und schrecklichen Konsequenzen im Falle einer Ablehnung droht. Das Geschäft des Erpressers wird in der Regel durch den ersten entschlossenen Widerstand gegen seine Machenschaften zerstört und die Entschlossenheit des Opfers, eher die Risiken einer möglicherweise unangenehmen Situation in Kauf zu nehmen, als den Weg nicht enden wollender Zugeständnisse fortzuschreiten. Aber, fehlt es an einer solchen Entschlossenheit, ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Beziehungen zwischen den beiden Parteien sich fortwährend verschlechtern."

Eyre Crowe war Diplomat in der westlichen Abteilung des britischen Außenministeriums und zählte zu den wohl außergewöhnlichsten Figuren in der britischen Diplomatie. Sein Vater hatte für den konsularischen Dienst gearbeitet, aber seine Mutter und seine Frau waren Deutsche. Crowe selbst, in Leipzig geboren, konnte, als er mit 17 Jahren zum ersten Mal nach England kam, nicht einmal fließend Englisch. Sein Leben lang sprach er Englisch mit einem, wie Zeitgenossen meinten, kehligen Akzent.

Denkschrift von Eyre Crowe erscheint

Am 1. Januar 1907 übergab Crowe eine später berühmt gewordene Denkschrift über die Beziehungen zu Deutschland. Als die herausragende Weltmacht sei Großbritannien, so argumentierte Crowe, durch eine Art Naturgesetz verpflichtet, sich gegen jeden Staat zur Wehr zu setzen, der versuchte, eine gegen die britische Hegemonie gerichtete Koalition zu gründen. Und genau das habe die deutsche Politik beabsichtigt. Das ultimative Ziel Deutschlands sei eine deutsche Hegemonie, zunächst in Europa und später auf der ganzen Welt.

Natürlich konnte Crowe nicht grundsätzlich jeden deutschen Macht- und Einflusszuwachs ablehnen, und so weit ging er auch nicht. Sein Problem war die schroffe und provokative Art und Weise, mit der Deutschland seine Ziele angeblich verfolgte.

Aber worin bestanden diese Provokationen genau? Auf diese Frage gab der Diplomat nur vage Antworten. Den Kern seiner Argumentation bildete ein albtraumhaftes Psychogramm des deutschen Nationalstaates. "Durch permanentes Nörgeln", "Schikanen und Beleidigungen" versuche sich Deutschland, so Crowe, bei jeder Gelegenheit Vorteile zu verschaffen. Lediglich eine absolut unnachgiebige Entschlossenheit, britische Rechte und Interessen in jeder Region des Globus zu schützen, werde den Respekt der deutschen Regierung und der deutschen Nation gewinnen.

Der britische Außenminister Sir Edward Grey hielt Crowes Denkschrift für außerordentlich scharfsinnig und empfahl sie Premierminister Sir Henry Campbell-Bannerman und anderen hohen Ministern zur Lektüre. Crowes Ansichten entsprachen nämlich einer in den führenden Kreisen der britischen Außenpolitik weitverbreiteten Auffassung. Die Übernahme des Außenministeriums durch Sir Edward Grey im Dezember 1905 festigte den Einfluss einer aufkommenden antideutschen Fraktion innerhalb des Foreign Office. Greys Verbündete und Untergebene schickten ihm ununterbrochen Notizen und Protokolle, die vor der von Berlin ausgehenden Gefahr warnten. Anderslautende Meinungen im Foreign Office wurden an den Rand gedrängt.

Hinter den Befürchtungen verbarg sich gewiss auch das geradezu sensationelle Wirtschaftswachstum Deutschlands. In den Jahren von 1860 bis 1913 vervierfachte sich der deutsche Anteil an der weltweiten Industrieproduktion, während der britische Anteil um ein Drittel sank. Die deutsche Wirtschaftsmacht gab den politischen Ängsten der Entscheidungsträger auf ähnliche Weise Nahrung, wie die chinesische Wirtschaftsmacht heute.

"So, so, das heißt, Sie werden Serbien im Stich lassen müssen? Das ist natürlich Ihre Sache. Aber es soll niemand behaupten, dass dies an uns liegt. Wir sind bereit."

Der französische Kriegsminister Alexandre Millerand am 19. Dezember 1912 in einem Gespräch mit dem russischen Militärattaché Oberst Ignatiew. Es steckt etwas Erstaunliches in dieser waghalsigen Parole des französischen Kriegsministers. Ja, es hatte den Anschein, schrieb Ignatiew an seinen Vorgesetzten, als ob die französische Regierung in voller Bereitschaft stehe, Russland gegen Österreich und Deutschland beizustehen. Und zwar nicht nur diplomatisch, sondern auch, wenn notwendig, unter Anwendung militärischer Gewalt.

Worin lag der Grund für diese Kriegsbereitschaft? Er lag, so analysierte Ignatiew, in der festen französischen Überzeugung, dass ein Krieg balkanischen Ursprungs den bestmöglichen Ausgangspunkt für einen breiteren Konflikt bieten würde, weil nur ein solcher Krieg Deutschland zwingen würde, bedeutende militärische Mittel gegen Russland einzusetzen und damit die französische Front zu entlasten.

Frankreich bereit zum Eingreifen in Serbien

Der koordinierende Wille hinter diesem Konsens war Ministerpräsident Raymond Poincaré. Er erweiterte den Anwendungsbereich des russisch-französischen Bündnisses um den Fall eines Lokalkonfliktes auf dem Balkan. Das war ein wichtiges Signal für die bereits seit 1892 mit Frankreich verbündeten Russen. Doch die französischen Verpflichtungen aus diesem Bündnis hatten die Entscheidungsträger in Paris in der Regel höchst restriktiv ausgelegt. Zwei Jahre vor dem Ausbruch des großen Krieges kehrte die französische Führung diesen Trend plötzlich um - in einer der wichtigsten Kurskorrekturen der Vorkriegszeit. Nachdem die Regierung in Paris jahrelang versucht hatte, Frankreich gegen die Folgen eventueller Erschütterungen auf dem Balkan abzuschirmen, dehnte sie nunmehr das französische Engagement dahin gehend aus, dass eine bewaffnete Intervention in einer Balkankrise nicht ausgeschlossen war.

Damit wurde Serbien gewissermaßen zu einer strategischen Frage für die Entente. Man stellte sich einen dritten Balkankrieg vor und sah in ihm angesichts der komplexen Sicherheitslogik der Entente eine günstige, ja sogar die optimale Ausgangssituation für einen Krieg unter den Großmächten.

Hier ging es – wohlgemerkt - keineswegs um die Durchsetzung eines sorgsam durchdachten und unter den Verbündeten vereinbarten balkanpolitischen Konzepts. Die Entwicklung zwischen den Positionen von 1912/13 und dem Ausbruch des Krieges war weder geradlinig noch zwangsläufig. Es war nicht das Szenario eines auf dem Balkan ausgelösten Krieges an sich, welches Europa in den Krieg hineintrieb – es war eher umgekehrt: Die von vornherein spekulativ erarbeitete Idee eines Krieges balkanischen Ursprungs lieferte den gedanklichen Rahmen, in dem die inzwischen schon eingetretene Krise wiederum verstanden und interpretiert wurde.

Es ist daher nicht ohne Bedeutung, dass Raymond Poincaré – inzwischen zum französischen Staatspräsidenten gewählt – im Laufe der Julikrise 1914 eine Politik der Festigkeit – "de la fermeté" – auf dem Balkan vehement verfolgte. Und nur vor diesem Hintergrund lässt sich die Beobachtung Ignatiews vom 30. Juli 1914 verstehen, er finde überall unter den französischen Militärs in Paris "unverhehlte Freude, dass man nun die Chance ergreift, eine, wie die Franzosen meinen, vorteilhafte strategische Situation auszunutzen."

"Sir Edward Grey lässt mir soeben durch Sir William Tyrrell sagen, er hoffe mir am Nachmittag als Ergebnis einer soeben stattfindenden Ministerberatung Eröffnungen machen zu können, welche geeignet wären, die große Katastrophe zu verhindern. Gemeint damit scheint zu sein, nach Andeutungen Sir Williams, dass, falls wir Frankreich nicht angriffen, England auch neutral bleiben und die Passivität Frankreichs verbürgen würde. Nachtrag: Sir W. Tyrrell bat mich dringend, dahin zu wirken, dass unsere Truppen nicht die französische Grenze verletzen. Alles hängt davon ab."

Diese sensationelle Meldung vom deutschen Botschafter in London erreichte die deutsche Hauptstadt am 1. August 1914 um kurz nach 17 Uhr, nur wenige Minuten, nachdem Berlin den Befehl zur Generalmobilmachung erteilt hatte. Allem Anschein nach wollte Außenminister Grey anbieten, die Briten nicht nur aus dem Krieg herauszuhalten, falls Deutschland auf einen Angriff auf Frankreich verzichte, sondern sich auch für eine französische Neutralität einzusetzen. Die dadurch geschürten deutschen Hoffnungen auf eine britische – und womöglich auch französische – Neutralität erwiesen sich zwar im Laufe des Abends als illusorisch. Es habe, so hieß es in einem späteren Telegramm aus London, sich um ein Missverständnis gehandelt. Aber die Tatsache, dass ein Regierungsmitglied vorübergehend bereit war, den Deutschen ein solches Angebot zu machen, ist in den Quellen eindeutig belegt.

Was wollte Grey damit bezwecken? Der Vorschlag einer britischen Neutralität, selbst angesichts eines kontinentalen Kriegs unter französischer Beteiligung, wäre einer Umkehrung der Positionen gleichgekommen, die der Außenminister selbst zuvor vertreten hatte. War das Angebot vielleicht nur ein Täuschungsmanöver, um Zeit zu gewinnen? Oder zweifelte Grey in den letzten, schwersten Tagen der Julikrise wirklich an der Notwendigkeit des gerade ausbrechenden Krieges?

Eines wissen wir mit Sicherheit: In jenen Tagen arbeitete Grey unter extremem Druck. Er fand kaum noch Schlaf. Er wusste gar nicht, ob das britische Kabinett seine Interventionspolitik unterstützen würde oder nicht. Er wurde von seinen Kollegen in verschiedene Richtungen gedrängt.

Russische Mobilmachung am 30. Juli

Hinzu kam noch Druck von einer anderen Seite: der russische Mobilmachungsbefehl vom 30. Juli. Die Meldung, dass die Mobilisierung soeben deutsche Gegenmaßnahmen ausgelöst hatte, rückte Russland und den Fokus der sich zuspitzenden Krise in den Vordergrund. Britische Politiker hatten weder ein besonderes Interesse an Serbien, noch hegten sie große Sympathien für das Land. Hier handelte es sich um einen Krieg im Osten, der von Interessen geprägt war, die mit der offiziellen Strategie von Whitehall wenig zu tun hatten. Ließ dieser Umstand Grey womöglich an dem zwischen Frankreich und Russland schon vielfach erörterten Szenario eines Krieges balkanischen Ursprungs zweifeln?

Diese These gewinnt an Plausibilität, wenn wir die Unterhaltungen zwischen Grey und dem französischen Botschafter in London, Paul Cambon, näher betrachten. Am Morgen des 29. Juli wies Grey Paul Cambon zu dessen großem Entsetzen darauf hin, dass Frankreich sich in einen Streit hineinziehen lasse, der Paris nicht unmittelbar angehe, an dem es aber infolge seines Bündnisses teilnehmen müsse. Die Briten, so Grey, seien aber frei von Verpflichtungen und hätten dann zu entscheiden, was die britischen Interessen von ihnen verlangten. Grey schloss seine Ausführungen mit einer bemerkenswerten Aussage: "Unser Gedanke ist stets gewesen, uns wegen einer Balkanfrage nicht in einen Krieg hineinziehen zu lassen."

Zwei Tage später, nach dem russischen Befehl zur Mobilmachung und der Ausrufung des Zustands drohender Kriegsgefahr in Berlin, griff der Außenminister das gleiche Argument erneut auf. Als Cambon seine große Enttäuschung äußerte und sich erkundigte, ob Großbritannien denn überhaupt bereit sei, Frankreich zu helfen, falls Deutschland angreifen sollte, formulierte Grey noch deutlicher seine Haltung: Russland habe eine Gesamtmobilmachung seiner Flotte und Armee angeordnet. Dadurch würde, Grey zufolge, eine Krise überstürzt herbeigeführt und der Eindruck erweckt, dass die deutsche Mobilmachung durch Russland erzwungen werde.

Nur vor diesem Hintergrund ist Greys Neutralitätsangebot an Berlin zu erklären. Wenn Frankreich sich dem Neutralitätsangebot nicht anschließen könne, erklärte Grey am Nachmittag des 1. August dem französischen Botschafter, "dann deshalb, weil es durch ein Bündnis gebunden sei, an dem die Briten nicht beteiligt wären und dessen Bestimmungen sie nicht kennten."

Mit diesen Worten wehrte sich Grey gegen den Automatismus einer bestimmten Auffassung der Triple Entente – einer Auffassung, die er allerdings selbst von Zeit zu Zeit geteilt und auch verfochten hatte. Es ärgerte ihn, zumindest in diesem kritischen Moment, dass man einen fernen Streit in Südosteuropa als den Auslöser eines kontinentalen Krieges akzeptiert hatte, obwohl keine einzige der drei Entente-Mächte unmittelbar angegriffen oder von einem Angriff bedroht wurde.

Am Ende blieb Sir Edward Grey der Linie der Entente treu, die er seit 1912 vertreten hatte, aber diese Momente der Umsicht führen uns ein besonders heikles Merkmal der Julikrise von 1914 vor Augen: Dass nämlich die schwere Wahl zwischen entgegengesetzten Optionen häufig nicht nur Parteien und Kabinette spaltete, sondern auch das Denken der Hauptakteure. Sie erinnert uns auch daran, dass dieser Krieg keine historische Notwendigkeit verkörperte, sondern von den Entscheidungsträgern in ihrer Verstrickung in Bündnisverpflichtungen gewählt wurde - mit fürchterlichen Konsequenzen.

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