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StartseiteEssay und Diskurs"Ein Ping-Pong-Spiel an Selbstkritik"31.07.2016

Drucksachen - Teil 5/5 - Zeitschrift "Merkur""Ein Ping-Pong-Spiel an Selbstkritik"

Hinter "Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken" stehen Christian Demand als Herausgeber und Ekkehard Knörer als Redakteur. Ihr Heft sehen sie zwischen dem Feuilleton der Tageszeitungen und wissenschaftlichen Fachzeitschriften angesiedelt. Dass es im Heft vor allem lange Texte gebe, sei kein Selbstzweck, so Demand im DLF. Dies zwinge die Autoren vielmehr dazu, sich kritisch den eigenen Thesen gegenüber zu verhalten.

Christian Demand und Ekkehard Knörer im Gespräch mit Frank Kaspar

Kunsthistoriker und Kulturphilosoph Christian Demand (Deutschlandradio Kultur / Stefan Ruwoldt)
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Herausgeber Christian Demand und Redakteur Ekkehard Knörer in Berlin wollen mit "Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken" Monat für Monat die Standards für politische und kulturelle Essayistik im deutschsprachigen Raum setzen.

"Gedanklich originell, aber nicht unbedingt gelehrt; relevant für gebildete, aber eben nicht spezifisch orientierte Leser; präsentiert in essayistischer Form: ohne akademische Umständlichkeit, mit sprachlicher und intellektueller Eleganz." Der "Merkur" ist eine klassische Kulturzeitschrift, ein Traditionsorgan für intellektuelle Stimmen, Beiträge und Kolumnen und wendet sich an ein kenntnisreiches Publikum, das klugen Widerspruch zu herrschenden Meinungen sucht.

Der "Merkur" wurde lange Jahre von Karl Heinz Bohrer verantwortet, seit 1991 zusammen mit Kurt Scheel, und erscheint seit 1968 im Ernst-Klett-Verlag, heute Klett-Cotta. 2012 übernahm der Kunsthistoriker und Kulturphilosoph Christian Demand die Herausgeberschaft. Frank Kaspar, geboren 1969, studierte Germanistik, Kunstwissenschaft und Neuere Geschichte in Essen und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist für das Deutschlandradio und die ARD.


Frank Kaspar: Wenn man die Monatszeitschrift "Merkur" aufschlägt, dann findet man etwas überraschend auf der Titelinnenseite noch vor dem Editorial von Herausgeber und Redakteur so eine Art Präambel. Das Heft stellt sich erst mal vor: "Der "Merkur" ist eine Kulturzeitschrift", heißt es da, wobei der Begriff der Kultur "in denkbar weitem Sinne" zu verstehen sei. Mit "Essays, Kommentaren und Rezensionen hält der "Merkur" gleichermaßen Distanz zum Feuilleton wie zu Fachzeitschriften."

Christian Demand, Sie haben den "Merkur" 2012 übernommen als Herausgeber. Muss man dem Lesepublikum von heute erst mal erklären, was das eigentlich ist, diese "Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken", anders vielleicht als noch im Gründungsjahr ‘47 und in der Nachkriegszeit und vielleicht auch noch anders als in der Zeit, in der Kurt Scheel und Karl-Heinz Bohrer den "Merkur" als Herausgeber geleitet haben?

Christian Demand: Ja, es ist natürlich so, dass wir versuchen, auch Leute zu gewinnen, Leser zu gewinnen, Leserinnen, die die Zeitschrift nicht kennen, und da ist eine Kurzvorstellung natürlich auf der ersten Umschlagseite das Sinnvollste, glaube ich, was man tun kann, und zugleich dient so was immer auch der Selbstvergewisserung. Es ist natürlich auch eine interessante Frage, wenn man so eine Zeitschrift übernimmt: Was mache ich da? Was wollen wir tun? Wo setzen wir unsere Prioritäten?

Und das geht natürlich zunächst mal über eine Abgrenzung. Wir sagen, wenn es überhaupt irgendeine Notwendigkeit, eine Dringlichkeit geben kann, dass so eine Zeitschrift existiert, dann muss sie wissen, was sie nicht macht oder in welchen Feldern sie nicht wildern will. Das Feuilleton macht seine Sache ebenso gut wie die wissenschaftlichen Fachzeitschriften, ergo ist unser Platz irgendwo dazwischen. Dieses Feld dann möglichst fruchtbar zu bespielen ist dann die Aufgabe.

Kaspar: Das Erscheinungsbild des "Merkur" ist ja praktisch seit Jahrzehnten unverändert. In roten Lettern steht der Name auf dem Titel, darunter die Namen der Autorinnen und Autoren, die Titel der Texte, dahinter gut 100 Seiten Blei, Blei, Blei. Bilder gibt es im "Merkur" eigentlich nur, wenn sie ausdrücklich selbst zum Thema werden. Ekkehard Knörer, Ihre Zeitschrift zeugt ja damit von einem ungeheuren Vertrauen in das gedruckte Wort, in den langen Text. Auf welche Leserschaft zielen Sie damit, und was macht Sie sicher, dass der "Merkur" diese Leserschaft auch heute damit noch erreicht?

Ekkehard Knörer: Wir zielen - das ist ein bisschen paradox formuliert -, aber wir zielen auf die Leserschaft, die genau das will. Wir machen ja keine Zielgruppenanalysen, wir wissen nicht mal so ganz genau, wie unsere Leserschaft aussieht. Es ist natürlich klar, dass es eine Leserschaft ist, die akademisch gebildet ist, die neugierig ist, die aber über ihr jeweiliges Fachgebiet hinaus sich informieren will und wissen will, was da los ist. Das ist eigentlich die allgemeinste Formulierung. Thematisch ist ja im "Merkur" alles denkbar - von Geisteswissenschaften bis in Prinzip auch Naturwissenschaften, auch wenn es auf dem Gebiet selten Angebote gibt. Das ist unsere Leserschaft.

Demand: Und bei Geisteswissenschaften müsste man ergänzen - das vermittelt fast schon ein schiefes Bild -, Geisteswissenschaften sind bei uns ein zentraler Punkt, weil sehr, sehr viele Leute Geisteswissenschaften studiert haben, die uns lesen, aber auch viele unserer Autoren, aber natürlich geht es - und deswegen auch diese Präambel, Kultur im weitesten Sinn -, es geht um Politik, es geht um Wirtschaft, es geht um alles, was die Gegenwart prägt und wozu man in dieser Form des langen Textes eine distanzierte, analytische Haltung entwickeln kann.

Knörer: Und es ist ganz sicher so, dass historisch das Publikum das Bildungsbürgertum gewesen ist. Also wir wissen, dass nach wie vor viele interessierte Ärzte oder Juristen unter den Lesern sind, die eben über ihre Fachgebiete hinaus sich bilden wollen und wissen wollen, was intellektuell gerade passiert und interessant ist.

Kaspar: Welche Rolle spielt denn dabei noch die Marke "Merkur", die sich ja irgendwie auch in dieser - Sie haben es mal genannt, Christian Demand - in dieser "formbewussten Schlichtheit" ausdrückt. Also die Botschaft war mal: "kompromisslose Ernsthaftigkeit und konzentrierte Sachorientierung". Gilt das so noch?

Demand: Na ja, das wirkt ein bisschen behördensprachlich, wenn man es so verkürzt formulieren muss, aber es ist schon so, das ist eine Sachorientiertheit. Dass es lange Texte gibt, hat natürlich auch einen Sinn. Das ist ja kein Selbstzweck. Lange Texte, lange Textstrecken zwingen auch die Autoren, Autorinnen dazu, nicht nur einen Gedanken zu verfolgen, denn den kann ich im Feuilletonformat sehr gut entwickeln. Ich glaube, ich könnte mir zutrauen, über fast jedes Fachgebiet dieser Welt irgendwie einen Zwei- oder Dreispalter zu schreiben, bei dem niemand merkt, dass ich im Grunde genommen mir alles auf Google anlesen musste, aber bei Strecken wie den unseren ist man nicht nur gezwungen, einen zweiten oder dritten Gedanken zu entwickeln, sondern die Strecke zwingt dazu, sich kritisch den eigenen Thesen gegenüber zu verhalten. Das ist ein Ping-Pong-Spiel an Selbstkritik, das in diese Formate eingebaut ist, das die für mich sehr spannend macht.

Knörer: Und "Ernsthaftigkeit", das klingt jetzt alles so freudlos. Natürlich schätzen wir auch Witz, Geist, Leidenschaft, Bösartigkeit, Polemik, und all das gibt es ja in den Heften. Das ist auch eine lange Tradition des "Merkur", dass genau das eigentlich das ist, was gesucht wird. Das ist auch das, was wir unter Essayistik und Essay verstehen.

"Es ist nicht so einfach, Erstveröffentlichungen zu bekommen aus allen Ländern dieser Welt"

Kaspar: In den Nachkriegsjahren hatte der "Merkur" doch vermutlich auch jedenfalls die Funktion, den Blick wieder zu öffnen, auch ins Ausland. Also ich denke, vielleicht sogar ähnlich wie der Radio-Essay oder das Radio-Feature sozusagen wieder Stimmen herein zu holen aus der internationalen Kultur, aus internationalen Gesellschaftsdebatten, die man während des Nationalsozialismus in Deutschland kaum hören konnte. Wie ist das heute - worauf zielen Sie publizistisch? In der Präambel, über die wir jetzt schon gesprochen haben, ist der Anspruch, europäisch und international zu denken, zu diskutieren, ja nach wie vor drin.

Demand: Den Anspruch haben wir. Das ist eine Frage der Angebote auch. Es ist nicht so einfach, Erstveröffentlichungen zu bekommen aus allen Ländern dieser Welt, schon deshalb, weil wir nicht alle Sprachen dieser Welt sprechen. Also, unser eigener Blick ist begrenzt, und weil auch die essayistischen und literarischen, journalistischen Traditionen so unterschiedlich sind. Also, ich etwa war naiverweise der Ansicht, als ich den Job übernommen habe, dass man eines, was ich ständig als eine Fehlstelle empfunden habe, nämlich den Blick nach Osteuropa, Südosteuropa, dass wir den deutlich ausweiten könnten, müssten. Das hat bisher nicht funktioniert, und aus zwei Gründen: Erstens, weil wir die Sprachen nicht sprechen und alles ohnehin erst mal über Bande wahrnehmen müssen. Es gibt kein Netz von Mitarbeitern, das wir haben. Wir können uns keine Korrespondenten leisten. Der "Merkur" wird inhaltlich von zwei Menschen gemacht - das sind wir. Zum anderen ist es so, dass wenn uns dann mal durch Zufall Texte erreichen, man genau merkt, wie spezifisch das ist, was wir publizistisch tun. Also, es ist nicht so, dass die Texte, die uns als Langtexte dort erreichen, einfach eins-zu-eins in der Übersetzung in den "Merkur" passen würden, sondern das sind auch andere diskursive Traditionen, die sperrig sind, die unseren Ansprüchen nicht genügen. Ob die jetzt besser oder schlechter sind, ist gar nicht der Punkt, sondern es passt nicht in unser Format, und insofern gibt es ein paar Dinge, die uns darin behindern, aber selbstverständlich versuchen wir, möglichst weit den Blick zu spannen und alles, was Gegenwart uns problematisch oder interessant vor Augen stellt, zum Thema zu machen.

Knörer: Und wir finden den Untertitel der Zeitschrift, "Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken", ja nicht unproblematisch. Der war damals ‘47, als die Zeitschrift gegründet wurde, ein klares Signal, gerade nach der Nazizeit, über den deutschen Tellerrand hinauszublicken, den Blick zu öffnen, die Grenzen zu überwinden. Heute klingt das ja eigentlich fast nach dem Gegenteil, als würde man sich beschränken auf bloß europäisches Denken. Wir setzen da immer wieder ganz starke Signale dagegen. Wir hatten lange Jahre Globalhistoriker als Geschichtskolumnisten, Jürgen Osterhammel und Sebastian Conrad, die eben genau diesen europäischen Blick auf die Welt, wenn nicht umkehren, dann auf jeden Fall mit einen Blick auf Europa aus anderen Regionen der Welt kontrastieren wollen und das ausweiten wollen. Also, das ist uns bewusst, und darauf weisen wir auch in der Präambel hin, dass dieser Untertitel auch einen ganz klaren historischen Index hat, der so für uns heute nicht mehr gilt.

Kaspar: Gibt es denn eigentlich ein Feld der intellektuellen Zeitschriften, der Kulturzeitschriften heute international, eine gegenseitige Wahrnehmung, also was im Grunde ja schon Hans Magnus Enzensberger damals sich gewünscht hat, als er das "Kursbuch" in den 60er-Jahren gegründet hat. Da war eine Zeitschrift namens "Revue Internationale" gerade gescheitert. Es gab immer diese Hoffnung, dass es über die Landesgrenzen, über die Sprachgrenzen hinaus so einen geistigen Austausch geben könnte in diesem Feld der Kulturzeitschriften. Wie ist das heute aufgestellt das Feld, in dem Sie sich da bewegen mit dem "Merkur"?

Demand: Also, schon dass man zögert, darauf zu antworten oder dass ich zögere, darauf zu antworten, ist ein Indiz dafür, dass auch ich nachdenken muss, was es da gibt. Selbstverständlich gibt es einige Initiativen immer wieder, die versuchen, so einen Horizont zu schaffen, aber es ist, glaube ich, auch eine rein pragmatische Frage: Wer um Gottes Willen hat die Zeit, die Energie, die Lust, sich in dieser Vertiefung, die man da hat, so breit gefächert zu informieren? Das können sich die wenigsten Leute leisten, zumal es ja nicht mehr so ist wie in den Zeiten, als der "Merkur" gegründet war, dass man in Deutschland Schwierigkeiten hätte, sich über irgendein ausländisches Geschehen zu informieren. Es liegt ja alles sehr nah und ist schnell zur Verfügung. Also gerade, wenn man sagt, das Englischsprachige ist zumindest das, was aus Deutschland heraus sehr leicht noch rezipiert werden kann, weil die Sprachbarriere niedrig ist, alles, was auf der Welt passiert, wird ständig darin gespiegelt. Wir haben einfach auch andere Rahmenbedingungen, unter denen wir publizistisch heute arbeiten. Deswegen ist vielleicht der emphatische Wunsch nach einer europäischen Öffentlichkeit gar nicht mehr so dringlich und hat sich auf eine gewisse Weise erledigt.

Knörer: Zugleich staunt schon man schon, wie wenig - also was heißt, man staunt, es geht einem ja selber so -, wie wenig wirklich in der breiten Öffentlichkeit Magazine aus anderen Ländern und Kulturen rezipiert werden. Es gibt ja verdienstvolle Projekte wie "Eurozine online" - wir sind Kooperationspartner von "Eurozine" -, da sind ganz viele europäische Kulturzeitschriften versammelt, aus denen auch immer wieder übersetzt wird ins Englische, die Monat für Monat vorgestellt werden. Es gibt beim "Perlentaucher" die Magazinrundschau. Die ist sogar ganz global. Da geht es dann im Wesentlichen aber auch um englisch- und französischsprachige, aber all das stellt keine europäische Öffentlichkeit her. Das wird gar nicht viel gelesen und gar nicht viel geklickt, zumindest im Vergleich zu dem, was eigentlich denkbar und möglich wäre.

Antrittsrede des französischen Historikers Patrick Boucheron

Kaspar: Um mal so ein Beispiel aufzugreifen: In diesem Frühjahr, im Maiheft hatten Sie ja eine Erstveröffentlichung aus Frankreich. Da haben Sie in deutscher Übersetzung die Antrittsrede des französischen Historikers Patrick Boucheron gebracht, der im Dezember 2015 am Collège de France diese Rede gehalten hat, die in Frankreich sehr große Wellen geschlagen hat. Das lag sicher auch daran, dass er in einem recht persönlichen Ton auch auf die Anschläge in Paris Anfang 2015 eingegangen ist und sich gefragt hat, wie sozusagen aus der Perspektive des Historikers man auf die Gegenwart, auf die Krisen auch der Gegenwart Antworten finden kann. Was hat Sie bewogen, also was war für Sie der ausschlaggebende Punkt, dass Sie gesagt haben, dieser Text muss nach Deutschland noch vor der Veröffentlichung als Buch in Frankreich?

Knörer: Ja, zum einen haben wir im Fall Frankreich das große Glück, dass wir da wirklich einen - wie immer man das nennen will - Verbindungsmann, eine Art Korrespondenten haben in Danilo Scholz, der dort lebt und promoviert und einfach einen ungeheuer aufmerksamen Blick auf alles hat, was an intellektuellem Leben in Frankreich passiert. Mit ihm haben wir schon einen Frankreich-Schwerpunkt im Dezember letzten Jahres gemacht, und er hat uns auf diese Rede ausdrücklich aufmerksam gemacht und dann tatsächlich auch sich mit Patrick Boucheron in Verbindung gesetzt. Diese Rede ist wirklich aufregend. Sie hat ganz viel Aufsehen erregt, weil sie auch eine Sehnsucht der nicht fachspezifischen Öffentlichkeit zum Ausdruck bringt und erfüllt, dass nämlich die Fachwissenschaftler oder die Wissenschaftler ausdrücklich über ihr akademisches Feld hinaus blicken, hinaus denken und das auch tatsächlich von ihrem Fach fordern. Das ist ja ein wichtiger Bestandteil dieser Antrittsvorlesung, dass er sagt: Ich will nicht nur von Historikern gelesen und wahrgenommen werden, ich will das, was ich in meiner Forschung herausfinde, verbinden mit dem, was in der Gegenwart passiert, und ich will es auch vermitteln an eine Öffentlichkeit, die das sonst nicht mitbekommen würde. Das ist ein Gestus und auch eine These, die wir uns ja zu 100 Prozent auf unsere "Merkur"-Fahnen schreiben können.

Kaspar: Das Thema von Boucheron sind ja Machtkonstellationen, und unter anderem wirft er die Frage auf oder warnt er, kann man eigentlich sagen, dass Geschichte dafür missbraucht werden kann, Macht zu stabilisieren. Er schreibt: "Man muss unermüdlich jenen widersprechen, die von den Historikern ihre Gewissheiten bestätigt bekommen wollen und historische Kontinuität als einen Wert an sich verkaufen." Das ist ja schon ein Thema: Welchen Gefahren sieht sich Europa im Augenblick auch ausgesetzt, und inwiefern wird so etwas wie die europäische Identität oder ein europäisches Selbstverständnis herausgefordert von Leuten, die sich auf so ein homogenes, durch die Geschichte gerechtfertigtes Gesellschaftsmodell berufen.

Demand: Wir hatten einen Beitrag zur Flüchtlingsdebatte, in dem sehr, sehr eindringlich dargestellt wurde, wie die Binnenmigrationsgeschichte des späten 19. Jahrhunderts in den deutschsprachigen Ländern ablief, der unglaubliche Parallelen zu der jetzigen Situation lieferte. Es war für uns ganz interessant zu sehen, dass am Anfang der Flüchtlingsdebatte zwei Parallelszenarien immer aufgerufen wurden, als wären sie ideale Vergleichsgrößen. Das war einerseits die Völkerwanderung, von der man auch nicht genau wusste, welche. Sie dauerte dann irgendwie um die 1.000 Jahre, und das hatte was mit dem Römischen Reich zu tun, aber so genau wollte es keiner wissen, und zum anderen die Vertreibungsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg oder am Ende des Zweiten Weltkrieges. Wir fanden beide Szenarien vollkommen abstrus. Jedenfalls in so vieler Hinsicht ganz offensichtlich anders und unvergleichbar, dass man sehr wenig Erkenntniswert daraus schlagen konnte, und da sieht man, was, glaube ich, auch gemeint sein kann mit: die Gewissheiten der Geschichte oder die vermeintlichen Gewissheiten der Geschichte eben ungewiss werden lassen. Was da unserem Autor gelungen ist, war schlichtweg zu zeigen, dass es Parallelsituationen gibt, die gar nicht so weit zurückliegen, an die man aber nicht sofort denkt und die verschüttet sind. Das war besonders eindringlich zu sehen, in welchen Größenordnungen Migration damals stattfand und dass Argumente, wie sie jetzt in den Debatten vorkommen - "Ja, aber das waren doch Deutsche!" Oder: "Das kann man doch nicht vergleichen!" -, auf eine gewisse Weise auch obsolet sind, weil man sieht, dass es sehr wohl einen ganz, ganz großen, auch kulturellen Unterschied machte, ob jemand aus Schlesien als Katholik, nicht deutschsprachig, in den Ruhrpott kam, um dort zu arbeiten. Das ist eben keine Binnenmigration, bei der sich alle gefreut haben, dass die jetzt endlich da sind, weil: "Das sind ja die unseren!" Ein solches Wissen zu aktivieren und zu sagen, Geschichte ist eben nicht etwas, bei dem wir immer schon wissen, was war, von dem wir uns sofortige Lehren erwarten können, ist eine Aufgabe, die sich auch der "Merkur" ständig stellt.

"Es geht nicht um eine blauäugige Europabegeisterung"

Knörer: Europa ist tatsächlich immer wieder Thema im "Merkur", das ergibt sich teils, teils machen wir das aber auch programmatisch. Wir haben auch das erste Heft, das wir gemacht haben im Januar 2012, mit der Frage zu Deutschlands Rolle in Europa eröffnet, und es gibt da bei uns schon immer wieder auch europakritische Einsätze. Es geht nicht um eine blauäugige Europabegeisterung. Bei allen Nuancierungen der verschiedenen Positionen, die wir haben, wir haben da ganz sicher keine einheitliche Position, aber wichtig ist schon, und das steht auch sehr stark in der Tradition des "Merkur", darauf hinzuweisen, dass man durch Wunschdenken gar nichts erreicht. Im Gegenteil, Wunschdenken ist immer gefährlich, und deswegen gibt es immer wieder, auch von führenden Juristen Hinweise darauf, was nicht funktioniert, wie Rechtsvereinheitlichung problematisch ist und problematisch bleiben muss, welche Demokratiedefizite es gibt. Also das ist immer eine doppelte Position. Einerseits gibt es eine sehr, sehr positive Haltung zu Europa oder zumindest zum Potenzial von Europa, und auf der anderen Seite ein ganz klares und stetiges Daraufhinweisen, wo die Probleme liegen, die man auch nicht einfach beseitigen kann.

Kaspar: Lassen Sie uns ein bisschen über Handwerk reden. Bei Patrick Boucheron gab es eine Stelle, die mir aufgefallen ist, wo er sehr emphatisch sagt: "Wir müssen uns die nötigen - auch literarischen Mittel - verschaffen, um die Sozialwissenschaften", die Geschichte auch in dem Fall, "stärker in die Öffentlichkeit zu tragen". Auf dem Weg dahin könnte man sich auch gleich "der toten Sprache entledigen", schreibt er, "die eine meterdicke Kruste bildet und die Forschung von der Welt abschirmt". Da geht es um das Genre des Essays eigentlich, der literarisch argumentieren kann. Was ist für Sie heute ein guter, zeitgemäßer Essay?

Demand: Wenn ich ihn vor mir habe, weiß ich es. Das lässt sich vielleicht auch ein bisschen über die Frage erörtern: Was heißt dann da literarisch? Es geht weniger darum, dass hier noch mal eine vielleicht poetische Dimension dazukommt - das kann von Autor zu Autor, Autorin zu Autorin mal ein Mittel sein -, sondern es geht darum, dass eine kurze und elegante Verbindung zwischen dem, wie man etwas sagt, und dem, was man sagt, entsteht. Das ist etwas, wir haben sehr, sehr viele Autoren, Autorinnen aus dem akademischen Feld. Das liegt nahe, weil also eine ganz, ganz kernhafte und jahrelange konzise Beschäftigung mit einem Themenfeld vor allen Dingen natürlich im akademischen Bereich überhaupt möglich ist, weil es zu den Kernaufgaben dort gehört. Wenn diese Leute schreiben, trifft man mitunter auf hinreißende literarische Lösungen. Interessanterweise sehr, sehr häufig bei Juristen. Wir haben mitunter umwerfend elegant, klug geschriebene Texte von Juristen, bei denen es aber nicht, diese spezifische Qualität, die wir daran entdecken, aus irgendeiner Form der zusätzlichen Rhetorik kommt. Es ist nicht so, dass man dann den Text liest und sagt, uh, das ist aber geschult an, und dann könnte man einsetzen von Thomas Mann bis Pynchon oder so, sondern es kommt aus einer ganz selbstverständlichen gedanklichen Durchdringung des Stoffs. Das ist eigentlich die naheliegendste und wünschenswerteste Form, wie so ein Essay zustande kommt. Es geht nicht darum, dass irgendwas besonders schön gesagt ist. Das wäre das Gegenteil dessen, was wir wollen.

Knörer: Man kann den Essay ja sozusagen per definitionem nicht definieren. Das ist ja gerade der Punkt an der Sache. Wenn man es ganz allgemein sagt, würde ich sagen, sind das zwei Dinge, die das essayistische Schreiben, Denken ausmachen: eine Freiheit und eine Form von Souveränität. Die Freiheit, in der Sprache, in der Denkbewegung das zu machen, was sich gerade richtig anfühlt, egal, ob es irgendeine Konvention gibt, die das erlaubt oder ob es diese Konvention nicht gibt, und Souveränität gegenüber dem Stoff, dass man in der Auswahl, im Zugriff, auch im Weglassen, im Springen, dass man nicht jeden Schritt begründen muss, den man jetzt macht. Das führt zu Essayistik, die dann wirklich in Länge und Form ganz und gar unterschiedlich aussehen kann, aber ich würde sagen, das sind die beiden Geisteshaltungen, die das möglich machen.

"Der "Merkur" ist eine Zeitschrift, aber wir haben einen Blog nebenbei"

Kaspar: In welchem Takt arbeiten Sie in dieser Nische zwischen der aktuellen Publizistik oder sagen wir dem Journalismus und den wissenschaftlichen Zeitschriften? Wie finden Sie da Ihre Themen, und in welchem Rhythmus muss man sich diese Arbeit überhaupt vorstellen?

Demand: Die Themen finden uns, würde ich mal sagen. Es ist sehr selten der Fall, auch wenn es vorkommt, dass wir uns zusammensetzen müssen und sagen: Was steht nun eigentlich auf der Agenda, was müssten wir tun? Das gibt es mitunter, wenn man das Gefühl hat, es ergibt sich einfach kein Text, es gibt kein Angebot zu etwas, von dem es selbstverständlich ist, dass man drauf reagieren muss, aber im Grunde genommen finden uns die Themen. Wir kriegen auch eine ganze Menge Texte angeboten. Das ist gar nicht so problematisch. Was für uns interessant ist: Der "Merkur" ist eine Zeitschrift, aber wir haben einen Blog nebenbei, der auch ein bisschen zeigt, wie wir uns verstehen, dass das durchaus auch ein journalistisches Projekt ist und eben kein akademisches, das wir betreiben. In dem Blog, den wir jetzt nicht so betreiben, dass wir alle fünf Minuten etwas posten müssen, haben wir ein Forum geschaffen, das uns ein bisschen von der Schwerfälligkeit der technischen Prozesse entbindet, die wir bei der Printausgabe haben. Wir haben einen technischen Vorlauf von etwa sechs, sieben Wochen. Das heißt, wenn ich also Mitte des Monats ein Heft abschließe, ist es frühestes anderthalb Monate später fertig. Diese sechs, sieben Wochen sind für bestimmte Themen einfach zu lang, und so etwas ist etwas, was im Blog bei uns verhandelt werden kann. Es ist auch so, dass dort literarische Formen erprobt werden können, die sehr viel kürzer sind, die im Heft merkwürdig aussehen können, wo wir uns nicht sicher sind, passen die eigentlich ins Heft, aber die wir als Formen interessant finden. Insofern ist es eine Monatszeitschrift, die tatsächlich einmal im Monat, 12 Mal im Jahr erscheint, aber dazwischen passiert sehr, sehr viel, auch Schnelleres. Wir versuchen, so aktuell wie irgend möglich zu sein, eben mit der Begrenzung: Wir sind nicht Tageszeitung, wir sind nicht Feuilleton.

Kaspar: Wie verändert der Blog die Resonanz und Ihre Erfahrung mit den Möglichkeiten, da auch so eine Art von Dialogkanal zu schaffen?

Knörer: Es ist nicht so, dass im Blog sehr viel kommentiert wird. Das ist aber die Erfahrung, die ich über lange Jahre, die ich im Netz unterwegs bin, gemacht habe. Eine bestimmte Sorte Texte, die einen bestimmten Anspruch haben, die nicht mit steilen Thesen provozieren wollen, die lösen nicht unbedingt direkte Kommentar-Resonanz aus. Das sagt gar nichts darüber, wie sie wahrgenommen werden. Unsere Texte im Blog werden sehr viel gelesen, und viele Text im Blog werden auch mehr gelesen, als die Texte in der Zeitschrift gelesen werden. Was wir feststellen, ist, nicht zuletzt bei den "Merkur"-Gesprächen, dass tatsächlich ein jüngeres Publikum sich da versammelt. Es sind auch jüngere Autoren und Autorinnen, die sich da versammeln, die andere Themen ansprechen, etwas andere Formen finden, und das verlängert sich zu unserer großen Freude dann in die "Merkur"-Gespräche, wo immer so 100, 150 Leute kommen, die in der Regel so ein Durchschnittsalter von Mitte 30 haben. Das heißt, wir haben so das akademische, gerade postakademische, Postdoc-Publikum, das sich für den "Merkur" wieder zu interessieren begonnen hat, was für uns höchst erfreulich ist. Das ist schon auch eine Folge der Präsenz im Netz und vor allem im Blog.

Demand: Wobei es eine Sache gibt, die sich nicht verändert hat: Es gibt keine politische Agenda des "Merkur". Es ist nicht so, dass wir, was auch immer, ob nun pro-amerikanisch, pro-europäisch, gegen-israelisch, oder was auch immer man sagen kann, für den Neoliberalismus oder gegen, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wir als Forum verstanden werden wollen. Alle ernst zu nehmenden, gut argumentierten Positionen, all das, was einen Diskurs voranbringen kann, nicht an anderer Stelle schon zehnmal zu hören war, gehört in den "Merkur". Das ist auch Teil des Selbstverständnisses. Es geht nicht um die Position. Dann in der Diskussion natürlich schon, aber nicht bei der Frage: Was wird veröffentlicht? Da geht es um die Qualität der Argumentation und um das Anregende des Beitrags.

Knörer: Das heißt sehr konkret auch, dass wir immer wieder Texte drucken, mit denen wir nicht einverstanden sind.

Kaspar: Das steht ja eigentlich auch in der Tradition des alten "Merkur". Was ein bisschen besonders ist am "Merkur", ist ja, dass man immer schon hätte sagen können: Dahinter steckten zwei kluge Köpfe. Die Gründungsherausgeber waren untereinander, so kann man lesen, oft in ihren Positionen sehr uneinig, was wohl von vornherein zu einer großen Vielstimmigkeit im Blatt geführt hat. Kurt Scheel und Karl-Heinz Bohrer haben vielleicht eher von ihren Interessen in sehr unterschiedliche Richtungen geschaut und haben sich so arrangiert, dass der "Merkur" im Wechsel politische, gesellschaftliche und dann andererseits ästhetische Fragen aufgegriffen hat. Wie ist das bei Ihnen beiden? Wie prägt Ihre Harmonie oder Disharmonie das Blatt?

Demand: Ich weiß gar nicht, ob wir das wirklich beantworten können, weil wir ja in der Arbeit sind und vielleicht nicht weit genug zurücktreten können im fünften Jahrgang, um jetzt ein Urteil darüber zu sprechen. Es ist allerdings so, dass wir aus eher unterschiedlichen thematischen wie auch politischen Zusammenhängen kommen. Es ist nicht so, dass man, wenn man unsere beiden Viten und all das, was wir bisher gemacht haben, nebeneinanderlegte und einen Dritten bäte, zu fragen, wird das ein schönes, harmonierendes Doppel sein, ich glaube nicht, dass jeder sofort ja sagen würde. Das Interessante ist, wir haben eine Regel übernommen von Kurt Scheel und Karl-Heinz Bohrer, die wir sehr sinnvoll fanden: Wir haben gesagt, wenn wir so was zu zweit machen, dann muss es etwas geben wie ein Vetorecht. Wenn etwas ins Blatt kommt, müssen beide sagen, es kommt ins Blatt, und es genügt, wenn einer sagt: Nein. Dann ist die Diskussion auch beendet. Wir haben noch nie in diesen fünf Jahren den Punkt gehabt, an dem so etwas passiert wäre. Interessanterweise haben wir uns dann weniger über die Positionen verständigen müssen, also um die Frage: Was wird hier gerade behauptet und kann man das so argumentieren? Sondern es ging eher um die Frage: Ist das gut argumentiert, stimmt das, ist der Text stimmig? Da hat sich eine - und das schließt an das Handwerk, über das wir gesprochen haben, an -, da hat sich ein Einvernehmen entwickelt, das ich geradezu überraschend finde, nach dem sehr Unterschiedlichen, was man erwarten würde.

Knörer: Interessanterweise gab es eine Übergangsphase von Karl-Heinz Bohrer und Kurt Scheel zu uns beiden, und in dieser Übergangsphase hat Kurt Scheel - das war sein eigenes Angebot, das hatte gar nichts mit Einmischung zu tun, das war einfach extrem großzügig -, den ersten Jahrgang unserer Hefte noch mit korrekturgelesen, erst mal wirklich nur auf der Ebene des Korrekturlesens. Da sind wir natürlich schon ins Gespräch darüber gekommen, ob er die Texte, die wir gemacht haben, auch gemacht hätte. Und selbst mit Kurt Scheel, bei dem ich, glaube ich, schon noch stärkere politische Differenzen hätte, hat sich herausgestellt, dass in 95 Prozent der Fälle wir uns völlig einig waren, dass dieser Text, ob wir ihm zustimmen oder nicht, dass das aber ein Text ist, der "Merkur"-würdig ist, weil er sprachlich, essayistisch, gedanklich auf einem Niveau ist, das - ob man zustimmt oder nicht - einfach die Auseinandersetzung fordert.

"Wir haben eine ganz, ganz lange Tradition übernommen haben, die wir auch respektieren"

Kaspar: Es gibt ja neben Ihnen beiden noch einen dritten Kopf beim "Merkur", auf dem "Merkur", nämlich diese Vignette, das Abbild, wie Sie, Christian Demand, mal geschrieben haben, überraschenderweise nicht des Gottes "Merkur", sondern des griechischen Vorläufers Hermes: Götterbote, Beschützer der Händler, der Diebe. Über Umwege leitet sich von ihm auch der Begriff "hermetisch" ab - was bedeutet dieser Kopf für Sie beide heute?

Demand: In erster Linie natürlich eine historische Reminiszenz. Er erinnert uns sehr daran und ständig daran, dass diese Zeitschrift nicht wir sind in den letzten fünf Jahrgängen und in all den Jahrgängen, die vielleicht noch kommen werden, sondern, dass wir eine ganz, ganz lange Tradition übernommen haben, die wir auch respektieren - auch da gilt es, mit den zustimmenden und den ablehnenden Reaktionen auf diese Geschichte -, aber er bedeutet für uns eine ständige Erinnerung an ein Versprechen der Kontinuität, für mich jedenfalls.

Knörer: Ja, das ist einfach Bestandteil der Marke, und den werden wir auch erhalten. Interessanterweise ist es ein Hermes auch deswegen, weil eigentlich Hans Paeschke, der Gründungsherausgeber, die Zeitschrift "Hermes" nennen wollte, auch mit dem aus meiner Sicht dann doch sehr problematischen Anschluss an die hermetische Tradition, also ein sehr dunkles, eher elitäres Schreiben. Das war durchaus, vermutlich, gewollt, nur gab es damals schon eine Zeitschrift "Hermes", sodass er den "Merkur" nicht "Hermes" nennen konnte, und so endete er als "Merkur" mit dem ganz dunklen Verweis in der Münze darauf, dass da auch ein Hermes dahinter steht.

Kaspar: Der heute nicht mehr auf das Hermetische hinaus will.

Demand: Ganz sicher nicht.

Knörer: Bei uns ganz sicher nicht, nein.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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