Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteInformationen am MorgenDer Kampf der Wissenschaftler mit dem Präsidenten07.11.2017

Ein Jahr TrumpDer Kampf der Wissenschaftler mit dem Präsidenten

Das erste Regierungsjahr unter Donald Trump war kein gutes Jahr für die US-Wissenschaft. Forscher mussten sich mit Zensur und Eingriffen der US-Regierung auseinandersetzen. Hinzu kamen Einsparungen und Kürzungen. Aber sie wollen nicht aufgeben - und engagieren sich zunehmend auch politisch.

Von Martina Buttler

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US-Präsident Donald Trump kündigte im Juni 2017 den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an. (imago / ZUMA Press)
US-Präsident Donald Trump kündigte im Juni 2017 den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an. (imago / ZUMA Press)
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Der Wind ist rauer geworden für die Wissenschaftler in den USA. Nobelpreisträger haben offene Briefe geschrieben und für die Unabhängigkeit der Wissenschaft geworben. Zu Zehntausenden sind die Forscher aus den Laboren auf die Straße gegangen, unter anderem beim Marsch der Wissenschaft.

Ein Jahr Trump, das war kein gutes Jahr für die Wissenschaft, erklärt Rachel Cleetus von der Union of Concerned Scientists: "Das sind beunruhigende Zeiten für Wissenschaftler, aber auch für die Öffentlichkeit, die will, dass Forschungsergebnisse bei Entscheidungen eine Rolle spielen. Das ist besorgniserregend."

Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen war ein Schlag für die Klimaforscher

Donald Trump hat nicht nur ausgewiesenen Klimawandelskeptiker wie Scott Pruitt verantwortungsvolle Posten wie die Leitung der Umweltbehörde EPA gegeben. Er hat außerdem nach ein paar Monaten im Amt den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen bekannt gegeben - ein Schlag ins Gesicht der Klimaforscher:

"Die USA werden sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen."

Wissenschaftler haben nach Trumps Wahl fieberhaft angefangen, Forschungsdaten von Regierungsservern an anderen Orten zu sichern. Sie hatten Angst, dass die sonst verschwinden könnten.

New Yorker demonstrieren gegen Trumps Kabinett, zu dem auch Personen gehören, die bestreiten, dass es einen Klimawandel gibt. Eine Frau hält ein Schild in der Hand, auf dem steht: "Earth needs thinkers not deniers". Die Erde braucht Denker, keine Leugner.  (imago /  Erik McGregor)In New York demonstrieren Menschen gegen Trumps Kabinett, zu dem auch Personen gehören, die bestreiten, dass es einen Klimawandel gibt. (imago / Erik McGregor)

Keine unbegründete Angst, wie Rachel Cleetus jetzt bestätigt: "Es gab viele Beispiele, wo Material von Webseiten verschwunden ist und damit waren die Daten, die dazugehörten weg. Das sind Daten, die vom Steuerzahler finanziert wurden. Sie gehören der amerikanischen Öffentlichkeit und jeder sollte dazu Zugang haben."

Umso mehr überraschte in der vergangenen Woche die Veröffentlichung eines Klimaschutzberichts, der in weiten Teilen das Gegenteil von dem sagt, was die Trump-Regierung offiziell propagiert.

Forscher bekommen Trumps Politik jeden Tag zu spüren

Experten von gut einem Dutzend Behörden halten fest, daß die Erderwärmung menschengemacht ist. Der Bericht wurde zur Überraschung vieler Wissenschaftler nicht zurechtgestutzt. Nur seine Bedeutung wurde letztlich heruntergespielt. Doch die Forscher bekommen Trumps Politik jeden Tag bei ihrer Arbeit zu spüren:

"Sie haben sich die Gelder enorm vorgenommen. Vor allem dort, wo es um Gelder für wissenschaftsbasierte Politikgestaltung ging. Sie haben die Beratergremien ins Visier genommen. Aber glücklicherweise gibt es Gegenwehr vom Kongress gegen zu große Kürzungen."

Und Wissenschaftler werden politischer. Sie kämpfen nicht nur für sich, ihre Überzeugungen und ihre Arbeit, sondern sie engagieren sich auch mehr. Es gibt Grassroots-Organisationen, die dabei helfen wollen, Wissenschaftler und Ingenieure dazu zu bringen, für ein Amt zu kandieren.

"Es geht um die Zukunft unserer Kinder, Enkelkinder und der Welt."

Rachel Cleetus hält auch das Prinzip Hoffnung hoch: "Wir müssen weitermachen. Es geht um die Zukunft unserer Kinder, Enkelkinder und der Welt. Hoffentlich gucken wir irgendwann zurück auf diese Zeit als eine dunkle Zeit aus der wir stärker hervorgegangen sind. Das hoffe ich."

Und das Vertrauen in Trump schwindet immer weiter. Ein Forscher im Bereich Energie, der Wissenschaftsabgesandter für das Außenministerium war, hat sich nach der Reaktion von Donald Trump auf die Demonstrationen von Rechtsextremen in Charlottesville und die gewalttätigen Auseinandersetzungen von seinem Posten verabschiedet.

Seine Begründung: Trumps Präsenz im Weißen Haus würde der USA innen- und außenpolitisch schaden und das Leben auf dem Planeten gefährden. Im Elfenbeinturm sind Wissenschaftler unter Trump schon lange nicht mehr Zuhause.

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