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StartseiteDeutschland heuteIntegration auf kölsche Art18.02.2015

Flüchtlinge im KarnevalIntegration auf kölsche Art

Der Kölner Karneval gibt sich gerne bunt - nicht nur bei den Kostümen: In einem der zahlreichen Umzüge in der Stadt lief jetzt eine Flüchtlingsgruppe mit. Organisiert hatte das Ganze eine Nachbarschaftsinitiative. Die Aktion soll erst der Anstoß für weitere Kulturveranstaltungen mit Flüchtlingen sein.

Von Moritz Küpper

Eine grün-gelb gekleidete Karnevalsgruppe läuft auf einer Straße in einem Umzug mit, mit einem Transparent, auf dem steht: "Mer losse uns Flüchtlinge in Kölle". (Deutschlandradio/Moritz Küpper)
"Mer loss uns Flüchtlinge in Kölle" - unter diesem Motto lief eine Gruppe von Flüchtlingen in einem Kölner Karnevalszug mit. (Deutschlandradio/Moritz Küpper)
Weiterführende Information

Wirtschaftsfaktor Karneval - Mehr als ein finanzielles Bonbönchen
(Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 16.02.2015)

Flüchtlinge in Köln - Hilfsbereitschaft statt Angst
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 22.12.2014)

Köln, die Südstadt, am sogenannten Veilchendienstag, dem letzten Tag des Straßenkarnevals. Seit ein paar Minuten ist die Initiative "Willkommen in der Moselstraße" auf ihrem Aufstellplatz Nummer 14 eingetroffen. In bunten Samba-Kostümen stehen rund 50 Flüchtlinge mitten auf der Straße. Sie kommen aus Eritrea, Nigeria, Ghana, Somalia, Bangladesch. Unterschiedlichste Länder, inmitten der Kölner Südstadt. Doch diese Vielfalt ist gerade nicht zu spüren, stattdessen trommelt alles im Rhythmus.

Es ist noch über eine halbe Stunde, bis der Zug losgeht, doch daran stört sich hier keiner:

"Das dürfte die einzige Flüchtlingsgruppe in ganz Köln in einem Zoch sein", sagt Giesela Sielisch. "Also, eine bessere Integration kann es ja nicht geben in Köln, als im Karneval."

Die 71-jährige Rentnerin steht ein wenig abseits - und blickt stolz auf die Gruppe. Sie ist eine der Mit-Initiatorinnen. Auch Sielisch trägt einen dieser gelb-grün-roten Umhänge:

"Die Kostüme hat das Festkomitee des Kölner Karnevals zur Verfügung gestellt - aus dem Rosenmontagsfundus. Und die Kamelle haben die Politiker gespendet, Grüne- und SPD-Innenstadt."

"Sie sind nicht nur die Empfangenen"

Auch Denise Bodenstein beobachtet das Treiben, auch Bodenstein trägt Kostüm. Eigentlich arbeitet sie als Heilpraktikerin und Physiotherapeutin, engagiert sich aber zusammen mit Sielisch ehrenamtlich für die Initiative - und berichtet von einem Treffen im November, als die Karnevals-Idee ihren Lauf nahm. Denn zu dem wöchentlichen Essen hatten ihre Mitstreiter und sie Musikinstrumente mitgenommen:

"Und dann haben wir gemerkt, dass die plötzlich wie aufgewacht sind, vorher haben sie eher rumgesessen nach dem Essen, so schlapp. Und dann wurden sie plötzlich ganz lebendig, haben auch ihre eigenen Tänze gemacht, ihre eigene Musik. Es wurde also ein ganz toller Abend. Und dann haben wir eben gedacht, wo können wir sie am besten integrieren hier. Weil, sie sprechen ja nur ihre Landessprache. Und dann haben wir eben gedacht: Ja, Karneval ist das Medium, wo wirklich alle integriert werden."

Nun erfüllen diese PVC-Rohre mit der professionellen Bespannung eines Trommelbauers aus dem nahen Brühl ihren Dienst. Doch für Bodenstein geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um die Kamelle, die schon vorab, das eine oder andere mal fliegen:

"Dann sind sie mal in einer anderen Rolle, sie können eben auch was geben, sie sind eben nicht nur die Empfangenen."

Und endlich geht es los. "Mer losse uns Flüchtlinge in Kölle", steht in grün-orange-blauen Buchstaben auf einem weißen Stoffbanner, das vorweg geht. Die Gesichter sind geschminkt: Neben der Farben Nigerias finden sich auch schwarz-rot-goldene Streifen, eine Sonne oder der Schriftzug "1. FC Köln" wieder. Und überall ein Lächeln.

"Ja, es macht sehr viel Spaß. Karneval. Es ist das erste Mal ich mach das, Karneval, und ich feiere und es macht sehr viel Spaß."

Die Gruppe afrikanischer Flüchtlinge zieht durch die Straßen der Südstadt, werfen Kamelle im hohen Bogen in die Menge - oder laufen direkt zu den kleinen Kindern mit ihren Tüten am Straßenrand.

"Kamelle, Kamelle."
"Open that bag, open it."
"Danke, thank you."

Immer wenn der Zug kurz stehen bleiben muss - und das ist häufig der Fall - bildet sich ein kleiner Kreis: Trommeln, Pfeifen und Rasseln sorgen für einen Rhythmus, in dem getanzt wird.

Mehr Projekte für integrative Kulturarbeit

Die gute Laune der Gruppe steckt an - auch am Straßenrand:

"Ich finde das prima. Das macht den Karneval aus. Das ist bunt, das ist Vielfalt, das gehört einfach dazu. Wenn wir von Integration sprechen, dann muss da was stattfinden. Also, ich finde, das sollten sich auch alles Karnevalsvereine auf die Fahne schreiben, solche Leute in die Vereine zu integrieren oder als Gruppe mitgehen zu lassen wie hier. Prima."

"Das ist doch schön bunt. Finde ich sehr gut. So sind wir alle hierhin gekomme, oder?"

"Super, super. Jungens sind auch richtig gut, auch richtig gut drauf. Und so ist Kölle."

"Ob das jetzt Integration ist, weiß ich nicht. Aber es ist schon mal so ein Schritt was mitzutun, mitzuwirken und auch Köln noch mal kennenzulernen."

Am Wochenende durften sie schon beim Geisterzug in der Innenstadt dabei sein. Auch andere Karnevalsgruppen engagieren sich für Flüchtlinge: Die Roten Funken luden 60 Flüchtlingskinder und ihre Eltern aus Ländern wie Syrien, Albanien und Angola zu ihrer Kindersitzung.

Und wenn es nach Mit-Initiatorin Denise Bodenstein gehen soll, dann soll die Initiative am Leben bleiben, der Karneval nur Anstoß sein:

"Wir haben schon ein paar Termine im Nachbarschaftsheim festgehalten und ich möchte dann eine karibische, afrikanische Nacht, ein afrikanisches Kulturfestival organisieren, wo ich dann auch ein paar deutsche Chöre oder Gruppen integrieren möchte, sodass eine wirkliche Vermischung stattfindet, weil sonst bleiben alle Ethnien immer untereinander, sodass eine wirkliche Vermischung stattfindet, sonst bleiben alle Ethnien immer untereinander und das möchte ich vermeiden, indem ich dann eben weiter eine integrative Kulturarbeit mache mit denen."

Und spätestens dann wäre auch an Aschermittwoch - anders als im Karneval selbst - nicht alles vorbei.

 

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