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StartseiteWirtschaft und GesellschaftLufthansa-Chef fordert gleiches Recht für alle02.11.2016

Frankfurter FlughafenLufthansa-Chef fordert gleiches Recht für alle

Ryan Air will künftig auch vom Flughafen Frankfurt aus starten. Das setzt den dortigen Platzhirsch Lufthansa kräftig unter Druck. Doch Kampflos wird Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht weichen.

Von Brigitte Scholtes

Ein Flugzeug der Fluglinie Ryanair rollt am 02.11.2016 auf den Flughafen in Frankfurt am Main (Hessen) ber das Vorfeld. Im Hintergrund ist die Heckflosse einer Lufthansa-Maschine zu sehen.  (picture-alliance/ dpa/ Andreas Arnold)
Mit Ryanair muss sich Europas größte Fluggesellschaft auf neue Billigkonkurrenz an ihrem Heimatflughafen Frankfurt einrichten. (picture-alliance/ dpa/ Andreas Arnold)
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Die billigen Tarife kommen nach Frankfurt: Ein Blick auf die Buchungsseite bei Ryanair zeigt: Vom 28. März an kann man für knapp zehn Euro nach Alicante oder Palma de Mallorca fliegen – wenn man rechtzeitig sein Ticket kauft. Solche Preise werden nicht ohne Folgen bleiben bei den anderen großen Fluggesellschaften, die von Frankfurt aus starten, meint Yvonne Ziegler, Professorin für Internationales Luftverkehrsmanagement der Fachhochschule Frankfurt:

"Ich rechne damit, dass auf allen Strecken, auf denen Ryanair fliegt, die Preise nach unten gehen werden. Die sind klassisch immer deutlich unter den Preisen der Netzwerkairlines und das werden die in Frankfurt auch nicht anders halten. Von daher wird es Preisdruck auf diesen Strecken geben."

Lufthansa-Chef Spohr reagiert demonstrativ gelassen

Das weiß auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Kampflos wird er nicht weichen: Die Billigflugtochter Eurowings könne man auch von Frankfurt aus starten lassen, wenn das nötig sei, kündigte er heute an. Ansonsten reagierte er auf die Pläne Ryanairs demonstrativ gelassen. Er hofft nun auf niedrigere Gebühren am Flughafen Frankfurt, denn Ryanair-Chef Michael O'Leary hat mit Fraport einen Rabatt ausgehandelt. Wenn es diese günstigeren Konditionen gebe, müssten die für alle Fluggesellschaften gelten, mahnte etwa der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften. Für Carsten Spohr ist deshalb klar:

"Eine andere rechtliche Situation kann ich mir nicht vorstellen, und bei den Informationen, die wir haben, sparen wir bei Lufthansa, wenn wir ab nächsten Sommer dann die gleichen Kosten nur noch überweisen wie die Ryanair, jedes Jahr zwischen 200 und 300 Millionen Euro, und das ist natürlich schon eine signifikante Kostenentlastung, auf die wir lange hier gewartet haben hier in Frankfurt. Dass der Michael jetzt helfen musste, die zu erreichen, damit kann ich leben. Aber es zeigt, wie notwendig die Kostensenkungen bei Flughäfen sind."

Aber nicht nur an den Flughäfen: Sparen bleibt weiter die Devise im gesamten Konzern, auch wenn im laufenden Jahr schon nach neun Monaten der bereinigte Betriebsgewinn mit knapp 1,7 Milliarden Euro fast das Rekordniveau des gesamten Vorjahres erreicht hat. Kapazitäten und Investitionen werden angepasst, sagte Spohr:

"Im kommenden Jahr planen wir nur mit einem moderaten Wachstum, um auch hier die Erlösentwicklung weiter aktiv zu unterstützen. Die Kosten werden und sollen weiter sinken."

Eurowings-Ausbau sei richtig

Das soll auch geschehen, indem man stärker gebrauchte Flugzeuge anschafft – das gilt etwa für Eurowings. Deren Ausbau sei eine richtige Entscheidung gewesen, meint der Lufthansa-Chef. Spohr weiß jedoch um die Notwendigkeit, sich mit den Mitarbeitern im Inland zu einigen:

"Für Lufthansa, darf ich, glaube ich, ausdrücklich sagen, dass wir zur sozialpartnerschaftlichen Ausgestaltung von Arbeitsbedingungen und natürlich auch zur Tarifpartnerschaft mit unseren Gewerkschaften stehen. Aber es ist natürlich auch so, dass beide Seiten hier große Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft tragen. Deswegen kämpfen wir hier bei Lufthansa weiterhin dafür, dass Arbeitsplätze mit deutschen Sozialstandards eben nicht durch Beschäftigungsmodelle ersetzt werden, die auf eine Ausbeutung der Mitarbeiter hinauslaufen."

Damit grenzt sich Spohr zwar von den Billigfliegern wie Ryanair ab. Den Ausbau der Eurowings dürfte Lufthansa aber notfalls außerhalb der deutschen Tarifhoheit vorantreiben.

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