Mittwoch, 20.06.2018
 
StartseiteSport am Wochenende"Können nicht verlangen, jedes Konto zu prüfen"10.06.2018

Landessportverband Saarland"Können nicht verlangen, jedes Konto zu prüfen"

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue und Vorteilsgewährung gegen das Präsidium des Landessportbundes im Saarland. Pro Jahr klafft eine Millionenlücke beim LSVS. Um sie zu stopfen, soll jetzt das Personal bluten, an den Strukturen soll sich aber nichts ändern.

Von Tonia Koch

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Das Logo des Landessportverbandes für das Saarland (imago)
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Der Präsident, der CDU-Landtagsabgeordnete und Präsident des Saarländischen Landtages, Klaus Meiser, hat seine Posten aufgrund politischen und öffentlichen Drucks räumen müssen. Ein Untersuchungsausschuss ist eingerichtet, der sich mit den Vorgängen befasst.

Eine Beschäftigte des Landessportverbandes des Saarlands (LSVS) sagt: "Wir fühlen uns im Stich gelassen, wir sind am Boden, vor allem was für Jahrgänge wir haben, 55, 57 und sind dann auf der Straße, tut mir leid, ich kann nichts mehr sagen."

Schock wegen betriebsbedingter Kündigungen

Die meisten der insgesamt 180 Beschäftigten Landessportverbandes des Saarlandes hatten aus den Medien erfahren, dass es für die Hälfte von Ihnen beim LSVS nicht mehr weitergehen wird. Sie sind geschockt, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen soll. Wie es sein kann, dass der Verband auf die Hälfte seines Personals verzichten kann und die Arbeit trotzdem nicht beeinträchtigt wird.

Der Vizepräsident des Verbandes und Vorsitzende des saarländischen Fußballverbandes, Franz-Josef Schumann, antwortet mit einem hörbaren hilflosen Achselzucken. "Wir haben kontinuierlich Personal entwickelt, aber wir hatten schon in den Jahren in denen es uns sehr gut gegangen ist, offenbar viele Leute hier beschäftigt."

2,5 Millionen pro Jahr fehlen

Die Zeiten, in denen es dem LSVS gut ging, sind vorbei. Jährlich fehlen mindestens 2,5 Millionen Euro, die irgendwie eingespart werden müssen, den größten Beitrag dazu soll das Personal leisten.

Aber es könne nicht sein, dass die Spitzenfunktionäre weitgehend unbehelligt blieben und die kleinen Leute die Zeche für das Missmanagement des Präsidiums zahlen müssten, sagt die zuständige Verdi- Vertreterin Sabine Engelhardt-Cavelius: "Eigentlich wird die Treppe von oben nach unten gekehrt, aber wie wir jetzt sehen, Mensa, Reinigung, Handwerker, das sind für mich eigentlich die Indianer, die jetzt hier dran glauben müssen."

Verdi verlangt einen Sanierungstarifvertrag. Die Gewerkschaft wird die Beschäftigten morgen über das weitere Vorgehen informieren. Unterdessen sorgen sich Sportler und Trainer um den Fortbestand der Landessportschule.

"Das wäre für den Sport die größte Katastrophe"

"Über Jahre hatten wir hier perfekte und optimale Bedingungen wir haben hier Sportstätten, die suchen ihresgleichen in Deutschland. Deshalb würde ich mir wünschen, dass es so weitergehen würde",  sagt der ehemalige Handball Welt- und Europameister Christian Schwarzer. Er ist beim saarländischen Handballverband unter Vertrag und nutzt wie die übrigen Verbände auch,  das Angebot der Landessportschule. Schwarzer fürchtet, dass viele Spitzen-Sportlern dem Saarland den Rücken kehren werden, wenn nicht bald mit ihnen gesprochen wird.

Schwarzer sagt: "Die Sportler werden diese Entscheidung alleine treffen, haben sie hier weiterhin diese Bedingungen, die sie brauchen, um optimale Leistungen zu bringen oder haben sie sie nicht mehr, dann werden sie abwandern.

Und das wäre für den Sport die größte Katastrophe, wenn wir unsere Spitzenathleten hier aus dem Saarland - ob es die Badmintonspieler sind, die Leichtathleten sind, egal welche Sportart - wenn wir die die hier verlieren würden, könnte man das Ganze mehr oder weniger leider dann abschließen. "

Präsidium lehnt Verantwortung ab

Die Mitglieder des Präsidiums des LSVS weisen, wie Vizepräsident Schumann, die Verantwortung für die finanzielle Schieflage des LSVS nach wie vor weit von sich. Schumann sagt:" Sie können doch nicht von den Ehrenamtlichen verlangen, dass sie jedes einzelne Konto prüfen oder jede Ausgabe."

Laut Satzung ist aber genau das die Aufgabe des Präsidiums.

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