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StartseiteInformationen am Morgen"Erstes Universalmuseum der arabischen Welt"08.11.2017

Louvre Abu Dhabi"Erstes Universalmuseum der arabischen Welt"

Jacques Chirac vereinbarte ihn 2005 mit Scheich Zayid, jetzt ist der Louvre-Ableger im arabischen Emirat Abu Dhabi fertig. Der Frankreichs damaliger Präsident versprach den Verleih von Hunderten Werken und eine "ökonomische Entwicklung durch kulturelle Dialoge". Kritiker sahen einen "kulturellen Ausverkauf".

Von Jürgen König

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Das gewölbte Dach des Louvre Abu Dhabi. (pa/dpa/AP/Gambrell)
Das gewölbte Dach des Louvre Abu Dhabi. Hier soll eine enzyklopädische kulturgeschichliche Sammlung entstehen (pa/dpa/AP/Gambrell)
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Eine Gemeinschaftsidee soll der "Louvre Abu Dhabi" gewesen sein, 2005 formuliert von den beiden damaligen Regierungschefs, Staatspräsident Jacques Chirac und Scheich Zayid bin Sultan al Nahyan.

Abu Dhabi wollte mit spektakulären Kulturzentren Vorsorge treffen für eine Zeit nach dem Öl, auch ein "Guggenheim Abu Dhabi" wurde konzipiert, entworfen von Frank Gehry. Für Frankreich sollte es ein Geschäft werden: die "ökonomische Entwicklung durch kulturelle Dialoge" habe Jaques Chirac anstoßen wollen, erzählte später dessen Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres.

Ein Prestigedeal für beide Länder

Das Geschäft fand statt: Rund eine Milliarde Euro hat Abu Dhabi sich die französischen Dienste kosten lassen: dafür, dass der Louvre dreißig Jahre lang seinen Namen zur Verfügung stellt, Personal ausbildet, Kuratoren schult. Und auch Leihgaben sind vorgesehen. Dafür wurden dreizehn französische Museen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, darunter Institutionen wie das Centre Pompidou, das Musée d'Orsay und die Nationalbibliothek. Zusammen sollen sie jedes Jahr insgesamt 300 Werke ausleihen, auch komplette Ausstellungen werden monatelang in Abu Dhabi zu sehen sein.

Vor allem dieser Teil der neuen und so noch nie dagewesenen Kulturkooperation erregte in Frankreich schnell Argwohn, befürchtet wurde der "kulturelle Ausverkauf" des Landes. Nein, davon könne keine Rede sein, hielt der neue Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez, seit 2013 im Amt,  sofort dagegen und stellte das arabische Projekt als etwas Einzigartiges dar, sagte im Sender France Inter:

"Diese Sammlung wurde von den Kuratoren des Emirats in der ganzen Welt zusammengekauft, auf dem freien Markt, sehr diskret – als Grundstock der nationalen Sammlung Abu Dhabis und vom festen Willen getragen, damit wirklich so etwas wie die Geschichte der Menschheit zu zeigen, zu erzählen. Es ist dies das erste Universalmuseum der arabischen Welt – und das erste seiner Art überhaupt im 21. Jahrhundert." 

Eine globale Kulturgeschichte

Diese eigene Sammlung des Louvre Abu Dhabi umfasst inzwischen rund 600 Werke. Ein enzyklopädisches Museum soll es werden, das die Kunstgeschichte nicht mehr in Länder, Epochen und Stile einteilt, sondern eine einzige globale Kulturgeschichte aufbereitet – mit Exponaten aus fünftausend Jahren. Zum Universellen gehört das Religiöse – nebeneinander sollen gezeigt werden: ein Koran, eine Bibel, eine Thora – allesamt aus dem 13. Jahrhundert.

"Wir sind hier in einer besonderen Region zwischen Afrika, Asien und Europa – und es geht den Emiraten ausdrücklich darum, alle Kulturen, alle Religionen nebeneinander zu stellen, darum, zu zeigen, dass in diesem Land, auf islamischem Boden, sehr wohl auch jüdische, christliche und natürlich islamische Kunst: als gleichermaßen bedeutsam gezeigt wird: als Teil einer Weltkultur."

Ein gewichtiger Termin

Jean Nouvel hat den  "Louvre Abu Dhabi" entworfen – zusammen mit der Projektleiterin Hala Wardé. Fast 100 000 Quadratmeter groß,  steht er auf der Insel "Saadiyat", der "Insel des Glücks", vor den Toren von Abu Dhabi, umfasst 55 Gebäude, die sich aneinander lehnen wie Häuser in einer arabischen Altstadt, der Medina. Über allem ein  Stahldach von 180 Metern Durchmesser, sieben Schichten bilden ein sternförmiges Gitter, von einem "Lichtregen" sprach Jean Nouvel, "wie durch Palmenblätter" müsse "sich das Licht seinen Weg bahnen".

An der Eröffnung des "Louvre Abu Dhabi" nehmen auf französischer Seite neben Staatspräsident Emmanuel Macron  auch Kulturministerin Francoise Nyssen und Außenminister Jean-Yves Le Drian teil, der Termin hat Gewicht. Auch die "Sorbonne Abu Dhabi", ein 2006 gegründeter Ableger der berühmten Pariser Universität, steht auf dem Besuchsprogramm - Frankreich betreibt eine sehr aktive auswärtige Kulturpolitik.

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