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StartseiteMarkt und Medien"Ich bin für kein Verbrechen angeklagt"02.05.2015

Medien in Ägypten "Ich bin für kein Verbrechen angeklagt"

Ägypten ist eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit. International für Aufsehen sorgte etwa ein Prozess gegen Reporter von Al Jazeera. Viele Journalisten sitzen aber in Haft, ohne dass sie eine große Öffentlichkeit haben, etwa der Fotograf Mahmoud Abu Zeid, der auch für deutsche Medien berichtete.

Von Elisabeth Lehmann

Ägyptische Anti-Mubarak-Demonstranten in Kairo skandieren Parolen nach der Aufhebung des Gerichtsverfahres gegen den ehemaligen Präsidenten (dpa / Islam Farouk)
Wer über Proteste in Ägypten oder auch sonst kritisch über das Land berichtet, lebt gefährlich. (dpa / Islam Farouk)
Weiterführende Information

Ägyptisch-russische Kooperation - Nur nicht auf einen Partner festlegen
(Deutschlandfunk, Eine Welt, 25.04.2015)

Ägypten - 20 Jahre Haft für gestürzten Präsidenten Mursi
(Deutschlandfunk, Aktuell, 21.04.2015)

Autoren aus Ägypten und Tunesien - Realitätsdruck und literarische Freiheit
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 20.02.2015)

Ägyptische Gesellschaft - Momente der Verzweiflung
(Deutschlandfunk, Dossier, 20.02.2015)

Ägypten - Al-Jazeera-Journalisten frei - vorerst
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 14.02.2015)

"Fotografie ist meine Leidenschaft und nun zahle ich den Preis dafür mit meinem Leben. Mein Leben hat sich für immer verändert am Morgen des 14. August 2013."

An diesem Morgen geht Mahmoud Abu Zeid mit seiner Kamera auf den Rabaa-Al-Adawiya-Platz in Kairo. Der wird seit Wochen von Unterstützern der Muslimbruderschaft und des abgesetzten Präsidenten Mohammad Mursi belagert. Die Sicherheitskräfte wollen den Platz an dem Tag räumen. Abu Zeid, besser bekannt als Shawkan, will die Aktion dokumentieren und wird festgenommen. Seitdem sitzt er in Haft. Über 630 Tage schon. Seine Erzählungen stammen aus einem Brief, den sein Bruder Mohammad Abu Zeid herausgeschmuggelt hat. "Vor allem psychisch ist es sehr schwer für ihn. Wir besuchen ihn einmal die Woche. Am Anfang hat er noch viel gelacht und geredet, weil das seiner Natur entspricht. Aber in den letzten Monaten hat er aufgehört zu lachen."

Shawkan weiß nicht, was ihm vorgeworfen wird, offiziell gibt es keine Anklage, keinen Prozess. Seine Untersuchungshaft wird einfach alle 45 Tage verlängert. Shawkan sitzt in Tora im Süden Kairos. Die Haftbedingungen sind erbärmlich, wie er in seinem Brief schildert: "Tora ist wie ein Friedhof. Ich teile meine Drei-mal-vier-Meter-Zelle mit zwölf anderen politischen Häftlingen. Wir haben keinen Zugang zu Sonne oder Frischluft. Manchmal für Tage oder Wochen. Unsere Würde haben wir am Gefängnistor abgegeben. Ich bin für kein Verbrechen angeklagt. Ich wurde ohne jede Untersuchung inhaftiert. Ich bin ein Fotojournalist, kein Verbrecher."

Ägyptens Regierung sieht das anders. Für sie ist jeder, der nicht auf Staatslinie berichtet, ein Krimineller. Welche Strafe Shawkan droht, weiß niemand, sagt sein Bruder. "Ich denke, sie wollen ihm eine Lektion erteilen. Und sie wollen allen unabhängigen Journalisten und Bloggern zeigen, dass ihnen dasselbe Schicksal blüht, wenn sie frei sprechen."

"Das hat vermutlich die leichte Überreaktion verursacht"

Journalisten wie Said Wahba. Er ist Chefredakteur der Tageszeitung "El Dustour" - normalerweise bekannt für ihre Pro-Regierungslinie. Doch nun haben Wahba und seine Kollegen sich mit dem Innenministerium angelegt. "Wir haben darüber geschrieben, dass seit der Revolution sehr viele Autos gestohlen werden und die Polizei nicht dagegen vorgeht. Und darüber, dass in einigen Vierteln Drogen verkauft werden und die Polizei einige Fehler in dieser Sache gemacht hat."

Konsequenz des Berichts war: Wahba und zwei seiner Kollegen wurden festgenommen und inhaftiert. Einer sitzt nach wie vor im Gefängnis. Die Justiz wirft ihnen unter anderem Verbreitung von falschen Informationen und Beleidigung des Innenministeriums vor. "Ich habe den Ermittlern gesagt, dass ich nur von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung und Kritik Gebrauch gemacht habe. Das hat sie gegen uns aufgebracht. Wir haben unser Recht genutzt und die Polizei kritisiert. Das hat vermutlich die leichte Überreaktion verursacht."

Wahba wählt seine Worte sorgfältig, jeder falsche Satz könnte ihn wieder hinter Gitter bringen. Er habe volles Vertrauen in die Justiz, dass die Vorwürfe gegen ihn fallengelassen werden.

Davon war auch Shawkan anfangs überzeugt, erzählt sein Bruder. Nach fast zwei Jahren ohne jede Entwicklung in seinem Fall habe er die Hoffnung aber fast aufgegeben, je wieder frei zu kommen. 

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