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StartseiteWissenschaft im BrennpunktSoziales Miteinander gut für emotionale Intelligenz18.12.2016

Menschliches VerhaltenSoziales Miteinander gut für emotionale Intelligenz

Wie zuverlässig sind unsere Eindrücke und was bestimmt unsere Wahrnehmung? Unter anderem der Fakt, dass der Mensch in Sozialverbänden lebt, wie Autor Dong-Seon Chang in seinem Buch "Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf" erläutert. Chang erklärt auch, warum Asiaten für Europäer alle gleich aussehen - und umgekehrt.

Von Dagmar Röhrlich

Viele Chinesen nehmen am 25.11.2016 in einem Hörsaal der FU in Berlin an dem Deutsch-Chinesischen Universitätspräsidenten-Forum zur Exzellenzförderung teil. (dpa / Rainer Jensen)
Viele Chinesen nehmen am 25.11.2016 in einem Hörsaal der FU in Berlin an dem Deutsch-Chinesischen Universitätspräsidenten-Forum zur Exzellenzförderung teil. (dpa / Rainer Jensen)
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Solange man nicht als Einsiedler tief im Wald lebt oder alleine auf einer einsamen Insel strandet, ist man eigentlich immer von Menschen umgeben. Menschen, mit denen wir interagieren, deren Befindlichkeit wir beurteilen und über die wir unsere Schlüsse ziehen. Doch wie zuverlässig sind unsere Eindrücke und was bestimmt unsere Wahrnehmung? Dem geht Science-Slammer Dong-Seon Chang in seinem amüsanten Buch über unser dickköpfiges Gehirn nach.

Kennen Sie den Begriff EQ? Nein, diesmal geht es nicht um die emotionale Intelligenz, sondern hier steht er für den Enzephalisationsquotient. Den definiert Dong-Seon Chang so:

"Der Enzephalisationkoeffizient EQ gibt grob gesagt an, wie groß der Anteil des Gehirns ist, der sich mit dem eigentlichen Denken beschäftigen kann."

Mensch hat hohen EQ-Wert, weil er in Sozialverbänden lebt

Schließlich müsse es ständig für alle die Dinge sorgen, die notwendig sind, damit wir nicht sofort tot umfallen, wie das Atmen beispielsweise. Chang schreibt, dass - vom EQ her betrachtet - ein Pferd etwas weniger intelligent ist als eine Katze und dass das Schaf noch darunter liegt. Affen haben einen doppelt so hohen EQ-Wert wie Katzen, Delfine den fünffachen und der Mensch den siebeneinhalbfachen.

Doch wie sind wir zu unserem hohen EQ gekommen? Weil wir in Sozialverbänden leben. Große Sozialverbände sind gut für den EQ, schließlich ist das Leben mit vielen Nachbarn kompliziert. Vielleicht weil Megastädte und soziale Netzwerke ein sehr junger Trend in der Menschheitsgeschichte sind, gibt es anscheinend bei 150 Freunden oder Feinden eine Art Grenze: Jenseits dieser 150 reagiert das Gehirn überfordert. Das wirft beim Leser die Frage auf, wie hoch denn der EQ eines Herings wäre, der ja in riesigen Schwärmen lebt?

Warum Europäer für Asiaten alle gleich aussehen

Doch das hat anscheinend noch niemand untersucht. Zurück zum Buch. Dong-Seon Chang erklärt, warum Europäer für Asiaten alle gleich aussehen - und umgekehrt. Und er erzählt, dass wir im Grunde die nächste Regierungschefin im "Stile von Germany‘s-Next-Top-Kanzlerin" ermitteln könnten: Princeton-Forscher haben festgestellt, dass Wähler Politiker anhand ihrer Porträts innerhalb einer Sekunde einschätzen können. "Den Forschern gelang es sogar, auf dieser Grundlage das Wahlergebnis vorherzusagen". Was daran ist und was das für manche Wahlen der jüngsten Vergangenheit bedeutet, möge jeder selbst ergründen.

"Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf" ist amüsant geschrieben, manchmal sogar richtig witzig. Es regt zum Nachdenken an - darüber, wie leicht sich unser Gehirn täuschen lässt, und darüber, was sich aus mancher Studie über den Ach-so-klugen Menschen ablesen lässt.   

"Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf - Wie wir andere und uns selbst wahrnehmen" 
Von Dong-Seon Chang, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, 256 Seiten, 14,99 €
ISBN-13: 978-3499631351

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