Dienstag, 12.12.2017
StartseiteEuropa heutePropaganda auf Schienen16.01.2017

Serbien-Kosovo-KonfliktPropaganda auf Schienen

Ein Propagandazug hat die Spannungen zwischen der serbischen und der kosovarischen Regierung weiter angeheizt. Er sollte von Belgrad nach Mitrovica im Kosovo fahren und trug die Aufschrift "Kosovo ist Serbien“. Kosovos Präsident Hashim Thaci sprach von einer Provokation. Kurz vor der Grenze wurde der Zug gestoppt.

Von Stephan Oszvath

Ein Zug in den serbischen Nationalfarben soll von Belgrad aus in das Kosovo fahren. Er wird jedoch gestoppt. (AFP, Oliver Bunic)
Problematischer Zug: Serbien nimmt die Zugverbindung in das Kosovo wieder auf und provoziert zugleich. (AFP, Oliver Bunic)
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Am Bahnhof in Belgrad fuhr er ab. Es war eine Premiere: Erstmals nach 18 Jahren sollte wieder ein Zug Belgrad und Mitrovica im Norden des Kosovo verbinden. Diese Passagiere freuten sich schon.

"Ich habe die Reise angetreten, nur weil dieser Zug eingeführt wurde. Ich fahre nach Mitrovica und zurück." Und ein anderer meinte: "Einfach um zu sehen, dass dies ein Staat ist." Und Reisender Nummer Drei meinte, er werde unterwegs irgendwo aussteigen. Aber in den nächsten Tagen bis Mitrovica fahren.

Propagandazug mit serbischen Nationalfarben

Ein frommer Wunsch, der Zug kam gar nicht bis Mitrovica. Denn es war Propaganda auf Schienen. Die Kopfstützen waren in den serbischen Nationalfarben rot-blau-weiß geschmückt, und mit Bildern von Heiligtümern aus dem Kosovo im Innern der Waggons. Außen an den Wagen stand in 20 Sprachen: "Kosovo ist Serbien". Kosovos Präsident Thaci sah die Souveränität des Kosovo in Gefahr und befahl, den Zug zu stoppen. Der serbische Premier Aleksandar Vucic beschrieb die Lage am Samstag so.

"Sie haben Polizeieinheiten zur Grenzstation Jarinje geschickt. Das waren nur Albaner, kein Serbe. Mit Maschinenpistolen sollten sie auf den Zug warten. Zusätzlich haben sie gepanzerte Fahrzeuge der Spezialeinheit Rosu in den Norden des Kosovo geschickt. Ohne Erlaubnis der Nato oder sonst jemand. Sie wollten einen Konflikt provozieren. Damit ein größerer Konflikt beginnt – in der ganzen Region."

Regierung empfand Zug als Provokation

Die Regierung in Prishtina empfand den Zug in den serbischen Nationalfarben und mit der Aufschrift "Kosovo ist Serbien" naturgemäß als Provokation. Kosovos Präsident Thaci verwies darauf, dass seit Jahren ein Zug zwischen dem serbischen Kraljevo und Mitrovica ohne Probleme verkehrt. Der sei allerdings ohne "nationalistische Aufkleber", so Thaci. Kosovos Ministerpräsident Isa Mustafa betonte.

"Kosovo glaube fest an Frieden und Demokratie in der Region, Kosovo sei am Dialog mit den Nachbarn interessiert, die Probleme müssten im Gespräch gelöst werden. Die letzten Provokationen seien jedoch nicht akzeptabel, so der kosovarische Regierungschef."

Die ehemalige südserbische Provinz Kosovo ist seit 2008 unabhängig, wird von über 100 Staaten anerkannt, auch den meisten EU-Mitgliedern. Allerdings nicht von Serbien, das den jungen Staat Kosovo nicht anerkennt, sondern weiter als Teil Serbiens betrachtet. Darin wird es von der UN-Veto-Macht Russland unterstützt.

Zugfahrt wurde beendet

Auf Anordnung des serbischen Premiers wurde die Zugfahrt am Samstag-Nachmittag beendet. In Raska kurz vor der Grenze zum Kosovo, war die Reise vorbei. Mit patriotischen Liedern hielt eine Gesangsgruppe aus Leposavic im Norden des Kosovo die Reisenden dann bei Laune: Im Refrain heißt es: 'Kosovo, Kosovo – wir geben Dich nicht her.'

Die EU soll jetzt vermitteln. "Bewegungsfreiheit" solle das einzige Dialog-Thema mit Prishtina werden, hieß es aus Belgrad.

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