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StartseiteWirtschaft und GesellschaftKeine Quote nötig21.04.2015

Weltwirtschaftsgipfel für Frauen Keine Quote nötig

Zurzeit treffen sich Managerinnen deutscher und internationaler Unternehmen in Berlin zum Global Female Leaders-Kongress. Ihr Ziel: Das klassische, männerdominierte Bild - ob beim Weltwirtschaftsforum in Davos oder in Führungsetagen von Konzernen - zu ändern.

Von Daniela Siebert

Frauen verfolgen einen Vortrag im Rahmen des Gender-Kongresses. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Diesmal sprachen nur Frauen. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Weiterführende Information

Wenig Frauen in Führungspositionen
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 20.09.2013)

Auch Chefinnen verdienen weniger
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 04.10.2012)

Die Chefinnen-Macher
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 13.06.2005)

Weibliche Führungskräfte sind pflichtbewusste Frühaufsteherinnen. Die Konferenz begann um acht Uhr und die langen gepolsterten Stuhlreihen im Adlon waren auf Anhieb gut gefüllt, kaum Nachzüglerinnen. Und die Damen kamen sofort zur Sache: Wie können es Frauen überhaupt auf Führungspositionen in der Wirtschaft schaffen und was muss passieren, damit mehr Frauen dort landen. Eine der ersten Sprecherinnen: Özlem Denizmen, Managerin aus der Türkei. Ein Rat von ihr:

Groß denken, sowohl bei der Reichweite der eigenen Projekte als auch bei den Investitionen der eigenen Firma oder bei den persönlichen Gehaltsforderungen. Frauen seien oft zu schüchtern und bescheiden mahnt sie.

Auch die Britin Helena Morrissey machte heute früh alle Damen gleich hellwach. Sie hat das scheinbar Unmögliche geschafft: Neun Kinder, einen Posten als Geschäftsführerin einer Investmentgesellschaft, die Rentenfonds managt und dann hat sie noch die Initiative "30 Prozent Club" gegründet, die den Frauenanteil in den Kontrollgremien börsennotierter Unternehmen erhöhen will.

Ab 30 Prozent Anteil werde die Meinung von Frauen ernst genommen und nicht bloß als Minderheitenvotum gesehen glaubt Morrissey.

Heute sprechen nur Frauen

An die 200 Frauen nehmen an dieser Konferenz teil, die meisten in ihren 30ern oder 40ern und häufig betont feminin gekleidet. Deutschland ist besonders stark vertreten, aber auch Länder wie Italien, Schweiz, Polen oder Nigeria kommen vor. Die meisten Frauen stammen aus dem Bank- beziehungsweise Investmentbereich, viele auch aus Unternehmensberatungen. Erfunden hat diese Konferenz Sigrid Bauschert von der Management Circle AG, die auf die Weiterbildung von Führungskräften spezialisiert ist.

"Mein Anliegen ist es, einen Wirtschaftsgipfel für Frauen zu veranstalten, zu kreieren. Wir kennen alle das Weltwirtschaftsforum in Davos, dort sind eben die Frauen immer noch unterrepräsentiert als Women Leaders. Sie sind immer herzlich willkommen, eingeladen, oftmals als Beiwerk aber eben viel zu wenig kommen sie zu Wort."

Bei Global Female Leaders in Berlin sprachen heute dagegen nur Frauen. Teilnehmerin Viola Klein weiß das sehr zu schätzen. Sie hat auch schon an der ersten Konferenz dieser Art vor einem Jahr in Zürich teilgenommen. Sie ist Geschäftsführerin der Softwarefirma "Saxonia Systems" und sehr begeistert von dem Konzept.

Chance zum Netzwerken

"Das ist so eine spannende Veranstaltung. Es ist unglaublich und das habe ich gerade gepostet: Wie die Frauen freiwillig ihr Wissen teilen, ihre Erfahrungen, auch Gefühle zulassen, ich kriege ganz Gänsehaut, wenn ich nur dran denke, das ist einfach überwältigend."

Tracey Joubert ist aus den USA angereist. Die Finanzchefin der Großbrauerei MillerCoors will in Berlin nicht nur eigene Erfahrungen weitergeben, etwa dass Frauen risikofreudiger und hochgradig anpassungsfähig sein müssten.

"Überall auf der Welt kämpfen Frauen damit, wie man am besten Karriere und Familie unter einen Hut bekommt. Da hilft dieser Kongress, weil wir von einander lernen können, uns unterstützen und mit Führungskräften vernetzen können. Das ist wichtig."

Der Gipfel ist dezidiert als Chance zum Netzwerken gedacht. So werden heute noch hunderte Visitenkarten die Handtasche wechseln. Männer muss der Gipfel indes nicht schrecken, denn eins machen alle Damen im Adlon klar: Frauen fördern, ohne die Männer dabei ins Boot zu holen, das geht nicht. Oder wie Helena Morrissey auch formuliert: Frauen seien weder besser noch schlechter nur anders. Und die besten Teams seien die gemischten.

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