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Zitternder Mars

Rollende Steine deuten auf vulkanische und tektonische Aktivität des Planeten hin

Von Karl Urban

Vielleicht doch keine ruhige Kugel: der Mars.
Vielleicht doch keine ruhige Kugel: der Mars. (NASA)

Planetologie.- Seit längerer Zeit hält sich die These, dass der Mars über keinerlei Plattentektonik verfügt. Zudem sind seine Schildvulkane vor Hunderten Jahrmillionen erloschen. Neue Forschungsergebnisse zeigen jetzt aber, dass der Rote Planet vielleicht doch aktiver ist, als bislang geglaubt.

Der Boden zittert. Kleine Steinchen tanzen im rostroten Staub. Dann macht der Untergrund einen Satz und beginnt hinab zu gleiten, den Hang hinab in die Tiefe der Schlucht.

So oder so ähnlich könnte es passiert sein im Elysium Planetia, dem Land der Seligen auf dem Mars. Es liegt am Rande der weiten nördlichen Tiefebene, aus dem wenige uralte Schildvulkane ragen. Außerdem wird die Ebene von einigen Gräben durchschnitten, wie dem gewaltigen Cerberus Fossae. Von seinem Hang brechen regelmäßig Felsbrocken ab und rutschen dann 500 Meter in die Tiefe. Das belegen jetzt Aufnahmen aus dem Orbit: von der hochauflösenden Kamera HiRISE an Bord der US-amerikanischen Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter.

"Zum allerersten Mal ist die Auflösung einer Raumsonde so hoch, dass wir Felsbrocken auf dem Mars erkennen können. Frühere Aufnahmen von Satelliten waren dafür einfach noch nicht scharf genug. Nur aus dem Umfeld gelandeter Sonden wussten wir, dass der Mars teilweise übersäht ist von diesen Geröllen. Von ihnen hatten wir deshalb auch schon Aufnahmen, aber eben nur im Umfeld der jeweiligen Landestelle."

Gerald Roberts von der Universität London hat sich die neuen Aufnahmen der Felsbrocken nun etwas genauer angesehen. Sie scheinen über die Länge der Schlucht so verteilt zu liegen, dass sie einem bestimmten Muster folgen. An einer Stelle fand der Forscher erst viele große Gerölle. Über eine Strecke von hundert Kilometern werden sie dann immer kleiner und weniger zahlreich. Der Geologe glaubt, dass ein Erdbeben den Graben erschütterte und nahe dem Epizentrum den meisten und gröbsten Gesteinsschutt hinabschleuderte. Um diese These zu belegen, musste Roberts Team aber vorher eine andere mögliche Ursache für den Hangrutsch ausschließen: das jahreszeitliche Abschmelzen von Eis entlang des Steilhangs.

"Würde man Hunderte oder Tausende Gerölle irgendwo auf dem Mars vermessen, wären sie wohl einigermaßen zufällig verteilt. Denn der Boden taut ja eigentlich überall gleich auf. Nur unter einer Klippe, die etwas mehr Sonnenlicht abbekommen hat, würde man vielleicht ein paar Felsbrocken mehr finden. Wir waren deshalb überrascht, an einer Stelle große Brocken zu finden, die mit zunehmenden Abstand immer kleiner werden. Denn so einen Hangrutsch kennen wir sehr gut von der Erde, wo er durch Erdbeben entsteht."

Ließe sich dieser Verdacht weiter erhärten, wäre es der erste deutliche Hinweis für seismische Aktivität auf dem Mars. Was auch nicht verwundert: Bislang trug nämlich keine erfolgreich gelandete Marssonde ein Seismometer - bis auf die beiden Vikingmissionen, die sich vor über 30 Jahren an Erdbebenmessungen auf der Oberfläche versuchten. Vereitelt wurde das aber durch den Wind, der das Landegestell der Sonden zu sehr in Vibration versetzte. Und aus der Umlaufbahn zeigte sich der Mars als magmatisch erkalteter Planet. Jedenfalls bis vor kurzem.

"Dass der Mars vulkanisch tot ist, haben eigentlich alle geglaubt. Bei einem so kleinen Planeten überrascht das auch nicht, weil er deutlich schneller auskühlen konnte als die Erde. Kürzlich haben sich dann ein paar Kollegen die Infrarotaufnahmen aus dem Marsorbit nochmal angesehen. Und sie fanden gerade im Cerberus Fossae-Graben deutlich stärkere Wärmeemissionen als in der Umgebung."

Die ungewöhnlich verteilten Felsbrocken liegen also genau in dem Graben, der einen heißen Flecken auf der Marsoberfläche beherbergt. Gerade hier könnte der Untergrund auch größere Mengen flüssiges Wasser beinhalten: Auf der Suche nach Lebensspuren sicher ein lohnendes Ziel für zukünftige Marsmissionen.

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