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StartseiteKalenderblatt"Ein der Demokratie leidenschaftlich ergebener Geist"27.03.2021

150. Geburtstag von Heinrich Mann"Ein der Demokratie leidenschaftlich ergebener Geist"

Mit Romanen wie »Professor Unrat« oder »Der Untertan« avancierte Heinrich Mann zu einem der schärfsten - dezidiert linken Kritiker der Politik im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Absehbar war das nicht, als er am 27. März 1871 als Sohn eines Lübecker Kaufmanns und Senators geboren wurde.

Von Christian Linder

Der Schriftsteller Heinrich Mann, Porträtaufnahme aus dem Jahr 1931, digital koloriert| (picture alliance / akg-images)
Heinrich Mann 1931 (digital koloriert) Thomas Mann beschrieb seinen Bruder als "vornehm und einsam" (picture alliance / akg-images)
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Als "vornehm und einsam, dabei ein der Demokratie leidenschaftlich ergebener Geist, voller Schönheitsdrang und gesellschaftlicher Vision": so hat Thomas Mann seinen älteren Bruder Heinrich beschrieben.

Dessen Weltruhm kam 1930 mit "Der blaue Engel", Josef von Sternbergs Verfilmung von Heinrich Manns 1905 erschienenem Roman "Professor Unrat" mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle der kessen Varieté-Tänzerin und Sängerin Rosa Fröhlich.

Der Roman erzählt die Geschichte des Gymnasiallehrers Raat, der von den Schülern wegen seiner demütigenden, von zynischer Machtlust genährten Erziehungs- und Bestrafungs-Methoden "Professor Unrat" genannt wird. Als er vom Kontakt einiger Schüler zum "leichten" Varieté-Mädchen erfährt, sucht er sie in ihrem Etablissement auf, um ihr weiteren Umgang mit seinen Schülern zu verbieten; stattdessen verfällt er jedoch ihrer überbordenden Sinnlichkeit, seine bürgerliche Fassade bricht zusammen und am Ende steht, als völlige Auflösung seiner Person, der Tod. Die Geschichte spielt in Lübeck, der Geburtsstadt des Autors. Er wusste: "Die Werke folgen als Ergebnis des Lebens."

Außenseiter und Schulabbrecher

Das Rotlichtmilieu Lübecks kannte schon der junge Schüler aus eigener Anschauung. Geboren am 27. März 1871 als Sohn eines Kaufmanns und Senators, gab sich Luiz Heinrich Mann früh als Außenseiter, der die Schule vor Abschluss verließ, herumvagabundierte, Maler werden wollte und dann doch Schriftsteller wurde – und auch sofort auffiel durch italienisch angehauchte Novellen. Zu Heinrich Manns aufmerksamsten Beobachtern gehörte sein jüngerer Bruder Thomas, der ebenfalls zu schreiben begonnen hatte und 1906, nachdem er in die reiche Münchner Familie Pringsheim eingeheiratet hatte, in einem Brief die Unterschiede markierte:

"Du, (Heinrich), nennst mich gewiss einen feigen Bürger. Aber Du hast leicht reden. Du bist absolut. Ich dagegen habe geruht, mir eine Verfassung zu geben."

Die Schriftsteller und Brüder Thomas (l) und Heinrich Mann (r) am 13.10.1940 in New York bei der Ankunft Heinrich Manns in den USA. Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren, lebte seit 1894 in München, musste 1933 emigrieren und war bis 1938 in Kuesnacht (Schweiz). Von 1938 bis nach dem Krieg lebte Mann in den USA und kehrte 1952 wieder in die Schweiz zurück, wo er am 12. 08.1955 in Kilchberg starb. (Keystone/Thomas-Mann-Archiv/Str) +++(c) dpa - Report+++ (picture alliance / dpa / Keystone)Brüder und ewige Rivalen: Thomas (li.) und Heinrich Mann 1940 in New York. (picture alliance / dpa / Keystone)

Abrechnung mit dem deutschen Spießertum

Während Thomas Mann in seinen Romanen ästhetisch raffinierte Kunstflüge vorführte, entwickelte sich Heinrich Mann – oft auch in teilweise heftigem Streit mit seinem Bruder – zu einem der schärfsten Kritiker der politischen Zeitläufte im Kaiserreich und der folgenden Weimarer Republik. Sein 1918 erschienener, aber schon 1914 beendeter Roman "Der Untertan" las sich zum Beispiel als gegen deutsches Spießertum gerichteter Hieb, der durch alle Paraden ging. Auch in seinen Essays wurde er sehr deutlich:

"Sittliche Tatsachen beginnen stets dort, wo Ideologien sich entwerten."

Nach dieser Einsicht führte er, politisch links stehend, anti-militaristisch, sozialkritisch und entschieden humanistisch, einen publizistischen Kampf gegen die Drohung einer heraufziehenden Diktatur faschistischer Gewalt und plädierte vielmehr für eine "Diktatur der Vernunft". Vergeblich. 1933 zogen grölende Horden zur öffentlichen Bücherverbrennung auf den Berliner Opernplatz: Und "übergaben dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann …"

Das Buchcover von Heinrich Mann: "Der Untertan" und ein Portrait des Kaisers Wilhelm II. (Cover Reclam Verlag / Portrait Wilhelm II. imago/dpa) (Cover Reclam Verlag / Portrait Wilhelm II. imago/dpa)Heinrich Mann - „Der Untertan“ bleibt ein zeitloses Phänomen
Nach oben buckeln, nach unten treten: Heinrich Manns "Untertan" ist sprichwörtlich geworden. Im diesem März steht der 150. Geburtstag von Heinrich Mann an, und zu diesem Jubiläum erscheinen einige Sonderausgaben des "Untertan". Eine davon basiert auf der von Mann autorisierten Ausgabe von 1918.

Bitteres Exil in Frankreich und den USA

Um sein Leben in Sicherheit zu bringen, ging Heinrich Mann sofort ins französische Exil und schrieb einen von vielen als sein Hauptwerk angesehenen zweibändigen Roman über die Jugend sowie die Vollendung des Königs Henri Quatre. Doch dann begann, vor den in Frankreich einrückenden deutschen Truppen nach Amerika ausgewichen, seine unglücklichste Zeit.

Verkannt und verschollen kam Heinrich Mann sich vor – als habe sein Leben und Schreiben in der Öffentlichkeit keinerlei Spuren hinterlassen. So existiert tatsächlich nicht eine einzige Tonaufnahme, die den Klang seiner Stimme festgehalten hat. Das einzige Tondokument als Erinnerung an seine Schreibarbeit ist die Musik aus dem Film "Der blaue Engel". Deutschland hat er nicht mehr wiedergesehen. Aus Ost-Berlin hatte ihn zwar die Bitte erreicht, Gründungspräsident der neuen Deutschen Akademie der Künste zu werden. Er wollte das Angebot auch annehmen, die Schiffs-Tickets waren schon hinterlegt, als Heinrich Mann im März 1950 im kalifornischen Santa Monica starb. In seinem letzten, 1949 erschienenen Roman "Der Atem" lauten seine Schlussworte:

"Es war still. Die Helligkeit des Gartens war gelöscht. Die Welt schlief gelähmt wie in Nächten ihrer ausgebrochenen Katastrophen, wenn auch wir müde sind und das Wort niederlegen."

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