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StartseiteInformationen am MorgenHinaus in die Unendlichkeit19.08.2017

40 Jahre VoyagerHinaus in die Unendlichkeit

Vor 40 Jahren begann die Raumsonde Voyager 2 ihre Reise an den Rand des Sonnensystems. Später folgte das Schwesterschiff Voyager 1. Die beiden haben die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun passiert und sind längst auf dem Weg hinaus aus dem Sonnensystem. Dass sie heute noch funktionieren, war eigentlich nicht geplant.

Von Guido Meyer

Das von der NASA-Raumsonde Voyager 2 am 21.8.2001 gemachte Foto zeigt den Planeten Neptun. Deutlich zu sehen sind in der Atmosphäre aus (farblosem) Wasserstoff und Helium sowie kleinen Mengen (blauem) Methan, die hellen Flecken. (picture alliance / dpa / epa afp Nasa)
Das von der NASA-Raumsonde Voyager 2 am 21.8.2001 gemachte Foto zeigt den Planeten Neptun. (picture alliance / dpa / epa afp Nasa)
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Pasadena, Kalifornien. Hier betreibt die US-Raumfahrtbehörde NASA das JPL. Und von hier aus werden fast alle Raumsonden gesteuert, die derzeit im Sonnensystem unterwegs sind.

"Wir sind hier auf dem Hauptcampus des Jet Propulsion Laboratory. Dort drüben steht mein Auto. Von hier fahren wir jetzt zu einem Nebengebäude. Dort befindet sich das Voyager-Kontrollzentrum."

Ed Stone schaut mal kurz beim JPL in Pasadena vorbei, aber dann geht es zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz. Denn Ed Stone ist der Chef Voyager-Programms. Und für das ist hier auf dem Hauptcampus beim JPL schon lange kein Platz mehr.

"Unsere aktuellen Mars-Missionen oder die Cassini-Sonde am Saturn benötigen viel größere Mannschaften hier auf dem Boden. Uns hat man ausgelagert. Wir sind nur noch ein kleines Team. Und wir betreiben nur noch so etwas wie "Cruise Science"."

"Cruise Science” - das klingt nach Kreuzfahrt. Und das ist gar nicht mal so falsch. Das winzige Voyager-Team fungiert wie die Besatzung eines Ozeanriesen, die ihr Schiff eigentlich nur noch auf Kurs halten muss. Und selbst das funktioniert fast von selbst. Das bisschen Wissenschaft, was am Rande noch abfällt – das nennt Ed Stone "Cruise Science".

"Das Voyager-Programm ist eine dieser wunderbaren Erfahrungen im Leben, bei der Sie morgens aufwachen und es jeden Tag etwas Neues gibt. Bei einer Mission dabei zu sein, auf der wir täglich etwas dazulernen – das ist einfach einmalig."

Der Chef des Voyager-Programms, Ed Stone steht neben einem Modell der Raumsonde Voyager. (Deutschlandradio/Guido Meyer)Der Chef des Voyager-Programms, Ed Stone neben einem Modell der Raumsonde Voyager. (Deutschlandradio/Guido Meyer)

Ein Projekt für ein ganzes Leben

Die Voyager-Mission hatte ihren Höhepunkt in der Zeit, in der die beiden Raumsonden Voyager 1 und 2 an den äußeren Planeten des Sonnensystems vorbeigeflogen sind. Das war in den siebziger und achtziger Jahren. 200 Personen haben damals für das Programm gearbeitet. Doch seit 1990 gibt es für das Team nicht mehr viel zu tun. Deshalb hat die NASA es mit der Zeit mehr und mehr verkleinert: von 200 auf nur noch acht - acht Personen, die mittlerweile seit Jahrzehnten den gleichen Raumsonden hinterherblicken.

"Ein Projekt mit einer derart langen Laufzeit begleitet ganze Berufskarrieren."

Ed Stone wird im kommenden Jahr 82 Jahre alt. An mehreren Tagen in der Woche steuert er seinen schmutzig-weißen Toyota Avalon hierhin nach Altadena, einem Nebenort von Pasadena. In Pasadena ist der Hauptsitz des Jet Propulsion Laboratory. In Altadena ist – eigentlich nichts. Der Ort besteht aus nicht vielmehr als einer Hauptstraße, die direkt von Pasadena aus hierhin führt, und ein paar Hallen. Die hat das JPL für das Voyager-Programm gemietet.

Ankunft in Altadena, nach einer nur etwa fünfminütigen Fahrt herüber aus dem benachbarten Pasadena. Vom Hauptsitz zum Nebenschauplatz. Und kaum war Ed Stone ein paar Tage nicht hier, wird er nicht mehr hereingelassen und sein Ausweis von dem automatischen Lesegerät an der Schranke nicht mehr erkannt.

Das achtköpfige Voyager-Team verfügt über so etwas wie Hohheitswissen. Denn nur sie verstehen noch die Elektronik der siebziger Jahre und die Maschinensprache der Uralt-Computer. Vor den Rechnern des frühen Computerzeitalters stehen Schilder mit der Aufschrift Voyager Mission Critical Hardware – Please do not touch. Anfassen verboten. Wegschmeißen erst recht, auch wenn die alten Geräte eher nach Museumsobjekten aussehen. Bei der NASA jedoch hofft man, dass diese Raumfahrtpioniere, die noch Maschinensprache beherrschen, länger durchhalten als die Sonden.

"Nachdem ich meinen Universitätsabschluss in Mathematik und Maschinenbau hatte, bekam ich von der NASA die Möglichkeit, für das Voyager-Programm zu arbeiten. Damals standen die Vorbeiflüge an Uranus und Neptun bevor. Ich fand das großartig.

Mit 60 Jahren eine der jüngsten im Team

Suzanne Dodds Augen leuchten noch heute hinter ihrer Brille, wenn sie 40 Jahre zurückblickt, zu ihren Anfängen beim JPL. Heute geht die Wissenschaftlerin auf die 60 zu. Und damit ist sie noch eine der jüngsten im Team. Die Signale von Voyager 1 und 2 treffen immer noch einmal pro Woche auf der Erde ein, hier im alten Schuppen von Altadena. Bilder schicken die Sonden längst keine mehr – wovon auch. Aber nach wie vor registrieren sie dort draußen, am Rande des Sonnensystems, den Sonnenwind in ihrem Rücken und die interstellare Strahlung, in die sie hineinfliegen. Und auf ihren goldenen Schallplatten schaffen sich die Grüße des Planeten Erde immer noch Gehör.

Solange die Sonden arbeiten, solange denkt das "Rentnerteam" vom JPL nicht daran, wirklich in Pension zu gehen. Wie könnten die acht es auch verantworten, die beiden Sonden dort draußen, in den unendlichen Weiten des Weltraums, ihrem Schicksal zu überlassen. Es gibt immer etwas zu tun. Tag für Tag.

"Ich bin hier, jeden Tag. Und ich kümmere mich jeden Tag um Voyager. Ich würde sie gerne 50 Jahre lang fliegen sehen. So lange sollten wir durchhalten. Während der letzten Jahre werden wir wohl keine wissenschaftlichen Daten mehr bekommen. Aber ein Funksignal wird uns nach wie vor sagen, dass die Sonden am Leben sind und dass sie die goldene Schallplatte quer durch unsere Galaxie tragen. - Und dann dürfte ich wohl auch endlich in Rente gehen."

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