Kontroverse um Landesparteitag
AfD-Bundesspitze schaltet Kommission im Streit mit NRW-Landesverband ein

Im Streit mit dem nordrhein-westfälischen Landesverband verzichtet der AfD-Bundesvorstand auf drastische Schritte. Nach DPA-Informationen beschloss die Bundesspitze auf einer Schaltkonferenz lediglich die Prüfung möglicher Ordnungsmaßnahmen gegen Mitglieder des Landesverbands und die Einsetzung einer Untersuchungskommission.

    Delegierte stimmen beim Aufstellungsparteitag der AfD ab und halten Stimmkarten hoch.
    Der Landesverband der AfD in NRW ist zerstritten. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
    Hintergrund ist ein interner Machtkampf in der NRW-AfD, der sich zu einem Konflikt mit der Bundesspitze ausweitete. Der Landesverband ist seit langem in ein eher gemäßigt auftretendes Lager rund um Landeschef Vincentz und ein weiter rechts stehendes Lager um den Bundestagsabgeordneten Helferich gespalten. Eskaliert war der Konflikt am Wochenende beim Parteitag in Marl zur Wahl der Kandidaten für die nächste Landtagswahl. Das rechte Lager warf dem Vincentz-Flügel vor, nicht alle Parteiströmungen zu berücksichtigen und verließ am Freitag aus Protest den Saal. Die AfD-Bundesvorsitzenden Weidel und Chrupalla verlangten einen Abbruch des Parteitags.
    Sie befürchten offenbar den Ausschluss von der Landtagswahl nächstes Jahr. Hintergrund sind demnach "übereinstimmende Schilderungen", wonach stimmberechtigte Delegierte bedroht oder erheblich unter Druck gesetzt worden seien.

    "Operation Filibuster" in Marl

    Eine Gruppe von Delegierten hatte die "Operation Filibuster" gestartet. Als Filibuster wird eine Taktik bezeichnet, mit der durch andauernde Reden die Beschlussfassung in einem Parlament verhindert werden soll. Beim AfD-Parteitag funktionierte das so, dass für Listenplatz 22 plötzlich mehr als 90 Kandidaten nominiert wurden. Jedem von ihnen standen acht Minuten Redezeit zu, was zu Verzögerungen führte.
    Im Bundesvorstand der Partei wird nun Berichten zufolge darüber nachgedacht, Vincentz und den nordrhein-westfälischen Landesvorstand des Amtes zu entheben.
    Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder hatte die ereignisse als "zutiefst ungewöhnlich" für das Parteienwesen in Deutschland bezeichnet. Es handele sich um eine offene Feldschlacht, mit Bedrohungen und Diffamierungen, an deren Ende nur noch juristische Auswege stünden, sagte der Wissenschaftler der Universität Kassel im Deutschlandfunk . Innerhalb der AfD gebe es eine permanente Kampflage, in der keiner dem anderen etwas gönne. Das frühere Mitglied der SPD-Grundwertekommission führte aus, zusammengehalten werde die AfD derzeit vor allem durch den Außendruck, also durch die Kampagnen gegen sie.

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    Diese Nachricht wurde am 20.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.