
Wer glaubt, im Wahlkampf schon alles erlebt zu haben, dem sei geraten, nach Dessau zu schauen. Dort hat der Kabarettist Uwe Steimle im Rahmen einer AfD-Wahlkampfveranstaltung – man muss sagen: erneut – gezeigt, wie weit er sich entfernt hat, ein seriöser Künstler zu sein.
Wer ihn nicht kennt: Steimle ist ein gebürtiger Dresdner, der seit Jahren auf Abwegen ist. Gerne polarisiert er mit ostalgischen, jetzt auch mit gewalttätigen Aussagen. Die ostalgischen Stanzen: der doofe Westen, der unterdrückte Osten – geschenkt.
Dass er die DDR-Hymne gesungen hat, hat schon mehr Schlagseite. Ja, der Text durfte in der DDR ab den 1970er-Jahren nicht mehr gesungen werden, weil daran die Zeilen von „Deutschland, einig Vaterland“ auftauchten. Doch das ist gar nicht das Thema. Das Thema ist: Steimle huldigt dem SED-Regime, das Menschen an der Grenze getötet hat, nur weil sie statt in Frankfurt an der Oder in Frankfurt am Main leben wollten.
Das Unrechtsregime – ja, das ist es – hat Menschen gebrochen, sie wegen Lappalien in brutale Gefängnisse gebracht. Interessiert die AfD nicht. Ihr ist alles recht, um Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, zu diskreditieren. Die Reaktion der Menschen in Dessau, inklusive des AfD-Co-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla und Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Sigmund: süffisantes Grinsen, Schenkelklopfen.
Niederträchtig: Steimle stellt Merz in eine Reihe mit Hitler
Aber es wird noch ekelhafter. Denn in Richtung Bundeskanzler Friedrich Merz sagte Steimle, es brauche einen Stauffenberg. Gemeint ist damit der Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er hatte am 20. Juli 1944 vergeblich versucht, mit einem Bombenattentat Hitler zu ermorden. Steimle stellt Bundeskanzler Merz in eine Reihe mit Hitler. Es ist so niederträchtig, dass man sich damit eigentlich gar nicht befassen will.
Zum kürzlich fertiggestellten Porträt der Ex-Kanzlerin Angela Merkel, das jetzt im Berliner Bode-Museum zu sehen ist, später im Bundeskanzleramt hängen wird, sagte der AfD-Schoßhund Steimle in Dessau, dass das Porträt jetzt noch an der Wand hänge. Doch wenn der Nagel breche, dann, Zitat, „stellen wir sie an die Wand“.
Im Saal wird gejohlt, aber so ist der Ossi nicht
Einspruch der AfD? Keiner. Stattdessen wird im Saal gejohlt. Die Gewaltfantasien werden von der AfD unkommentiert stehen gelassen. In Dessau kümmert das auf der Veranstaltung niemanden. Aber um es deutlich zu sagen: So ist er nicht, der Ossi.
Die meisten Menschen zwischen Erzgebirge und Kap Arkona sind stabil, aufrecht, wollen ein demokratisches, pluralistisch verfasstes Deutschland. Jetzt sollten sich die Wählerinnen und Wähler, die überlegen, die AfD zu wählen, mal ganz genau anschauen, was da in Dessau passiert ist.
Denn das AfD-Spitzenpersonal hat den Mordfantasien eines Kabarettisten nicht widersprochen, sondern gelächelt und gegrinst. Ob solche Politiker unser Land anführen sollten, das ist jetzt die Denkaufgabe, der sich die Menschen, die bald wählen werden, nun dringend stellen sollten.
















