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StartseiteWirtschaftsgesprächAlstom-Konzern will Bahnsparte von Bombardier übernehmen18.02.2020

BahntechnikAlstom-Konzern will Bahnsparte von Bombardier übernehmen

Der französische Alstom-Konzern will die Bahnsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier für etwa sechs Milliarden Euro übernehmen. Der neue Riesen-Konzern käme damit auf eine erhebliche Marktkonzentrationen. So will er sich im Wettbewerb mit der großen Konkurrenz aus China besser positionieren.

Von Klemens Kindermann

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 Die neue Straßenbahn Flexity im Rahmen einer Präsentation bei Bombardier in Wien (www.picturedesk.com)
Von der Übernahme sind auch etliche Bombardier-Beschäftigte in Deutschland betroffen (www.picturedesk.com)
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Warum diese Milliarden-Übernahme und warum jetzt?

Weil Bahntechnik ein unheimlich aufwändiges Geschäft ist, wo Größe wirklich zählt. Ähnlich wie beim Flugzeugbau, wo letztlich Airbus und Boeing den Markt dominieren. Und so hat es alleine in den letzten drei Jahren Versuche der großen Bahntechnik-Hersteller gegeben zusammenzurücken. 2017 wollte Siemens seine Zugsparte mit Bombardier zusammenspannen, letztes Jahr dann der Versuch, dies mit dem französischen Alstom-Konzern zu tun – es sollte der "Airbus der Schiene" entstehen - grandios gescheitert an der EU-Kommission.

Nun also der neue Bahntechnik-Riese aus Alstom und der Zugsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier. Im Nacken sitzen den europäischen Bahntechnik-Herstellern vor allem die Chinesen. Der chinesische Staatskonzern für Bahntechnik CRRC wächst stark und es ist damit zu rechnen, dass er demnächst nach Europa expandiert.

Wird die EU-Kommission diese französisch-kanadische Fusion genehmigen?

Das ist offen. Der neue Alstom/Bombardier-Konzern käme auf erhebliche Marktkonzentrationen sowohl was Regionen betrifft wie etwa Frankreich wie auch bei den Sparten, etwa bei der Produktion für den Regionalverkehr. Nicht von ungefähr gibt es von Seiten der französischen Regierung einen gewissen Aktivismus: schon heute hat Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sich bei EU-Kommissions-Vizepräsidentin Margrethe Vestager für das Zug-Geschäft eingesetzt und nach eigenen Worten deutlich gemacht, wie wichtig europäische "Champions" seien. Ausgerechnet Vestager hatte schon die Fusion Alstom-Siemens verhindert. Das will sich Paris sicher nicht ein zweites Mal gefallen lassen.

Was bedeutet der Verkauf für die deutschen Standorte von Bombardier?

Der Verkauf hat eine sehr hohe Bedeutung für die Beschäftigten hierzulande. Von den mehr als 40.000 Bombardier-Mitarbeitern weltweit arbeiten rund 6.500 Stammbeschäftigte in Deutschland.

Hinzu kommen rund 1.100 Leiharbeiter. Die größten Standorte sind Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen.

In einem gemeinsamen Konzern Alstom/Bombardier mit dann 15 Milliarden Euro Umsatz gibt es schon erhebliche Überschneidungen bei Regionalzügen und bei Bahnen für den öffentlichen Nahverkehr. Auch die 2.600 Beschäftigten von Alstom in Deutschland werden sich jetzt Sorgen machen. Die IG Metall fordert bereits die Bundesregierung auf, sich einzuschalten.

Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge sagte gestern Abend, das Ziel sei nicht, Beschäftigung zu bedrohen. Es könne jedoch in einzelnen Fabriken zu – so wörtlich - "Anpassungen" kommen.

Was bedeutet der Zusammenschluss für die Deutsche Bahn?

Die ist auf Bombardier sowieso nicht gut zu sprechen: Ende Januar gab sie bekannt, dass sie 25 neue Intercity-Züge von Bombardier wegen technischer Mängel nicht abnehmen werde. Auch beim ICE 4 gibt es Produktionsmängel, wobei der Hersteller Siemens dabei auf Bombardier verweist. Die arbeiten an den ICE-Zügen mit. Dass diese Probleme alleine durch einen Zusammenschluss mit Alstom gelöst werden, ist zunächst mal nicht zu erwarten.

Gestern hat Bahn-Chef Richard Lutz bekanntgegeben, dass die Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehr-Tickets – Stichwort: Klimawende – eine Million mehr Passagiere im Januar gebracht habe – die sitzen jetzt zusätzlich auch in den alten Zügen, so lange die neuen fehlen.

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