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StartseiteCorsoEin Techno-Club für Kiews Nächte25.11.2019

Berghain-Architekten karhardEin Techno-Club für Kiews Nächte

Kiew ist eine kommende Club-Metropole in Europa: Das Designstudio hinter der Berliner Techno-Kathedrale Berghain hat in der ukrainischen Hauptstadt eine Brauerei zur Tanz-Location umgebaut. "Es gibt einen gemeinsamen Ehrgeiz, es mindestens genauso gut machen zu wollen", sagte Thomas Karsten im Dlf.

Thomas Karsten im Corsogespräch mit Adalbert Siniawski

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In einer Pfütze auf dem Pflaster des Platzes der Unabhängigkeit im Zentrum von Kiew in der Ukraine spiegelt sich in der Abenddämmerung der Teil eines digitalen Bildschirmes für Werbung.  (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
Kiew bei Nacht: Das Angebot an Clubs und Bars nimmt zu (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
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Die Architekten Thomas Karsten und seine Partnerin Alexandra Erhard vom Berliner Büro "studio karhard" sind die Designer der rauen Techno-Kathedrale Berghain. Und am vergangenen Wochenende haben sie einen neuen Tanztempel aus der Taufe gehoben – der Name lautet "There does not exist", das Logo ist ein mathematisches Symbol, der durchgestrichene Buchstabe "E". Dieser neue Club wurde in Kiew eröffnet, in einer ehemaligen mehr als 150 Jahre alten Brauerei.

Was wichtig ist, sehen die Besucher nicht

"Eines der herausforderndsten Projekte der letzten Jahre", sagte Thomas Karsten im Dlf. "Natürlich wegen der Tatsache, dass sich dieses Bauvorhaben im Ausland befindet. Dann ist es der Umbau einer Brauerei, die sich in einem baulich schlechten Zustand befunden hat." Es kämen also die Inbetriebnahme eines Clubs und massive Baumaßnahmen zusammen.

Designer und Innenarchitekt Thomas Karsten vom Berliner "studio karhard" steht im Treppenhaus von DLF Kultur  (Deutschlandradio/Adalbert Siniawski)Designer und Innenarchitekt Thomas Karsten vom Berliner "studio karhard" (Deutschlandradio/Adalbert Siniawski)

Beim Aufbau gab es viel zu beachten, wie Karsten sagte, etwa technische Infrastruktur, Beheizung, Belüftung, Klimatisierung. Es seien alte Mauern, aber sie sollten natürlich trotzdem vom Sound her toll klingen. "Alles Dinge, die der normale Clubbesucher nie wahrnimmt, die aber für das reibungslose Funktionieren eine große Rolle spielen." Dass das Konzept - Industriearchitektur, behutsam saniert, erhaltene Originalgegenstände, rauer Beton, Stahltreppen, eine lange Theke - austauschbar geworden sei, sieht Karsten nicht: "Die Emotionen, die die alten Gemäuer mit sich bringen, sind super geeignet, für diese Art von Clubkonzept."

Kiew bietet noch die Möglichkeiten

Idee für die Gestaltung eines Clubs bringe immer der Betreiber mit, sagte Karsten im Dlf. Das Konzept von "There does not exist" habe sich aber im Laufe der Zeit entwickeln können. "Es gibt gar nicht so viele Orte und Möglichkeiten in der Welt, wo so etwas noch entstehen kann", meinte Karsten. Der Grund dafür sei die Grentrifizierung in den Metropolen. Die attraktiven Innenstadtlagen seien in den westeuropäischen Städten teuer geworden.

Dass die Auftraggeber Druck aufbauen würden nach dem Motto, "baut uns das neue Berghain", sieht Karsten nicht. "Es gibt einen gemeinsamen Ehrgeiz, es mindestens genauso gut machen zu wollen, wie im Berghain - aber das Berghain ist mit anderen Clubs kaum zu vergleichen, weil es in einem eigenständigen sozialen Kosmos existiert."

Ein Clubdesign habe eine Halbwertszeit von etwa fünf Jahren. "Die Leute wollen unterhalten werden. Seit fünf Jahren versuchen wir, Umbauideen für das Berghain zu entwicklen - aber es fällt uns nichts ein", sagte der Designer lächelnd.

Wir haben noch länger mit Thomas Karsten gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Die Befürchtung, dass die Ukrainer nun von deutschen Architekten und ihren Ideen bevormundet würden, wehrte Karsten vom "studio karhard" im Dlf ab: "Die Kiewer bräuchten uns Berliner eigentlich nicht, um dort einen Club zu entablieren." Es sei eine sehr aufregende, urbane Stadt mit existierenden Locations für elektronische Musik und einem interessanten Stadtbild: sowjetisch geprägten Monumentalbauten, Turbokapitalismus, aber auch alter Bausubstanz mit einer sehr lebendigen Bar- und Ausgehkultur. Es habe das gleiche Potenzial wie die georgische Hauptstadt Tiflis, die zu einem Trendort geworden ist.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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