Samstag, 02. Juli 2022

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LSB-Chef: "Das werden wir als Sportvereine alleine nicht verändern können"

Geschlossene Schwimmbäder, marode Sportstätten, fehlende Bewegungsmöglichkeiten: Der Landessportbund NRW will den Sport stärker in der Politik verankern, denn immer weniger Kinder und Jugendliche erreichen ihr tägliches Bewegungspensum, sagte LSB-Vorstandsvorsitzender Christoph Niessen im Dlf.

Christoph Niessen im Gespräch mit Astrid Rawohl | 10.04.2022

An den Kleiderhaken im Flur einer Grundschule hängen Turnbeutel und Jacken der Schulkinder.
Schulsport wird oft immer nur stiefmütterlich behandelt. (dpa / picture alliance / Inderlied/Kirchner-Media)
Damit der Vereinssport auch in der nächsten nordrhein-westfälischen Landesregierung ausreichend Beachtung findet, hat der Landessportbund NRW insgesamt acht Schwerpunkte für die sportpolitische Kommunikation definiert.
Sport hat in der Vergangenheit in politischen Entscheidungen häufig nur eine Nebenrolle gespielt. Dabei sei Sport "essentiell für das Funktionieren unserer Gesellschaft", hatte Hamburgs Sportsenator Andy Grote bereits am Samstag (09.04.21) im Dlf gesagt.

Politik sieht Sport nur als Breitensport und ein wenig Leistungssport

Sport werde in der Politik viel zu oft nur als Breitensport und ein wenig Leistungssport begriffen, sagte LSB-Vorstandsvorsitzender Christoph Niessen im Dlf. Alle anderen positiven Aspekte für die Gesellschaft, wie Gesundheit, Bildung, Zusammenhalt und Demokratiestärkung werden oft ausgeblendet.

Staatssekretärin für Sport war förderlich

In Nordrhein-Westfahlen sei es dabei in den letzten fünf Jahren sehr förderlich gewesen, dass mit Andrea Milz erstmals eine Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt in die nordrhein-westfälische Staatskanzlei berufen worden war. Deswegen hat der Landessportbund NRW mit Blick auf die kommende Landtagswahl Mitte Mai jetzt mit seinen Forderungen den Vereinssport in NRW auch noch einmal positioniert.

"Jeden Tag Bewegung"

"Wir haben in der Pandemie schon vermisst, dass Sport und Bewegung wirklich stärker als Teil der Gesundheitsvorsorge mitgedacht werden", sagte Niessen. "Sport und Bewegung kann Menschen gerade in Krisenzeiten zu stabilisieren". Während der flächendeckenden Lockdowns in der Corona-Pandemie 2020 und 2021 waren viele Sportstätten, Bewegungsangebote und Sportvereine geschlossen gewesen.
Nach Niessens Angaben würde es vor allem im Bereich Gesundheit und Bildung noch arge Defizite geben. "Wir sagen, wir brauchen für Kinder und Jugendliche jeden Tag Bewegung. Jeden Tag Bewegung in der Schule, jeden Tag Bewegung in der Kita", sagte Niessen.

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Die Forderung der WHO nach 60 Minuten Bewegung für jedes Kind an jedem Tag, werde nur von jedem fünften Kind erfüllt. "Das werden wir als Sportvereine alleine nicht verändern können", sagte Niessen. Hier brauche man den engen Schulterschluss von Grundschulen, weiterführenden Schulen und Kitas.
Hier strebe man auch eine tägliche Sportstunde an. In der Vergangenheit habe man sich dazu immer sehr bedeckt gehalten. Jetzt brauche man die Sicherung des Schulsports und darüberhinaus außerunterrichtlichen Sport im Ganztag, forderte der Vorsitzende des Landessportbundes NRW.
Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V.
Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V. (Deutschlandradio/Astrid Rawohl)
Man habe 40 Prozent der Schwimmbäder verloren und viele Sportstätten seien in einen katastrophalen Zustand, sagte Niessen. Hier seinen auch die Eltern stärker gefordert, die auf die Bedeutung und Wichtigkeit von Schulsport hinweisen sollten, denn dieser sei enorm wichtig für die Entwicklung und Leistungsfähigkeit von Kindern. "Leider werden Kinder ja vielfach im Schulverlauf eher noch vom Sport weggeführt, als zu ihm hingeführt."
Man brauche in Zukunft auch mehr Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. Dies habe auch die Corona-Pandemie gezeigt.