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StartseiteCampus & KarriereSchulleiter in Baden-Württemberg fordern mehr Geld08.04.2019

Bildungsfinanzierung Schulleiter in Baden-Württemberg fordern mehr Geld

Obwohl Baden-Württemberg laut CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann "jeden fünften Euro in Bildung investiere", klagten Schulleiter bei einer Tagung der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Stuttgart über chronische Unterfinanzierung.

Von Thomas Wagner

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Schülerinnen und Schüler nehmen am 20.05.2015 in einem Klassenzimmer im Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen (Baden-Württemberg) während des Englischunterrichts der Klasse 5e an einer Gruppenarbeit teil (dpa / Marijan Murat)
Die Schulleiter in Baden-Württemberg verlangen mehr Geld für Sprachförderung, Inklusion und Demokratiebildung (dpa / Marijan Murat)
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"Also ich heiße Verena König und leite das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart Bad Cannstatt. Also mein drängendstes Problem ist in der Tat der Ethik-Unterricht. An meiner Schule werden 23 Nationen unterrichtet. Ich habe weit mehr als die 35 Prozent, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Und ich bräuchte ganz dringend die Zusage, dass ich in Klasse 6 und 5 den Ethik-Unterricht anbieten kann."

"Matthias Wagner-Uhl - ich bin Schulleiter an der Gemeinschaftsschule in Neuenstein. Also die Schulen in Baden-Württemberg sind chronisch unterfinanziert. Die Lehrerversorgung ist für uns ein ganz, ganz großes Thema. Und für den Umgang mit der Diversität an den Schulen in Baden-Württemberg braucht es mehr Personal, mehr Geld..."

...und auch mehr Zeit: "Zeit, der Faktor...Es ist Zeit für mehr Zeit, denn Zeit ist ein wesentliches Element, das über die Qualität schulischer Bildung entscheidet", so Doro Moritz, baden-württembergische Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, heute Vormittag zum Auftakt der Schulleitertagung in Stuttgart.

Geld für Demokratiebildung

Zeit ist Geld und umgekehrt. Beides fehle aber an den Schulen landauf, landab: Mehr Geld für Sprachförderung angesichts der höheren Migrationsanteile in den Schulklassen, mehr Geld für Schulen in sozialen Brennpunkten, mehr Geld für Inklusion, also die Integration von Behinderten in den Regelunterricht, und vor allem auch mehr Geld - das ist aus Sicht von Doro Moritz ganz wichtig - für zusätzliche Unterrichtseinheiten in Demokratiebildung. Dafür gebe es einen konkreten Anlass.

Doro Moritz: "Die Ankündigung eines AfD-Abgeordneten, auch in Baden-Württemberg eine Denunziationsplattform gegen Lehrkräfte zu schalten, hat bei der GEW, hat bei Kolleginnen und Kollegen, bei Demokratinnen und Demokraten, zurecht zu einem Aufschrei, zu Protesten und Gegenreaktionen geführt."

Was aber fehle, seien Gegenstrategien im Unterricht. Für Doro Moritz ist dieser Vorfall ein gutes Beispiel dafür, "...dass unser Bildungsauftrag an den Schulen weit über den Fächerkanon hinausgeht."

Auch dafür müssten die Lehrkräfte gut vorbereitet sein. Und das koste nun mal Geld. Wenn's ums Geld geht, Schule - so die Antwort von Baden-Württembergs CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann: "Baden-Württemberg investiert seit 2019 jeden fünften Euro in die Bildung in Baden-Württemberg."

Möglicherweise wird dieser Betrag noch steigen. Eisenmann stellte am Vormittag das Ergebnis einer Lehrerbedarfsanalyse für Baden-Württemberg vor, die Entwicklungen wie ansteigende Schülerzahlen und Pensionierungswellen berücksichtigt. Unterm Strich kommt eine üppig anmutende Anzahl an neuen Lehrerstellen heraus - und zwar: "...die Zahl von über 10.000 bis 2030 an Lehrerinnen- und Lehrer-Bedarf."

Einmal 430 Euro pro Schüler

Einen Plan dafür, wie diese Stellen zu finanzieren sind, gibt es deswegen noch lange nicht. Nach ihrer Lesart muten dann auch die Mittel aus dem Digitalpakt zwischen Bund und Ländern für die Digitalisierung der Schulen beim Schultern der Bildungsaufgaben insgesamt eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein an. Baden-Württemberg erhält aus den fünf Milliarden Euro, die der Bund dafür zur Verfügung stellt, 650 Millionen Euro. Klingt erst einmal nach viel. Beim genauerem Nachrechnen relativiere sich das aber, so Kultusministerin Susanne Eisenmann.

"Und es heißt, dass diese 650 Millionen Euro runter gebrochen auf Schülerinnen und Schüler einmalig 430 Euro bedeutet, einmalig. Ich muss schon einräumen, dass angesichts dessen, wie lange das angekündigt war vom Bund, über Jahre jetzt, wie konkret man diskutiert hat - Stichwort Grundgesetzänderung - da muss ich Ihnen jetzt ehrlich sagen: Für das, was jetzt rauskommt, mit einmalig 430 Euro pro Schülerin und Schüler, ist das schon ein ganz großer Hammer gewesen, den man da auf den Tisch gelegt hat, für eine, wie ich finde, relativ kleine Nuss."

Doro Moritz, die Landesvorsitzende der GEW in Baden-Württemberg, mag bei dieser Kritik eher nicht mitgehen mit der Kultusministerin: "Das sehe ich anders. Ich bin davon überzeugt, dass auch in Zukunft der Bund die Bildung in den Ländern stärker unterstützen muss. Und deshalb war diese Grundgesetzänderung in diesem Zusammenhang notwendig."

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