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StartseiteSport AktuellWo Sportvereine finanziell leiden - und wo nicht21.10.2020

Breitensport und CoronaWo Sportvereine finanziell leiden - und wo nicht

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur den Spitzensport, sondern auch den Breitensport vor Herausfordernungen. Hygienemaßnahmen und -konzepte sorgen für nicht einkalkulierte Mehrkosten, während eingeplante Einnahmen ausbleiben. Dabei stellen sich die Situationen in den Ländern unterschiedlich dar.

Von Maximilian Rieger und Lukas Thiele

Ein Schild mit der Aufschrift "Platz gespresst" steckt im Rasen eines Vereinsspielfeldes (imago images / Zink)
Der Breitensport leidet finanziell unter der Corona-Pandemie. (imago images / Zink)
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200 Millionen Euro hat der Bund als Corona-Hilfen für den Sport bereitgestellt. Dieses Geld bleibt jedoch dem Spitzensport vorbehalten. Für den Breitensport sind die jeweiligen Landessportbünde und Sportministerien zuständig. Hier hat fast jedes Land sein eigenes Hilfsprogramm für den Sport auf die Beine gestellt. Während in vielen Ländern die Hilfen nicht vollends ausgeschöpft werden, ist die Lage in Bayern "sehr ernst". Ein Überblick.

Nordrhein-Westfalen

Der Landessportbund NRW hat im Sommer eine Umfrage zu finanziellen Situation der Vereine durchgeführt. Rund 4.000 von 18.000 Vereinen meldeten sich zurück. Demnach sahen sich nur zwei Prozent der Vereine wirtschaftlich existenziell bedroht, wie der LSB NRW mitteilte. "Dabei gingen aber wohl die meisten Vereine von einem nachhaltigen Wiedereinstieg in den Sportbetrieb nach den Sommerferien aus. Sollte dieser durch die hohe momentane Dynamik wieder stark eigeschränkt werden, oder erneut zum Erliegen kommen, werden wesentlich mehr Vereine in Schwierigkeiten geraten", fügte der LSB an.

Zur Unterstützung der Vereine haben die Landesregierung und der LSB ein Hilfsprogramm in Höhe von zehn Millionen Euro gestartet. Laut Ministerium haben bisher rund 700 Vereine dieses Programm genutzt und Hilfsmittel in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro erhalten.

Thüringen

Die Situation in den thüringischen Sportvereinen sei "in der absoluten Mehrzahl stabil", wie der Landessportbund auf Anfrage mitteilte. Von einer Existenzbedrohung könne keine Rede sein. "Wir sehen derzeit keine erhebliche Gefahr für unsere Vereine, vor allem im Breitensportbereich."

Die Auswirkungen der Pandemie seien dennoch zu spüren, da die Vereine etwa ungewollt auf Rücklagen zurückgreifen müssten und mit vorher nicht einkalkulierten Kosten für Hygienekonzepte- und maßnahmen konfrontiert würden. Besonders betroffen seien große Vereine, die eine Sportstätten betreiben und Vereine, die überwiegend mit den Einnahmen großer Sportveranstaltungen kalkulieren. Sorge bereite zudem, dass manche Sponsoren ihre Engagement einschränken oder gar nicht erst aufnehmen.

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Um die Vereine vor größeren finanziellen Schäden zu bewahren, hat sich der LSB gegenüber dem Thüringer Sportministerium und der Landespolitik für Hilfsprogramme eingesetzt, die in verschiedener Form auch angelaufen seien. Laut Ministerium wurden die zur Verfügung gestellten Mittel aber nicht vollständig abgerufen. Inzwischen sei ein zweites Hilfsprogramm angelaufen, das aber nicht vom Sportministerium, sondern vom Wirtschaftsministerium und der Thüringer Aufbaubank administriert werde.

Niedersachsen

9.500 Sportvereine sind im niedersächsischen Landessportbund organisiert. Für diese Vereine hat die Landesregierung ein Hilfsprogramm in Höhe von etwa sieben Millionen Euro zur Verfügung gestellt, von denen laut Sportministerium bislang etwas weniger als zwei Millionen Euro abgerufen wurden.

"Das Antragsvolumen bei dem Sonderprogramm für Sportorganisationen lässt vermuten, dass die überwiegende Mehrzahl unserer Sportvereine die finanzielle Situation im Griff hat", teilte der LSB mit. Für eine faktenbasierte Aussage sei es aber noch zu früh. Entscheidend sei, dass der Sportbetrieb aufrecht erhalten bleibe und die Mitgliederzahlen nicht zu stark sinken.

Bayern

Der Bayrische Landessportverband (BLSV) wird auf Deutschlandfunk-Nachfrage deutlich: "Die finanzielle Lage des BLSV ist sehr ernst", heißt es. "Nach unseren Erkenntnissen werden die Mitgliederzahlen deutlich rückläufig sein, dies wird sich mit der Bestandserhebung bestätigen. Bis dahin werden schon jetzt finanzielle Schäden in Millionenhöhe deutlich." Der BLSV habe sich deshalb für alle staatlichen Hilfsprogramme auf Landes- und Bundeseben beworben. Die Entscheidungen stünden aber noch aus.

Demnach seien auch die Vereine stark von der Pandemie betroffen. Mit der Verdopplung der Vereinspauschale von 20 auf 40 Millionen Euro durch die Bayrische Staatsregierung und dem Corona-Hilfsprogramm des Wirtschaftsministeriums seien bereits erste staatliche Unterstützungsleistungen angelaufen.

Berlin

Im Berliner Landessportbund sieht die Lage besser aus. Die finanzielle Situation sei "stabil", wie der LSB mitteilte. Das liege auch daran, dass der LSB schon im April Maßnahmen wie Kurzarbeit ergriffen hat, um die Folgen die Pandemie abzufedern.

In den Vereinen sei die Situation dagegen angespannt. Von einem Rettungsschirm in Höhe von sechs Millionen Euro wurden bislang 1,7 Millionen Euro ausgezahlt. Der LSB geht aber davon aus, dass diese Summe im November und Dezember noch einmal ansteigen wird. Der LSB betont jedoch, dass diese Hilfen vor allem die kurzfristigen finanziellen Schäden ausgleichen könnten. Für mittelfristige Auswirkungen werde wahrscheinlich weitere Hilfe benötigt.

Brandenburg

"Die finanzielle Lage in den Verbänden und Vereinen ist durchaus als angespannt zu bezeichnen", teilte der Landessportbund Brandenburg mit. "In der Summe sind überall Verluste zu verzeichnen, die sich allerdings erst mit Jahresrechnung 2020 in Gänze darstellen lassen."

Dem LSB selbst geht es dagegen gut. "Die finanzielle Lage des LSB ist derzeit stabil", heißt es. Der LSB habe deshalb auch keine zusätzlichen finanziellen Hilfen beantragt. Beantragt wurden aber Soforthilfen für Vereine, die in Insolvenz gehen könnten. "Denen wurde geholfen. Bislang sind keine coronabedingten Insolvenzen bekannt."

Blick in die leere Max-Schmeling-Halle in Berlin.  (dpa / picture alliance / Engler) (dpa / picture alliance / Engler)Staatshilfen für Sportvereine noch nicht ausgeschöpftAuf eine Milliarde Euro schätzte DOSB-Präsident Alfons Hörmann den möglichen Corona-Schaden für den Sport. Erste Zahlen zeigen aber: Breitensport und Profi-Klubs beantragen weit weniger Steuergeld, als zur Verfügung steht.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein haben laut Innenministerium 216 Sportvereine und acht Sportverbände eine Forderung in Höhe von etwa 2,4 Millionen Euro erhalten. Ursprünglich seien 300 Anträge eingegangen, von denen aber wieder welche zurückgezogen wurde, weil die finanziellen Schäden geringen waren als zunächst gedacht. Die Situation ist Schleswig-Holstein ist demnach nicht sehr gravierend. Das bestätigt auch der Landessportbund: "Unsere finanzielle Lage ist nicht angespannt."

Sachsen

Ähnlich sieht es in Sachsen aus. "Bisher halten sich die Zahlen von akut in ihrer Existenz bedrohten Vereinen in Grenzen", teilte der Landessportbund auf Dlf-Nachfrage mit. Auch der LSB selber habe keine finanzielle Unterstützung beantragt.

Schwierig sei die Situation bei den Gesundheits- und Rehabilitationssportvereinen sowie im Pferdesport. Vereine in Not können eine Soforthilfe in Höhe von 10.000 Euro beim Landessportbund und dem Sächsischen Staatsministerium beantragen.

Hamburg

"Nach den Sommerferien mehren sich die Anzeichen, dass es für Vereine und Verbände schwieriger wird unter den Bedingungen der Eindämmungsverordnung kostendeckende Angebote zu machen. Erste Vereine haben bei uns ernsthafte finanzielle Probleme angezeigt", teilte der Hamburger Sportbund (HSB) mit. "Wir rechnen mit zunehmend schwierigen Bedingungen für Vereine im Herbst und im Winter."

Bislang war die Situation in Hamburg weniger angespannt. Laut Sportbehörde wurden im Frühjahr lediglich 20 Prozent der städtischen Nothilfefonds abgerufen. Das weise darauf hin, dass die Situation zwar angespannt, aber nicht existenzbedrohend sei. "Viele Vereine haben es in der Corona-Pandemie mit viel Engagement, Kreativität und Willen geschafft, die finanziellen Auswirkungen für sich möglichst gering zu halten", hieß es aus der Behörde.

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Hessen

Der Hessische Sportbund bezeichnet seine Situation als "angespannt". Der HSB habe Kurzarbeitergeld erhalten und Überbrückungshilfen beantragt. Die rund 7.600 Vereine "werden das Jahr 2020 mit großen Anstrengungen meistern", teilte der LSB mit. Er mache sich aber Sorgen um die Zukunft. "Schon heute ist klar, dass sich die Problemlage der Vereine in 2021 vergrößern wird und die Vereine auf umfangreiche Hilfen angewiesen sein werden."

Bis jetzt haben die Vereine die Hilfen des Landes aber noch lange nicht ausgeschöpft. Die Landesregierung hat zum 1. Mai ein Soforthilfeprogramm in Höhe von sieben Millionen Euro auferlegt. Bis Mitte Oktober hatten 517 Vereine einen Antrag gestellt, von denen 261 bewilligt wurde. Das Gesamtvolumen der ausgeschütteten Soforthilfen beträgt laut Ministerium etwas mehr als 1,24 Millionen Euro.

Baden-Württemberg

Mehr als zwölf Millionen Euro hat das Land Baden-Württemberg als Soforthilfeprogramm dem Sport zur Verfügung gestellt. "Die Anträge und die Rückmeldungen zeigen, dass es richtig war, umgehend zu reagieren", teilte das Sportministerium mit. Man geht aber davon aus, dass sich die Breitensportvereine mittelfristig von den Schäden der Pandemie erholen werden.

"Die große Mehrheit der Vereine kann sich bisher über Wasser halten", teilte auch der Landessportverband* mit. "Inwieweit es ein nachlaufendes Problem geben wird, können wir seriös erst mit der Mitgliederbestandsmeldung in 2021 für 2020 sagen."

Sachsen-Anhalt

Die finanzielle Lage im Kerngeschäft des LSB Sachsen-Anhalt sei "noch stabil, aber angespannt", teilte der LSB mit. Finanzielle Hilfen aus dem Sportministerium seien "unabdingbar". Wie die Situation in den Vereinen aussieht, kann der LSB pauschal nicht beantworten. "Viele Vereine versuchen sich seit Monaten mit bewussten Einschränkungen über die Corona-Krise zur retten. Je länger die Pandemie anhält, desto schwieriger wird es für viele von ihnen", heißt es.

Rheinland-Pfalz

Von 6. 000 Sportvereinen in Rheinland-Pfalz hätten rund 2,4 Prozent einen Antrag auf Soforthilfen gestellt, teilte das rheinland-pfälzische Sportministerium mit. "Daraus kann abgeleitet werden, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Sportvereine durch die Corona-Pandemie aktuell in keiner existenzbedrohenden Lage befindet." Von den 147 Anträgen der Vereine hat das Ministerium zudem 66 Anträge abgelehnt. "Grund für die Ablehnungen war überwiegend die Tatsache, dass von diesen Vereinen aktuell kein Liquiditätsengpass nachgewiesen werden konnte."

Bremen

Eine Million Euro hat das Land Bremen im Soforthilfeprogramm Sport für die Vereine zur Verfügung gestellt. Bislang wurden aber erst rund 500.000 Euro ausbezahlt, wie das Bremer Ministerium mitteilte. "Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass der gesamte Betrag bis Jahresende nicht abgerufen wird."

Der organisierte Sport stecke zwar in einer schwierigen Lage, "die Vereine sind aber in weit überwiegender Zahl so flexibel, dass sie diese Lage bislang bewältigen."

Saarland

Als einziges Bundesland hilft das Saarland ehrenamtlichen Vereinen, selbst wenn sich diese nicht in einer wirtschaftlichen Notlage befinden. 1.500 Euro bekommen Vereine, die weniger als 100 Mitglieder haben. Die Pauschalbeiträge erhöhen bis hin zu Vereinen mit mehr als 701 Mitgliedern, die 3.000 Euro erhalten können.

Für Vereine, die in einem existenzbedrohenden Zustand sind, gibt es zudem eine Liquiditäthilfe. Bis zu 10.000 Euro können Vereine über diesen Weg beantragen.

Insgesamt stehen für den Sport knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung, ungefähr drei Millionen hat das Land laut Sportministerium bisher ausgezahlt.

Mecklenburg-Vorpommern

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Corona-Soforthilfen für Sportvereine, von dort haben wir aber keine aktuellen Zahlen erhalten. Von den insgesamt 3,5 Millionen Euro hatte das Sozialministerium bis Mitte Juli circa 260.000 Euro bewilligt. Insgesamt hatten 157 Sportvereine bis dahin einen Antrag gestellt.

*Anmerkung: In einer ersten Version hieß es, dass der "Landessportbund" die Information mitgeteilt habe. In Baden-Württemberg heißt die Dachorganisation allerdings "Landessportverband".

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