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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDeutsche Wirtschaft bleibt skeptisch12.03.2019

Brexit-VerhandlungenDeutsche Wirtschaft bleibt skeptisch

Trotz neuer Zugeständnisse aus Brüssel rechnet die deutsche Wirtschaft nicht damit, dass der Brexit-Vertrag im Unterhaus eine Mehrheit bekommt. Viele Unternehmen bereiten sich auf einen harten Brexit vor, die Handelsbeziehungen mit Großbritannien sind in einigen Branchen schon jetzt belastet.

Von Brigitte Scholtes

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Lastwagen stauen sich auf der französischen Autobahn A16 in Richtung Calais kurz vor dem Ärmelkanal-Tunnel (Philippe Huguen / AFP)
Stillstand vor dem Ärmelkanal-Tunnel - und in den Brexit-Verhandlungen (Philippe Huguen / AFP)
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Die Unternehmen in Deutschland werden immer skeptischer, ob überhaupt noch ein Abkommen die Zustimmung des britischen Parlaments finden könnte. Die ist für heute unwahrscheinlich, nachdem Geoffrey Cox, der Rechtsberater der britischen Regierung, doch noch juristische Risiken in der jüngsten Vereinbarung zwischen der britischen Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht. Dabei wäre diese Vereinbarung eigentlich eine goldene Brücke für die Briten gewesen, ist zu hören - und eine Erleichterung für die deutsche Wirtschaft, meint Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken:

"Das, was wir in der letzten Zeit erlebt haben, ist schwer nachzuvollziehen. Und jeder einzelne Baustein, der jetzt dazu beiträgt, ein geordnetes Szenario zu schaffen, entweder im Sinne eines Austritts oder aber auch eines Verbleibs, hilft auch der deutschen Wirtschaft im Sinne von Klarheit und Planungssicherheit der Zukunft."

Vorbereitung auf den harten Brexit laufen

Planungssicherheit ist das große Thema für die Unternehmen. Sie haben sich vorsichtshalber auf einen Brexit Ende März eingestellt, viele von ihnen haben etwa auch die Wartung der Produktionsanlagen, die sonst eher im Sommer vorgenommen wird, auf den Monatswechsel vorgezogen. Auch eine Verschiebung des Brexit um ein oder zwei Monate würde wenig bringen, glaubt Holger Kunze, Leiter des Büros Brüssel des VDMA, des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer VDMA:

"Wenn man jetzt sagt, wir verlängern diese Verhandlungsfrist um ein, zwei Jahre möglicherweise, um sich noch neu zu sortieren, wäre das sicherlich hilfreich. Einige Monate, da haben wir persönlich Zweifel, ob das reichen wird, ausreichend sein wird, um eine Lösung zu finden, wenn sie jetzt schon nach zwei Jahren nicht gefunden wurde."

Viele Industrieverbände agieren pragmatisch und bereiten ihre Unternehmen auf einen harten Brexit vor, mit Checklisten und Hilfestellungen, sagt Ilja Nothnagel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Aber auch die Rückfragen der Unternehmen zeigten, wie sehr sie in der aktuellen Lage verunsichert seien:

"Ich habe es jetzt probiert mich vorzubereiten, aber solange ich nicht genau weiß, was ich jetzt machen muss, soll, also keine Klarheit habe, ist es für mich schwierig zu handeln, So eine Hängepartie kurz vor Toresschluss, das ist schon herausfordernd für die Unternehmen. Die probieren ihr Bestes, zumindest erstmal zu schauen, inwiefern sie betroffen wären, aber es ist ja vollkommen unklar, was sie eigentlich betrifft.

Handelsbeziehungen schon jetzt belastet

Auch die Chemieindustrie versucht das, denn die steht wegen der zum Absatz nötigen Registrierung der Chemikalien vor einer besonderen Herausforderung, erklärt Utz Tilmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI:

"In dieser sehr schwierigen Situation, in der wir uns mit dem Brexit momentan befinden, haben wir die Unternehmen bestmöglich vorbereitet, sodass die Unternehmen jetzt eigentlich mit den Vorschlägen, die wir gemacht haben, ganz gut umgehen können. Man muss abwarten, was da nachher wirklich passiert."

Und das reicht von der Frage, ob Lieferketten unterbrochen werden bis hin zur Frage möglicher Zölle. Den Schaden beziffern könne man derzeit noch nicht. Schon jetzt aber sind die Handelsbeziehungen der deutschen Wirtschaft zu Großbritannien deutlich schlechter geworden.

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