Riester-Nachfolge
Bundestag beschließt Reform der privaten Altersvorsorge

Der Bundestag hat die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Der Vorschlag für eine Nachfolge der Riester-Rente wurde mit Stimmen von Union und SPD angenommen. Die neue staatlich geförderte Rente sieht Angebote mit garantierten Auszahlungen und Modelle ohne Garantien vor, die höhere Renditen ermöglichen.

    Ein Ordner mit der Aufschrift "Rente Riester Vertrag" steht zwischen anderen Aktenordnern.
    Im Bundestag wird heute über die Reform der Riester-Rente debattiert (Archivbild). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
    Die Bundesregierung will so mehr Menschen dazu bewegen, zusätzlich fürs Alter zu sparen. Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler, Klingbeil, bezeichnete die Reform als Meilenstein. Die private Altersvorsorge werde für kleinere Einkommen attraktiver. Auch Familien würden in den Fokus genommen. Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Günzler, sagte, das neue Modell sei kostengünstig, flexibel, unbürokratischer sowie renditestärker.
    Der AfD-Abgeordnete Douglas warf der Koalition vor, den Menschen nicht die Wahrheit zu sagen. Er forderte umfassendere Finanzreformen, da die Rentenkasse leer sei. Die Grünen-Abgeordnete Schmidt bemängelte, dass Geringverdiener nicht ausreichend erreicht würden.
    Die Riester-Rente als bisherige Form der privaten Altersvorsorge war 2002 eingeführt worden. Sie steht seit Jahren in der Kritik.

    230.000 Unterschriften für Petition

    Vor der Bundestagsdebattehatteeine Online-Petition für ein kostengünstigeres Altersvorsorge-Depot deutlich an Rückhalt gewonnen. Mehr als 230.000 Menschen haben laut dem Verbraucherportal Finanztip binnen zwei Wochen eine Initiative unterzeichnet, die einen verbindlichen Kostendeckel von nur 0,5 Prozent für den geplanten Riester-Nachfolger fordert. Eine Sprecherin sagte dem Deutschlandfunk, der große Zuspruch für die Petition sei bemerkenswert und zeige, wie viele Menschen das Thema interessiere und mobilisiere. Bei einem zu hohen Kostendeckel bestehe die Gefahr, dass erneut viel Rendite nicht bei den Verbrauchern lande. Wie schon bei Riester werde es so vielfach dazu kommen, dass insbesondere weniger informierten Menschen "undurchsichtige Verträge aufgeschwatzt" würden, bei denen die tatsächlichen Kosten weit über einem Prozent liegen könnten.
    Anbieter von Investmentfonds oder anderen Finanzprodukten - meist Banken, Sparkassen und Versicherungen - nehmen Gebühren für Verwaltung und Bereitstellung. Diese Kosten können sich auf über 2 Prozent belaufen. Als besonders günstig gelten indes sogenannte ETF, die Anleger schon für unter 0,1 Prozent für ihr Depot erwerben können.

    "Chance auf einen echten Neustart der Riester-Rente"

    Der Sozialverband VdK warnte angesichts der Reformpläne, viele Menschen könnten sich eine private Vorsorge nicht leisten. Gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen sei die gesetzliche Rente oft die einzige verlässliche Absicherung im Alter. Sie müsse das Fundament der Alterssicherung bleiben.
    Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Asmussen, begrüßte die geplante Neuregelung der privaten Altersvorsorge grundsätzlich. Asmussen sagte im Deutschlandfunk, die Nachfolge der Riester-Rente sei die Chance für einen echten Neustart. Die Akzeptanz für Riester sei nicht mehr da gewesen. Kritisch äußerte sich Asmussen zu dem vorgesehenen staatlichen Standardprodukt. Hier seien noch zahlreiche Einzelheiten nicht geklärt. Zudem trete der Staat zugleich als Spieler und als Schiedsrichter auf.

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    Diese Nachricht wurde am 27.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.