Anfrage der Linkspartei
Bundeswehr besucht mehr Schulen

Bundeswehr-Vertreter haben in den ersten drei Monaten des Jahres mehr als 2.000 Schulen in Deutschland besucht. Die mit Abstand meisten Besuche gab es mit 562 an Bildungseinrichtungen in Bayern. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Die Linkspartei und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprachen von einseitigen Informationsveranstaltungen.

    Bundeswehrrekruten marschieren zum Ablegen des Gelöbnisses.
    Die Bundeswehr besucht mehr Schulen und informiert über den Wehrdienst (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)
    Bundesweit gab es im vergangenen Jahr in Flächenländern wie Bayern (1.114), Nordrhein-Westfalen (862) und Niedersachsen (844) die meisten Besuche von Bundeswehr-Vertretern an Schulen. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums gibt es zwei Formate: Informationsveranstaltungen von Jugendoffizieren und Termine von Karriereberatern. Zusätzlich fanden den Angaben zufolge zwei Termine an Hochschulen statt.
    Jugendoffiziere kommen auf Einladung von Lehrkräften an die Schulen. Ihre Angebote richten sich an Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse bis hin zur gymnasialen Oberstufe sowie an Berufsschulen und sollen einen Beitrag zur politischen Bildungsarbeit leisten. Jugendoffiziere halten beispielweise Vorträge über Sicherheitspolitik oder erläutern den Kernauftrag der Bundeswehr. Sie organisieren auch Planspiele zu internationaler Politik und Sicherheit sowie Truppenbesuche für Schulklassen. 

    Karriereberater informieren zusätzlich

    Ergänzend besteht für Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich bei Karriereberatern zu informieren. Dies umfasst unter anderem Informationsvorträge im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung, Bewerbungstrainings, Workshops sowie Angebote wie Sporttests im Sportunterricht oder Informationen zu Praktika und Schnuppercamps.

    Linke kritisiert Ausbau der Auftritte als Irrweg

    Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann von der Linkspartei kritisierte, Sachsen rangiere im Verhältnis zur Anzahl an Schülerinnen und Schülern seit Jahren auf den vorderen Plätzen. Den Ausbau der Präsenz der Bundeswehr an Schulen bezeichnete Pellmann als gefährlichen Irrweg. Wenn Soldaten im Unterricht auftreten würden, brauche es gleichberechtigt zivile Stimmen, etwa von Kriegsdienstverweigerern und Friedensinitiativen. 

    GEW fordert verschiedene Perspektiven

    Dieser Forderung schloss sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen an. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, dass Schüler verschiedene Perspektiven kennenlernten, daher müssten zivilgesellschaftliche Akteure in Schulen stärker gehört werden, forderte die stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen, Claudia Maaß.
    Das Bundesverteidigungsministerium wies die Kritik zurück. Bereits seit mehr als 60 Jahren seien Angehörige der Bundeswehr auf Einladung an Schulen tätig, teilte eine Sprecherin mit. Die Teilnahme ist für Schülerinnen und Schüler demnach stets freiwillig.
    In Deutschland steigt die Zahl der Kriegsdienstweigerer weiter an. Im ersten Quartal dieses Jahres stellten mehr als 2.600 Menschen einen entsprechenden Antrag, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben meldet. 
    Hintergrund dürften die angespannte Sicherheitslage und das Gesetz über den neuen Wehrdienst sein, das zum 1. Januar in Kraft getreten ist. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008.
    Diese Nachricht wurde am 27.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.