Donnerstag, 29. September 2022

Corona-Ausbruch im Pflegeheim
Was Schnelltests in Altenheimen leisten können

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Brandenburg sind mindestens elf Bewohner gestorben. Rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren nicht geimpft. Hochwertige Antigen-Schnelltests könnten einen guten Schutz bieten, sagte Claudia Denkinger vom Uniklinikum Heidelberg im Dlf.

Claudia Denkinger im Gespräch mit Arndt Reuning | 03.11.2021

Ein Schild mit der Aufschrift "Wir trauern um unsere verstorbenen Bewohner und Bewohnerinnen steht am Eingang des "AWO-Seniorenzentrum "Rheindorf" gGmbH".
Nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenzentrum sind mehrere Bewohner gestorben (dpa)
Nach dem verheerenden Corona-Ausbruch in dem Seniorenheim in Brandenburg plant die Landesregierung in Potsdam, für ungeimpfte Pflegekräfte eine tägliche Testpflicht einzuführen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz die Hunderter-Marke überschreitet.
Claudia Denkinger ist Privatdozentin am Universitätsklinikum Heidelberg. Sie hat Mitte August eine umfassende Bewertung dieser Antigentests veröffentlicht und hält sie für durchaus geeignet, infektiöse Personen zu identifizieren.

Antigen-Schnelltests sind verlässlich

Menschen, die viel Virus in sich tragen, könnten sehr gut mit hochwertigen Antigentests aufgegriffen werden, erklärt Denkinger. Die Qualität der Tests sei noch sehr variabel, dazu kommen noch Fehler in der Anwendung. Wenn gewährleistet sei, dass die Tests ordentlich gemacht und gute Tests verwendet würden, dann seien sie sicher und dann könne man tatsächlich einen guten Schutz erreichen, auch in Seniorenheimen.
Coronavirus
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"Zu Beginn der Infektion, wenn die Viruslast hoch ist und die meisten Übertragungen an Dritte stattfinden, schlagen die Antigentests mit einer sehr guten Genauigkeit im Bereich von 90 bis 95 Prozent an."
Diese Genauigkeit nehme dann im Verlauf der Erkrankung ein wenig ab. Im Durchschnitt erfassten die Schnelltests etwa vier aus fünf Infektionen - vor allem bei denjenigen, die hoch infektiös sind.

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Im Frühstadium der Infektion gebe es allerdings ein blindes Fenster, da sei die Viruslast aber auch noch nicht so hoch. "Sobald die Viruslast höher ist, schlagen auch die Schnelltests an. Wenn man täglich testet, wie das jetzt geplant ist, sollte dieses Fenster größtenteils abgedeckt sein."

Ideale Variante: tägliche Tests - auch für Geimpfte

Die Delta-Variante lässt allerdings die Viruslast sehr schnell sehr hoch ansteigen. "Insofern kann man sich nicht mehr auf einen Schnelltest verlassen, der am Tag zuvor gemacht wurde. Wenn aber der Test am Morgen, bevor man in die Arbeit geht, gemacht wird, dann hat man ein relativ geringes Risiko, dieses Fenster tatsächlich zu verpassen."
Tägliche Testungen sind laut Denkinger die ideale Variante - und zwar auch beim Geimpften. Denn auch diese können das Virus übertragen. "In einem Kontext, wo Hochrisiko-Personen da sind, also im Altersheim, in Krankenhäusern, macht es durchaus Sinn, alle Personen, die in Kontakt mit den Hochrisiko-Personen sind zu testen. Die Ungeimpften auf alle Fälle, aber auch die Geimpften."