Dienstag, 24. Mai 2022

Corona-Auffrischungsimpfungen
Warum die Booster-Dosis sinnvoll ist

Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit aus und beherrscht auch in Deutschland das Infektionsgeschehen. Deutschland setzt im Kampf gegen die deutlich ansteckendere Variante unter anderem auf Auffrischungsimpfungen - die sogenannte Booster-Impfung.

21.04.2022

Schild mit der Aufschrift "Booster-Impfung"
Im Kampf gegen die drohende vierte Coronavirus-Welle gilt als ein sinnvolles Mittel die Booster-Impfung (imago images/Bihlmayerfotografie)
Der Impfschutz einer Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach. Eine dritte Dosis soll dem nachlassenden Immunschutz vorbeugen, denn durch den sogenannten Booster können sich deutlich mehr Antikörper gegen das Coronavirus bilden. Inzwischen gibt es schon die vierte Impfung, also eine zweite Boosterimpfung - allerdings gilt die Empfehlung momentan nur für bestimmte Gruppen.
Wegen der Omikron-Variante ist die Frage nach der Auffrischung dringlicher geworden. Denn: Die bestehenden Covid-19-Impfstoffe schützen ersten Studiendaten zufolge deutlich weniger vor einer Infektion mit Omikron als vor der zuvor dominierenden Delta-Variante. Nach Daten von Biontech und Pfizer erhöht ein Booster die Wirksamkeit aber wieder.
Seit dem 1. Februar 2022 werden Impfzertifikate der Europäischen Union ohne Auffrischungsimpfung spätestens neun Monate nach der Grundimmunisierung ungültig.

Wer hat Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung?

Einen Anspruch auf eine Booster-Impfung hat jeder, der mindestens zwölf Jahre alt ist und seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Rechtsgrundlage ist die Corona-Impfverordnung in der geänderten Fassung von Ende August.
Dort ist in Paragraf 2 ausdrücklich festgehalten, dass der Anspruch auf eine Impfung gegen SARS-CoV-2 auch Folge- oder Auffrischungsimpfungen umfasst. Dabei müssen lediglich die von der STIKO empfohlenen Impfabstände eingehalten werden.

Für wen wird die erste Auffrischungsimpfung empfohlen?

Seit dem 13. Januar 2021 empfiehlt die STIKO die Corona-Auffrischungsimpfung für alle Personen über 12 Jahren. Zuvor hatte sie die Empfehlung für alle über 18-Jährigen ausgesprochen. Gründe für die neue Empfehlung seien die Verbreitung der Omikron-Variante und die befürchteten Konsequenzen für das Gesundheitssystem, hieß es.
Die Booster-Impfung soll mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff erfolgen. Für Personen unter 30 Jahren und Schwangere ab dem zweiten Trimenon empfiehlt die STIKO ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer, für alle weiteren Personen seien die Vakzine von Biontech und Moderna gleichermaßen geeignet.
Wegen der Omikron-Variante empfiehlt die STIKO seit dem 21. Dezember das Boostern bereits nach mindestens drei statt nach sechs Monaten. Die Empfehlung gelte für alle Erwachsene, teilte das Gremium mit. Auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA rät zu einem Abstand von drei Monaten.
Menschen, die bislang nur einmal mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, sollten vor dem Booster eine Optimierung ihrer Grundimmunisierung vornehmen und sich mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen. Das kann ab vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen. Auch hier sollte dann die dritte Impfdosis, also der eigentliche Booster, mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen - und zwar ebenfalls drei Monate nach der optimierten Grundimmunisierung.

Mehr zum Thema

Für wen wird eine zweite Booster-Impfung empfohlen?

Seit Anfang Februar 2022 spricht sich die Ständige Impfkommission (STIKO) für eine vierte Impfung für gesundheitlich besonders gefährdete Gruppen aus. Eine zweite Auffrischungsimpfung soll es für Menschen ab 70 Jahren, Menschen in Pflegeeinrichtungen, Menschen mit Immunschwäche sowie Beschäftigte in medizinischen und Pflegeeinrichtungen geben. Gesundheitsminister Karl Lauterbach brachte nun aber eine Empfehlung für Menschen schon ab 60 Jahren ins Gespräch.
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) soll die zweite Auffrischungsimpfung frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen soll die zweite Auffrischimpfung frühestens nach sechs Monaten erhalten. In begründeten Einzelfällen könne die zweite Auffrischimpfung auch bereits nach frühestens drei Monaten erwogen werden.
"Sie wird nicht generell empfohlen, weil man mittlerweile weiß, dass man mit drei Impfungen ein Maximum an Immunantwort erreicht", sagte Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV) im Deutschlandfunk-Interview.
Für wen ist sie sinnvoll?

Wie gut schützt die Auffrischungs-Impfung vor Omikron?

Mittlerweile ist auch in Deutschland die Omikron-Variante dominat und beherrscht das Infektionsgeschehen. Die Auffrischungsimpfung erhöht den Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf in Folge einer Corona-Infektion und eine mögliche Hospitalisierung gegenüber der Erst- und Zweitimpfung deutlich, wie Daten aus England Anfang 2022 zeigen. "Was richtig schützt gegen Omikron, ist eine Dreifach-Impfung", sagt der Virologe Christian Drosten. Im NDR-Podcast "Coronavirus Update" vom 4. Januar 2022 begrüßte er den starken Fokus, der auf die Booster-Impfung gelegt werde.
Zwar schützt die Auffrischungsimpfung nicht zu 100 Prozent vor eine Infektion mit der Omikron-Variante, aber der Booster schafft es, sie unwahrscheinlicher zu machen. Beide Effekte zusammen, Schutz vor Infektion und vor schwerem Verlauf, kombinieren sich beim Boostern zu einer Schutzwirkung von 90 Prozent vor einem Klinikaufenthalt. Außerdem senkt der Booster auch das Risiko, das Virus an andere weiterzugeben deutlich, wie eine dänische Haushaltsstudie zeigt. Von daher spricht sowohl individuell als auch gesellschaftlich alles für das Impfen.
Corona: Wie gut hilft Boostern gegen die Omikron-Variante?
Weil bislang ungeklärt ist, wie lange die Schutzwirkung der Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante anhält, wird von der STIKO für bestimmte Gruppen eine vierte Impfung empfohlen. In Israel wird als Reaktion auf die Ausbreitung der Omikron-Variante der zweite Booster bereits verimpft - in dem Land ist die vierte Impfung für medizinisches Personal und Menschen ab 60 Jahren empfohlen.
Eine mögliche vierte Impfung könnte auch mit einem an Omikron angepassten Impfstoff erfolgen. Die Hersteller Biontech/Pfizer sowie Moderna arbeiten nach eigenen Angaben daran.
Impdosen mit unbestimmten Impfstoff stehen auf einem Globus

Welche Kritik gibt es an Booster-Impfkampagnen?

80 meist reiche Länder impfen ihre Bevölkerung zum dritten Mal, um die Wirkung wieder aufzufrischen. Dazu gehören fast alle europäischen Länder, Nordamerika und die Golfstaaten. Eine Reihe von Ländern beschleunigt sogar ihre Booster-Impfkampagne: Deutschland hat mit einer Impfkampagne bis Ende des vergangenen Jahres 30 Millionen Corona-Impfdosen verabreicht, darunter auch Auffrischungs-Impfungen. Bis Ende Januar wurde das Ziel ausgegeben, weitere 30 Millionen Impfungen zu organisieren. In Großbritannien sollen nach dem Willen von Premierminister Boris Johnson bis Ende Januar alle Erwachsenen eine dritte Dosis erhalten. In den USA haben Biontech und Pfizer die Zulassung einer Booster-Impfung für Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren beantragt.
Reiche Länder sind mit ihren Auffrischimpfungen für alle nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich für eine Verlängerung der Corona-Pandemie verantwortlich. Wären die dafür verwendeten Impfdosen an Gesundheitspersonal und gefährdete Menschen in ärmeren Ländern gegangen, hätten nach Angaben der WHO schon im September 40 Prozent der Menschen in allen Ländern geimpft werden können, heißt es.
Die WHO geht davon aus, dass bei einer globalen Impfrate von 40 Prozent in jedem Land die akute Phase der Pandemie beendet wäre. Stattdessen verpassten mehr als die Hälfte der WHO-Mitglieder das 40-Prozent-Ziel auch bis Ende des Jahres. "Flächendeckende Auffrischungsprogramme werden die Pandemie wahrscheinlich verlängern, anstatt sie zu beenden", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am 22.12.2021 in Genf.
Das liege daran, dass Impfdosen in Länder geliefert würden, die bereits eine hohe Durchimpfungsrate haben. Diese Impfdosen fehlten in ärmeren Ländern. Das gebe dem Virus die Gelegenheit, sich in unterversorgten Gegenden auszubreiten und dort neue Varianten zu bilden.
Auch der unabhängige Impfrat Sage, der die WHO berät, sprach sich am 22.12.2021 klar gegen allgemeine Booster-Impfprogramme aus, wie sie in Deutschland, Großbritannien, den USA und anderen reichen Ländern aufgelegt worden sind. "In Anbetracht der anhaltenden Unsicherheit über eine globale Impfstoffversorgung und Chancengleichheit müssen die Entscheidungen einzelner Länder über Auffrischungsprogramme den Nutzen für die öffentliche Gesundheit der eigenen Bevölkerung mit der Unterstützung einer weltweiten Chancengleichheit beim Impfstoffzugang abwägen", heißt es in den neuen Sage-Empfehlungen. Dies sei notwendig, um die Virusentwicklung und die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.

Was sind Kombi-Booster und Universal-Impfstoffe?

Der US-Impfstoffhersteller Moderna hat Ergebnisse zu einem Kombi-Booster veröffentlicht: ein Booster-Impfstoff, der vor zwei verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten schützen soll: vor Beta und vor dem ursprünglichen Wildtyp.
Dieser Booster scheint nach ersten Erkenntnissen zufolge auch besser gegen Omikron zu wirken als der Booster mit der bisherigen Moderna-Vakzine. Solche Kombi-Impfstoffe könnten hilfreich sein, um Menschen besser vor zukünftigen Varianten zu schützen, sagte Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. im Deutschlandfunk.
Die Erklärung: „Wenn ähnliche, aber doch unterschiedliche Antigene dem Immunsystem angeboten werden, so wird auch die Immunreaktion, die so zustande kommt, ein bisschen breiter.“
Ein Universal-Impfstoff, der vor weiteren Varianten von SARS-CoV-2 schützt, hält Hömke ebenfalls für denkbar. „Es gibt etliche Projekte in der Welt, bei denen man auch andere Teile des Erregers in den Impfstoff mit einarbeitet, damit die Immunreaktion sich nicht nur am Spike-Protein abarbeitet, sondern auch an anderen Proteinen aus dem Virus.“

Allerdings sei von diesen Projekten noch keines so weit fortgeschritten, dass daraus bereits für den Herbst ein fertiger Impfstoff hervorgehen könne, so Hömke.
Das Besondere dieser Projekte ist u.a. der Ansatz, dass darin Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Corona-Viren (z.B. SARS, SARS-CoV-2 oder MERS-CoV) ermittelt und schließlich in einen Impfstoff integriert werden. Hömke: „Das könnte, wenn es gelingt, dazu führen, dass die Immunreaktionen, die damit stimuliert werden, mit der ganzen Vielfalt von Corona-Viren zurecht kommen.“
(Quellen: Volkart Wildermuth, Christina Sartori, "New England Journal of Medicine", Arndt Reuning, Rolf Hömke, dpa, AP, pto, cp).