Corona-AuffrischungsimpfungenWarum die Booster-Dosis sinnvoll ist

Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit aus und könnte auch bald in Deutschland das Infektionsgeschehen beherrschen. Deutschland setzt im Kampf gegen die deutlich ansteckendere Variante unter anderem auf Auffrischungsimpfungen - die sogenannte Booster-Impfung.

13.01.2022

Schild mit der Aufschrift "Booster-Impfung"
Im Kampf gegen die drohende vierte Coronavirus-Welle gilt als ein sinnvolles Mittel die Booster-Impfung (imago images/Bihlmayerfotografie)
Der Impfschutz einer Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach. Eine dritte Dosis soll dem nachlassenden Immunschutz vorbeugen, denn durch den sogenannten Booster können sich deutlich mehr Antikörper gegen das Coronavirus bilden.
Vor dem Hintergrund der neuen Omikron-Variante, die sich rasant ausbreitet, wird die Frage nach der Auffrischung dringlicher. Denn: Die bestehenden Covid-19-Impfstoffe schützen ersten Studiendaten zufolge deutlich weniger vor einer Infektion mit Omikron als vor der bislang dominierenden Delta-Variante. Nach Daten von Biontech und Pfizer erhöht ein Booster die Wirksamkeit aber wieder.
Die Impfzertifikate der Europäischen Union sind daher ohne Auffrischungsimpfung künftig spätestens neun Monate nach der Grundimmunisierung ungültig. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, tritt die Regelung am 1. Februar in Kraft.

Wer hat Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung?

Einen Anspruch auf eine Booster-Impfung hat jeder, der mindestens zwölf Jahre alt ist und seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Rechtsgrundlage ist die Corona-Impfverordnung in der geänderten Fassung von Ende August.
Dort ist in Paragraf 2 ausdrücklich festgehalten, dass der Anspruch auf eine Impfung gegen SARS-CoV-2 auch Folge- oder Auffrischungsimpfungen umfasst. Dabei müssen lediglich die von der STIKO empfohlenen Impfabstände eingehalten werden.

Für wen wird die Auffrischungsimpfung empfohlen?

Seit dem 13. Januar 2021empfiehlt die STIKO die Corona-Auffrischungsimpfung für alle Personen über 12 Jahren. Zuvor hatte sie die Empfehlung für alle über 18-Jährigen ausgesprochen. Gründe für die neue Empfehlung seien die Verbreitung der Omikron-Variante und die befürchteten Konsequenzen für das Gesundheitssystem, hieß es.
Die Booster-Impfung soll mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff erfolgen. Für Personen unter 30 Jahren und Schwangere ab dem zweiten Trimenon empfiehlt die STIKO ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer zu spritzen, für alle weiteren Personen seien die Vakzine von Biontech und Moderna gleichermaßen geeignet.
Wegen der Omikron-Variante empfiehlt die STIKO seit dem 21. Dezember das Boostern bereits nach mindestens drei statt nach sechs Monaten. Die Empfehlung gelte für alle Erwachsene, teilte das Gremium mit. Auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA rät zu einem Abstand von drei Monaten.
Menschen, die bislang nur einmal mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, sollten vor dem Booster eine Optimierung ihrer Grundimmunisierung vornehmen und sich mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen. Das kann ab vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen. Auch hier sollte dann die dritte Impfdosis, also der eigentliche Booster, mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen - und zwar ebenfalls drei Monate nach der optimierten Grundimmunisierung.

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Wie gut schützt die Auffrischungs-Impfung vor Omikron?

Mittlerweile ist auch in Deutschland die Omikron-Variante dominat und beherrscht das Infektionsgeschehen. Die Auffrischungsimpfung erhöht den Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf in Folge einer Corona-Infektion und eine mögliche Hospitalisierung gegenüber der Erst- und Zweitimpfung deutlich, wie Daten aus England Anfang 2022 zeigen. "Was richtig schützt gegen Omikron, ist eine Dreifach-Impfung", sagt der Virologe Christian Drosten. Im NDR-Podcast "Coronavirus Update" vom 4. Januar 2022 begrüßte er den starken Fokus, der auf die Booster-Impfung gelegt werde.
Zwar schützt die Auffrischungsimpfung nicht zu 100 Prozent vor eine Infektion mit der Omikron-Variante, aber der Booster schafft es, sie unwahrscheinlicher zu machen. Beide Effekte zusammen, Schutz vor Infektion und vor schwerem Verlauf, kombinieren sich beim Boostern zu einer Schutzwirkung von 90 Prozent vor einem Klinikaufenthalt. Außerdem senkt der Booster auch das Risiko, das Virus an andere weiterzugeben deutlich, wie eine dänische Haushaltsstudie zeigt. Von daher spricht sowohl individuell als auch gesellschaftlich alles für das Impfen.
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Weil bislang ungeklärt ist, wie lange die Schutzwirkung der Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante anhält, ist auch ein zweiter Booster, also eine vierte Impfung, möglicherweise sinnvoll. In Israel wird als Reaktion auf die Ausbreitung der Omikron-Variante der zweite Booster bereits verimpft - in dem Land ist die vierte Impfung für medizinisches Personal und Menschen ab 60 Jahren empfohlen. In Deutschland liegt bislang keine keine STIKO-Empfehlung für einen zweiten Booster vor.
Eine mögliche vierte Impfung könnte auch mit einem an Omikron angepassten Impfstoff erfolgen. Verfügbar soll dieser frühestens im Februar oder März sein. Die Europäische Union hat am 17.12.2021 bereits 180 Millionen angepasste Impfdosen bei Biontech/Pfizer bestellt.
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Welche Kritik gibt es an Booster-Impfkampagnen?

80 meist reiche Länder impfen ihre Bevölkerung zum dritten Mal, um die Wirkung wieder aufzufrischen. Dazu gehören fast alle europäischen Länder, Nordamerika und die Golfstaaten. Eine Reihe von Ländern beschleunigt sogar ihre Booster-Impfkampagne: Deutschland hat mit einer Impfkampagne bis Ende des vergangenen Jahres 30 Millionen Corona-Impfdosen verabreicht, darunter auch Auffrischungs-Impfungen. Bis Ende Januar wurde das Ziel ausgegeben, weitere 30 Millionen Impfungen zu organisieren. In Großbritannien sollen nach dem Willen von Premierminister Boris Johnson bis Ende Januar alle Erwachsenen eine dritte Dosis erhalten. In den USA haben Biontech und Pfizer die Zulassung einer Booster-Impfung für Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren beantragt.
Reiche Länder sind mit ihren Auffrischimpfungen für alle nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich für eine Verlängerung der Corona-Pandemie verantwortlich. Wären die dafür verwendeten Impfdosen an Gesundheitspersonal und gefährdete Menschen in ärmeren Ländern gegangen, hätten nach Angaben der WHO schon im September 40 Prozent der Menschen in allen Ländern geimpft werden können, heißt es.
Die WHO geht davon aus, dass bei einer globalen Impfrate von 40 Prozent in jedem Land die akute Phase der Pandemie beendet wäre. Stattdessen verpassten mehr als die Hälfte der WHO-Mitglieder das 40-Prozent-Ziel auch bis Ende des Jahres. "Flächendeckende Auffrischungsprogramme werden die Pandemie wahrscheinlich verlängern, anstatt sie zu beenden", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am 22.12.2021 in Genf.
Das liege daran, dass Impfdosen in Länder geliefert würden, die bereits eine hohe Durchimpfungsrate haben. Diese Impfdosen fehlten in ärmeren Ländern. Das gebe dem Virus die Gelegenheit, sich in unterversorgten Gegenden auszubreiten und dort neue Varianten zu bilden.
Auch der unabhängige Impfrat Sage, der die WHO berät, sprach sich am 22.12.2021 klar gegen allgemeine Booster-Impfprogramme aus, wie sie in Deutschland, Großbritannien, den USA und anderen reichen Ländern aufgelegt worden sind. "In Anbetracht der anhaltenden Unsicherheit über eine globale Impfstoffversorgung und Chancengleichheit müssen die Entscheidungen einzelner Länder über Auffrischungsprogramme den Nutzen für die öffentliche Gesundheit der eigenen Bevölkerung mit der Unterstützung einer weltweiten Chancengleichheit beim Impfstoffzugang abwägen", heißt es in den neuen Sage-Empfehlungen. Dies sei notwendig, um die Virusentwicklung und die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.
(Quellen: Volkart Wildermuth, Christina Sartori, "New England Journal of Medicine", Arndt Reuning, dpa, AP, pto, cp).