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StartseiteKultur heuteTheater öffnen wieder, aber die Angst bleibt09.05.2020

Corona-Lockerungen in HessenTheater öffnen wieder, aber die Angst bleibt

Theaterhäuser in Hessen dürfen wieder öffnen, wenn die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden. Doch während die einen voller Elan ans Werk gehen und gezielt Stücke auswählen, die den Vorgaben gerecht werden, kämpft vor allem die freie Theaterszene weiter um ihre Existenz.

Von Ludger Fittkau

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Die Oper Frankfurt - das Musiktheater der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz. (Reiner Zensen / imago-images)
Wie soll ein Chor mit Abstandsregelung auftreten? Die Corona-Lockerungen erfordern viel Kreativität. (Reiner Zensen / imago-images)
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"Sie haben gewählt: Acht: Rache. Reboot System. Orestie – mal ganz dumm gesagt: Die Geburt der Demokratie."

Ausschnitt aus dem Videotrailer, den das Schauspielhaus Frankfurt am Main zur aktuellen Inszenierung der "Orestie" von Aischylos produziert hat. Die Orestie in der Bühnenfassung von Jan-Christoph Gockel, Marion Tiedtke und dem Frankfurter Schauspiel-Ensemble wird nicht mehr vor der Sommerpause gespielt werden. Obwohl die Theater in Hessen nun wieder öffnen dürfen, wenn die Corona-Abstandsregeln gewahrt werden.  Doch die Inszenierungen des derzeitigen Repertoires des Schauspiels Frankfurt am Main passen nicht zu den Corona-Abstandsgeboten, so das Theater.  Weder der Chor in "Orestie" noch die Begegnung von Jedermann mit dem Tod in "jedermann stirbt". Viele Szenen bräuchten Nähe und Intimität. Sandra Strahonja, Sprecherin des Schauspiels in Frankfurt am Main:

"Wir müssen ja 1,5 Meter Abstand halten und mit Maske agieren und das schaffen wir mit den Repertoire-Stücken nicht. Deswegen wird es im großen Haus jetzt erst einmal keine Inszenierungen geben. Wir sind aber gerade dabei zu prüfen, ob wir kleinere Formate in den Kammerspielen zeigen können."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

"Natürlich wollen wir wieder spielen"

Der Kasseler Staatstheater Intendant Thomas Bockelmann geht einen anderen Weg – er lässt Stücke für die Corona-Spielbedingungen umschreiben. Die Entscheidung der Landesregierung, sein Drei-Sparten-Haus schnell wieder öffnen zu können, habe bei ihm einen Adrenalinschub ausgelöst:

"Also es ist auf jeden Fall mal sportlich von Herrn Bouffier an einem Donnerstag um 18.15 Uhr zu sagen: Ab Samstag dürfen die Theater wieder spielen. Ja, da war auch das zuständige Ministerium etwas überrascht, zumindest die Sachbearbeiter. Natürlich wollen wir wieder spielen! Also wir haben uns jetzt entschlossen, dass wir am Sonntag den 24. Mai voraussichtlich um 18 Uhr 'Candide' in der Oper spielen von Leonard Bernstein. Weil das auch ein Stück ist, indem nur 13 Musiker mitspielen. Ja, die kann man so unterbringen, dass das Abstandsgebot gewahrt ist. Für den Chor müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Das wird nicht gehen."

Karsten Wiegand und Uwe Eric Laufenberg, die Intendanten der Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden, planen nun Stücke, Konzerte und Aktionen, die für die Corona-Bedingungen in den kommenden Wochen geeignet sind:

Wiegand: "Wir werden eine Form finden, wie wir nicht ein Sinfoniekonzert spielen, aber wie wir für einen geplanten Besuch eines Sinfoniekonzertes über einen ganzen Tag kürzere, kammermusikartige Formen zeigen können, ohne Pause, die wir vielleicht dreimal an einem Tag zeigen können oder viermal an einem Tag. Auch wenn es immer Hunderte Menschen sind, können wir dann 400 Menschen einen klassischen Musikgenuss ermöglichen und gemeinsam das wieder erleben und feiern, was das sein könnte."

Laufenberg: "Außerdem habe ich mir überlegt, dass ich eine Beckett-Trilogie mache. 'Glückliche Tage', 'Warten auf Godot' und 'Endspiel'. Das sind drei Stücke, die Sie sozusagen mit 'social distance' machen können. Der Beckett hat ja in die Stücke reingeschrieben, dass sie anderthalb Meter Abstand halten. Die Stücke haben jetzt durch die Krise eine grimmig-humorvolle Aktualität."

Innenansicht aus der Jahrhunderthalle in Bochum. Das denkmalgeschützte Bauwerk ist aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg ist eines der Hauptspielorte der Ruhrtriennale. (imago stock&people)Innenansicht aus der Jahrhunderthalle in Bochum. Das denkmalgeschützte Bauwerk ist aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg ist eines der Hauptspielorte der Ruhrtriennale. (imago stock&people)

Theater und die Coronakrise - Öffnung der Bühnen
Nicht jede Theateraufführung ist eine Großveranstaltung. Darum drängen viele Theater und Festspielorte jetzt darauf, schon früher als Ende August vor Publikum auftreten zu dürfen. Außerdem haben die Theaterleute viele kreative Ideen, wie das auch in Coronazeiten sicher gelingen könnte.

Freie Theaterszene rechnet weiter mit finanziellen Verlusten

Die freie Theaterszene in Hessen sieht die jetzigen Regelungen für die Öffnungen der Bühnen skeptischer als die Stadt- und Staatstheater. Da die Theatersäle ohnehin oft auch regulär nur 100 oder 120 Plätze haben, bleiben unter Corona-Bedingungen vielleicht noch 30 übrig. Thomas Best vom Kinder- und Jugendtheater "Die Stromer" in Darmstadt:

"Und wenn Sie jetzt eine Theatervorstellung machen für 30 Personen, kann man sich vorstellen, was da hinterher an Einnahmen reinkommt und wenn man dann auch nur einen Teil Miete bezahlen muss, was da hinterher hängen bleibt. Das rechnet sich also so in diesem Fall überhaupt nicht. Es sei denn, es gibt einen Veranstalter, der das in dem Fall subventioniert."

Kitas und Schulen, in denen das Kindertheater oft gastiert, fallen als Geldgeber aktuell nahezu aus. Möglicherweise können im kommenden Sommer zusätzliche Oper-Air-Aktionen, die öffentlich subventioniert werden, den mobilen freien Gruppen noch Einnahmemöglichkeiten erschließen. 

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