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StartseiteInterview"Harte Linie wie in China wäre bei uns nicht möglich"26.04.2020

Corona und das Vertrauen in die Politik"Harte Linie wie in China wäre bei uns nicht möglich"

Der Unterschied im Umgang mit der Coronapandemie im Vergleich zu China bestehe darin, dass die deutsche Regierung ihren Bürgerinnen und Bürger vertraue, sagte Historikerin Ute Frevert im Dlf. Doch sei das Vertrauen der Politik immer an Bedingungen geknüpft.

Ute Frevert im Gespräch mit Änne Seidel

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11.03.2020, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) und Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, beantworten auf einer Pressekonferenz zur Entwicklung beim Coronavirus Fragen von Journalisten. Foto: Wolfgang Kumm/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / Wolfgang Kumm / dpa)
Die Historikerin Ute Frevert hält das Krisenmanagement der Regierung zur Coronapandemie für sehr wirkungsvoll (picture alliance / Wolfgang Kumm / dpa)
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Dass der Großteil der Deutschen sich in der Coronakrise an die Einschränkungen und Bestimmungen hält, liegt nach Einschätzung der Historikerin Ute Frevert vor allem am geschickten Krisenmanagement der Bundesregierung. Die Exekutive agiere nicht selbstherrlich, sondern ziehe Experten zu Rate und lege offen, dass alle Entscheidungen sehr schwierig seien.

Chinas Umgang mit der Coronakrise
Die Coronakrise in China ist schlecht gemanagt worden, sagte Politikwissenschaftler Parag Khanna im Dlf. Das Land werde dadurch aber nicht grundsätzlich geschwächt. "Die Frage ist, ob sie lernen, dass man als Team handeln kann statt gegen das Volk."

Man könne der Regierung bei ihren Entscheidungen zuschauen, sagte Frevert. Das sei ein Grund dafür, warum die Menschen der Regierung ein großes Maß an Vertrauen entgegenbringen und die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie relativ kritiklos akzeptieren würden.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Vertrauen als Grundpfeiler der Demokratie

Die Demokratie der Bundesregierung sei historisch gesehen auf gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, so die Analyse der Historikerin. Das Vertrauen sei aber immer auch an Bedingungen geknüpft. Wenn sich das Volk nicht an Vereinbarungen hält, kann die Regierung das Volk bestrafen. Das Volk wiederum könne die Regierung alle vier Jahre abwählen.

In Deutschland funktioniere beim Krisenmanagement der Coronapandemie der Dreiklang aus einer starken Exekutive, klugen Experten und einer Bevölkerung, die weiß, dass die aktuellen Entscheidungen sehr schwierig sind, zurzeit sehr gut, so Frevert.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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