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StartseiteComputer und KommunikationPlay Services übermitteln Daten an Google25.07.2020

Corona-Warn-AppPlay Services übermitteln Daten an Google

Bei der Nutzung der Corona-Warn-App werden nach Erkenntnissen irischer Wissenschaftler persönliche Nutzerdaten an zentrale Server übermittelt. Die Krux an der Sache: ohne die dafür verantwortlichen Google Play Services wäre die Corona-Warn-App auf einem Android Smartphone blind. Die Forscher fordern Abhilfe.

Von Peter Welchering

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Das Logo der Corona-Warn-App auf einem Smartphone. Mithilfe der App werden Bürger benachrichtigt, sollten Sie sich in der Nähe eines am Coronavirus Erkrankten aufgehalten haben, wenn dieser die App ebenso installiert hatte und seine Erkrankung meldet. | Verwendung weltweit (picture alliance / Ostalb Network)
Die fehlende Möglichkeit für Anwender, die Google-Einstellungen zu ändern, stünden, wie es aussieht, im Konflikt mit der Datenschutz-Grundverordnung, so die Forscher (picture alliance / Ostalb Network)
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Lob gibt es von Douglas Leith und Stephen Farrell vom Trinity College in Dublin für die eigentliche Corona-Warn-App, wie sie von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt wurde. Der Austausch der Kontakt-IDs, die Warnung nach einer Positiv-Testung, das sei alles ziemlich datenschutzfreundlich, schreiben die Wissenschaftler.

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Tadel hingegen gab es für die Google Play Services. Das ist eine Sammlung von Schnittstellen und Hintergrunddiensten für Datenaustausch, Geolokalisation, zum Einbinden von Google Maps und auch die Schnittstelle, über die die Corona Warn App Bluetooth anspricht. Und Bluetooth braucht ja die Corona Warn App, damit sie Kontakt-IDs mit anderen Smartphones, auf denen die App ebenfalls läuft, austauschen kann. Ohne die Google Play Services wäre die Corona Warn App auf einem Android Smartphone blind.

Und über genau diese wichtigen Play Services gelangen personenbezogene Daten auch von den Anwendern der Corona-Warn-App an Google. Das fängt an mit der IP-Adresse, geht weiter mit der Geräte-Nummer des Handys, der Telefonnummer, der Mail-Adresse und den Nutzungsdaten des Smartphones, also welche Apps wie genutzt werden. Durchschnittlich alle 20 Minuten, so die Forscher des Trinity-College, werden diese Daten an Google gesendet.

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Konflikt mit der Datenschutz-Grundverordnung

Die Breite der Datensammlung und die fehlende Möglichkeit für die Anwender, die Google-Einstellungen zu ändern, stünden, wie es aussieht, im Konflikt mit der Datenschutz-Grundverordnung. Das macht der Internetriese nicht nur bei Anwendern der Corona App, sondern bei allen Apps, die auf die Play Services zugreifen.

Die Forscher vom Trinity College weisen allerdings darauf hin, dass die Tracing Apps, wie die deutsche Corona Warn App eben von den Gesundheitsbehörden, von den Regierungen empfohlen werden. Deshalb laden viele Menschen diese App auf ihr Smartphone. In Deutschland sind es nach RKI-Angaben 16,2 Millionen. Doch der Abfluss von Daten an Google könnte Menschen davon abhalten, die Corona Warn App oder ähnliche Tracing Apps in Europa anzuwenden, weil sie ihre Privatsphäre schützen wollen.

Kontrolle der öffentlichen Hand gefordert

Die Forscher fordern eine Kontrolle der öffentlichen Hand für das gesamte Contact-Tracing-Ökosystem, also auch für die Play Services von Google, auf die die Tracing Apps zugreifen müssen. Ralf Bremer von der Google Germany GmbH begründet die Datenerhebung so:

"Jegliche Geräte (nicht nur Android) benötigen diese Informationen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und Menschen und Systeme vor Angriffen schützen."

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