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Covid-19RKI oder Johns-Hopkins? Wie aussagekräftig Zahlen zu Corona-Infizierungen, Todesfällen und Genesungen sind

Das Robert Koch-Institut von außen - eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten in Berlin (imago images/Christian Ditsch)
Das Robert Koch-Institut von außen - eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten in Berlin (imago images/Christian Ditsch)

Wie tödlich ist Covid-19? Wie schnell breitet sich das Coronavirus aus? Wie lange müssen wir Kontaktverbote durchhalten? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Bereichen beschäftigen sich aktuell mit diesen Fragen. Doch mit den Daten, die es derzeit gibt, fallen die Antworten darauf schwer.

Täglich wird derzeit über Fallzahlen und Todesfälle von Covid-19-Erkrankten berichtet. Auch der Deutschlandfunk nennt die Zahlen vom Robert Koch-Institut (RKI) sowie von der Johns Hopkins Universität. Die Statistikerin Katharina Schüller weist darauf hin, dass die Zahlen etwa durch Inkubationszeiten und späte Meldungen eine hohe Zeitverzögerung aufweisen. Zudem gebe es eine noch unbekannte Dunkelziffer, da zu wenig getestet würde.

Auch der Virologe Alexander Kekulé kommentierte im Deutschlandfunk mit Blick auf die Zahlen des Robert Koch-Instituts, es handle sich um einen "Blick in die Vergangenheit". Grob gesagt schaue man mit den Zahlen zehn, wenn nicht gar zwölf Tage zurück. Insofern sei auch erst in zehn bis 20 Tagen zu erwarten, dass man die Folgen der sozialen Distanzierungsmaßnahmen im Alltag in Deutschland an den Zahlen sehen könne.

Warum unterscheiden sich die Zahlen von RKI und Johns Hopkins Uni?

Die unterschiedlichen Zahlen von RKI und Johns Hopkins Universität sind darauf zurückzuführen, dass verschiedene Datensätze verwendet werden. Das Robert Koch-Institut bezieht sich auf offizielle Meldungen der Gesundheitsämter und der zuständigen Ministerien der Bundesländer. Die Meldungen laufen beim RKI etwas verzögert ein. Die von der Johns Hopkins Universität veröffentlichten Daten stammen von der Weltgesundheitsorganisation sowie von nationalen Einrichtungen. Zudem wertet die Universität auch Berichte von lokalen Medien aus.

Können repräsentative Tests helfen?

Schüller fordert nun in einer Petition, repräsentative Tests in der deutschen Bevölkerung durchzuführen. Denn belastbare Aussagen etwa zur Dauer der Corona-Krise könne derzeit kein Forscher auf Grundlage der Zahlen des RKI oder der Johns Hopkins Universität machen. Dazu brauche es Stichproben von einem Querschnitt der Bevölkerung, was etwa Alter und Geschlecht angehe.

Die Dunkelziffer kennt niemand

Es ist – wie bei anderen Infektionen auch – davon auszugehen, dass weit mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind oder waren als in den Statistiken steht. Wie hoch diese Dunkelziffer ist, weiß derzeit aber niemand. Die aktuell vergleichsweise geringe Zahl der Toten in Deutschland durch Covid-19 weist laut Schüller zwar darauf hin, dass in Deutschland mehr getestet werde als etwa in Spanien. Wissenschaftler betonen aber, dass auch der Anteil an Älteren in einer Bevölkerung oder die Qualität des Gesundheitssystems die Todesraten beeinflussen können. Zudem können seriöse Raten erst nach Ende der Pandemie berechnet werden.

Um Aussagen über die künftigen Zahlen der Covid-19-Erkrankungen zu machen, brauche es aber beispielsweise Angaben über die wirkliche Zahl der Infizierten. Denn derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass Menschen, die Covid-19 überstanden haben, zumindest für eine gewisse Zeit immun sind. Diese Zahl beeinflusst Berechnungen zur Ausbreitung des Virus enorm. Das Robert Koch-Institut hat kürzlich eine Modellrechnung veröffentlicht, in der unter anderem die Ausbreitung ohne Immunität in der Bevölkerung einer Ausbreitung mit einem Drittel Immuner in der Bevölkerung gegenübergestellt wird. Im zweiten Szenario sinkt die Ausbreitung bereits deutlich.

Wie viele sind bereits immun?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Teil der Erkrankten keine Symptome zeigt – aber dennoch ansteckend ist. Diese Menschen entwickeln vermutlich ebenso wie genesene Patienten eine Immunität. Da bisher niemand wisse, wie viele Menschen bereits immun sind, seien auch Berechnungen zur Dauer der Krise nicht aussagekräftig, sagt Schüller. Repräsentative Tests etwa von 200 Personen täglich könnten Statistikern bereits eine gute Datengrundlage verschaffen, glaubt Schüller. Laut RKI-Chef Wieler lagen die Testkapazitäten vor wenigen Tagen bei etwa 160.000 pro Woche. Sie sollen allerdings noch weiter gesteigert werden.

Mehr Informationen für gezieltere Entscheidungen

Schüller geht es nun darum, durch repräsentative Tests auch an gesunden Personen eine Datengrundlage und somit mehr Sicherheit zu gewinnen, wie sie sagt. So könne man gezielter darüber entscheiden, wen man isoliert und wie lange welche Maßnahmen nötig seien. Die aktuellen Maßnahmen halte sie für sinnvoll, betont sie. Doch wenn man nicht verstehe, wie sich das Virus verbreite, lasse sich auf lange Sicht nicht mehr vermitteln, welche Maßnahmen wirklich noch notwendig sind, fürchtet sie.

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