Historische Gespräche
Darum geht es bei den Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon in Washington

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wollen die libanesische Regierung und Israel heute Gespräche auf politischer Ebene führen. Das Treffen auf Botschafterebene findet in der US-Hauptstadt Washington statt. Einige Fragen und Antworten.

    Zu sehen sind Gebäude im Zentrum von Beirut. Im Vordergrund liegen Trümmer.
    Die israelische Armee hatte zuletzt erneut mehrfach auch die libanesische Hauptstadt Beirut angegriffen. (picture alliance / Sipa USA / Elisa Gestri)

    Wer nimmt an den Gesprächen teil?

    Zunächst werden neben US-Außenminister Rubio die libanesische Botschafterin in den USA, Moawad, und der israelische Botschafter in Washington, Leiter, daran teilnehmen. ARD-Korrespondentin Sabina Matthay betont, es handle sich rein formal um den ersten direkten Kontakt beider Länder auf politischer Ebene, denn der Libanon habe Israel nie anerkannt.

    Worum geht es bei den Gesprächen?

    Über die Ziele herrscht Uneinigkeit: Die libanesische Präsidentschaft will über eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel verhandeln. Israel schließt dies vorerst aus und fordert eine Entwaffnung der vom Iran finanzierten Miliz. Israel und die Hisbollah befinden sich gerade zum zweiten Mal binnen zwei Jahren im Krieg. Eine Waffenruhe war immer wieder brüchig.
    Die Zeitung "Israel Hajom" berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen US-Diplomaten, Ziel der Verhandlungen seien eine schrittweise Normalisierung der Beziehungen und der Beitritt des Libanons zu den sogenannten Abraham-Abkommen. Diese hatte US-Präsident Trump 2020 in seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel.

    Was will Israel?

    Laut dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu möchte sein Land ein "dauerhaftes Friedensabkommen" mit dem Nachbarland Libanon. Weiterhin soll nach Angaben des israelischen Regierungschefs die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz im Fokus der Verhandlungen stehen.
    Israelischen Medien zufolge will das Land aber wegen der bloßen Aufnahme von Verhandlungen ihr militärisches Vorgehen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Nachbarland nicht unmittelbar einstellen, wie es die libanesische Regierung fordert.
    Israel bekämpft eigenen Angaben zufolge die Hisbollah, damit die Bevölkerung in Nordisrael in Sicherheit leben kann. Aber auch für die libanesische Zivilbevölkerung ist der Krieg verheerend. Hunderttausende wurden wegen der israelischen Angriffe und Bodeneinsätze vertrieben. Unter den mehr als 2.000 Toten sind auch immer wieder Zivilistinnen und Zivilisten. Israel spricht von mehr als 1.400 getöteten Hisbollah-Mitgliedern. 

    Was ist die Position der libanesischen Regierung?

    Die libanesische Regierung ist in dem aktuellen Konflikt keine aktive Kriegspartei. Einerseits möchte sie weitere Eskalationen vermeiden und Stabilität im eigenen Land sichern, andererseits hat sie nur begrenzten Einfluss auf die vom Iran finanzierte und zum Teil auch gesteuerte Hisbollah. Die aktuelle Regierung hat sich so klar wie keine ihrer Vorgängerinnen gegen die Hisbollah positioniert. Sie möchte eine vom Iran unabhängige Waffenruhe durchsetzen, um sich von der Islamischen Republik zu entkoppeln.

    Was ist die Position der Hisbollah?

    Die Hisbollah lehnt die Gespräche zwischen der Regierung und Israel ab. Ihr ist vor allem daran gelegen, ihre militärische und politische Rolle im Land zu sichern. Sie will, dass die Waffenruhe im Libanon Teil der iranisch-amerikanischen Verhandlungen ist, also nicht getrennt behandelt wird. Besonders die von Israel geforderte Entwaffnung der Miliz will die Hisbollah nicht ohne Gegenleistung akzeptieren. Sie fordert den kompletten Abzug der israelischen Truppen im Land.

    Weiterführende Informationen

    Über die aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg halten wir Sie auch in einem Newsblog auf dem Laufenden.
    Diese Nachricht wurde am 14.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.