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Datenschutz und digitale Sicherheit"Wir brauchen ein Update für die Lehrpläne"

Die Netzaktivistin Katharina Nocun sieht beim Thema Datenschutz und digitale Sicherheit großen Nachholbedarf in Deutschland. Der Umgang mit Fakennews müsse schon in der Schule gelernt werden, forderte Nocun im DLF. Aber auch bei Abgeordneten und anderen Verantwortungsträgern sieht sie Schulungsbedarf.

Katharina Nocun im Gespräch mit Britta Fecke | 22.01.2017

Katharina Nocun, Bürgerrechts- und Netzaktivistin.
Katharina Nocun, Bürgerrechts- und Netzaktivistin. (picture alliance/dpa - Karlheinz Schindler)
Als Beispiel nannte Nocun den E-Mail-Verkehr. Noch bis vor wenigen Jahren sei es kaum möglich gewesen, mit Abgeordneten verschlüsselt zu kommunizieren. Erst durch den NSA-Skandal habe hier ein Umdenken stattgefunden. Allerdings würden noch längst nicht alle auf diesen Schutz zurückgreifen, da sei man "noch in der Steinzeit", kritisierte Nocun. Um diesen Missstand zu beseitigen, brauche es mehr Aufklärung und gezielte Schulungen. Das könne auch helfen, sich weniger erpressbar zu machen. Dennoch: einen hundertprozentigen Schutz werde es nicht geben.
Nachholbedarf sieht Nocun auch beim Schutz der Infrastruktur vor Hackerangriffen. "Jedes Atomkraftwerk im Internet ist aus Sicherheitssicht ein Totalausfall", so Nocun. Gewisse Infrastruktur sollte grundsätzlich nicht ans Netz - das sei die beste Verteidigung gegen Angriffe.
Eindringlich wandte sich Nocun gegen Forderungen, auf das Attentat von Berlin mit mehr Videoüberwachung und neuen Gesetzen zu reagieren. Sie sprach in diesem Zusammenhang von einem Manöver, um von Behördenversagen abzulenken. Im Fall Anis Amri hätten die Daten vorgelegen, sie seien nur nicht ausgetauscht worden. Neue Gesetze zu machen sei politisch bequem, so Nocun. Wichtiger sei es aber, zu schauen, wo Fehler gemacht worden seien.
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Katharina Nocun als Audio-on-Demand.